Brugg

Stadtammann-Kandidat Richard Fischer: «Jede Begegnung ist eine Chance»

Die FDP war Richard Fischer als sozialliberaler Politiker zu sehr nach rechts gerutscht. Darum gab er den Austritt.

Richard Fischer

Die FDP war Richard Fischer als sozialliberaler Politiker zu sehr nach rechts gerutscht. Darum gab er den Austritt.

Der Stadtammann-Kandidat Richard Fischer (67) ist privilegiert aufgewachsen – nun möchte er der Gesellschaft mit seinem politischen Engagement etwas zurückgeben und kommende Generationen unterstützen.

Richard Fischer (67) ist ein Querdenker, ein Provokateur. Für einige mag gar seine Kandidatur als Stadtammann Provokation sein. Er eckt mit seinen Ideen und Gedankengängen an. «Gelegentlich beabsichtigt», sagt er. «Das weckt und regt den Dialog an.»

Lieblingsplatz: Brugger Stadtammann-Kandidat Richard Fischer (parteilos)

Lieblingsplatz: Brugger Stadtammann-Kandidat Richard Fischer (parteilos)

Für das Porträtgespräch empfängt er die AZ in seinem Büro in einem wunderschönen Patrizierhaus an der Paradiesstrasse in Brugg. Auf dem Boden liegt ein Hundebett. Richard Fischer teilt sich zurzeit das Büro mit seiner Tochter Evelyne, die einen Hund hat.

Ein Büro hat er noch immer, obwohl er seit zwei Jahren AHV-Empfänger ist. Er engagiert sich mit seiner Denk-Bar Vindonissa für junge Menschen, unterstützt und fördert sie unentgeltlich. Dieses Engagement für junge Menschen ist bezeichnend für Richard Fischer. Er setzt sich gerne für die Jungen und damit für die Zukunft ein. «Ich durfte privilegiert aufwachsen, hatte ein gutes Leben mit spannenden Aufgaben. Deshalb möchte ich der nachfolgenden Generation etwas davon zurückgeben, insbesondere meine Erfahrungen als Unternehmer weitergeben», sagt er. Darum auch sein spätes politisches Engagement, das in seiner Stadtammann-Kandidatur gipfelt.

Was würde sich mit Ihnen als Stadtammann in der Stadt Brugg verändern?

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Die drei Brugger Stadtamman-Kandidaten Titus Meier (FDP), Barbara Horlacher (Grüne) und Richard Fischer (parteilos) geben ihre Versprechen ab.

Der Vater als Bezugsperson

Die ersten Lebensjahre inklusive Primarschule verbrachte Richard Fischer mit seinen Geschwistern Hans-Ueli und Kathrin in Windisch. Sein Vater Max war Zahnarzt, seine Mutter Rösli war Gärtnerin. «Das hat man unserem schmucken Garten an der Römerstrasse angesehen», erinnert sich Richard Fischer und lächelt. «Zur Mutter hatte ich eine entspanntes, zum Vater ein bewegtes Verhältnis», sagt er. «Egal was war, bei meinem Vater habe ich immer gespürt, dass er mich gern hat.»

Max Fischer war ein gemässigter Abenteurer. Er baute beispielsweise mit seinem Freund Walti Ehret, ein Brugger Schreinermeister, Segelflugzeuge und hob damit im Birrfeld ab. «Einmal ist er mit einem Eigenbau abgestürzt, da ein Flügel abbrach. Sein Fallschirm rettete ihm das Leben», erinnert sich Richard Fischer. Es ist der Vater, der Richard Fischer geprägt hat. Bis heute. «Mein Vater hat zu mir gesagt: ‹Jede Begegnung ist eine Chance›», erzählt der Stadtammann-Kandidat. «Dieser Satz durchdringt noch heute meine Begegnungen mit den Menschen.»

Klein Richard war «neugierig und lebig», ausgestattet mit einem enormen Bewegungsdrang. «Ich ging gerne an den damals noch stinkenden Süssbach und kam abends dreckig nach Hause», sagt Richard Fischer und schmunzelt. Er war perfekt geeignet für die Pfadi, der er in Brugg beitrat. Zudem nahm ihn sein Grossvater Hans Meier, der 1907 ein Bauunternehmen in Brugg gegründet hatte, mit auf die Baustellen. «So entwickelte sich meine Freude am Bauen», sagt Richard Fischer. «Es faszinierte mich, wie Leitungen und Wassersteine verlegt, Strassen gebaut und Wasserfassungen gebohrt, errichtet wurden. Dass man dabei gleich das Resultat der geleisteten Arbeit sieht, finde ich heute noch toll.»

Die Bezirksschule besuchte Richard Fischer dann in Brugg. Seine Aufgaben habe er pflichtbewusst erledigt. «Das ist noch heute so», sagt er. Mathematik und Deutsch waren seine Lieblingsfächer. Heute schreibt er gelegentlich Gedichte und Kurzgeschichten, diese seien allerdings nur für die Augen und Ohren im Familien- und Freundeskreis bestimmt. In den musischen Fächern hingegen sei er «sackschwach» gewesen. Daran hätten auch neun Jahre Klavierunterricht nichts geändert.

Nach der Bezirksschule machte Richard Fischer an der Evangelischen Mittelschule in Schiers GR die C-Matur (mathematisch-naturwissenschaftlich). Daraufhin nahm er das Studium zum Bauingenieur an der ETH in Zürich auf und leistete längere Zeit Militärdienst. Doch es dauerte nicht lange und Richard Fischer schmiss sein Studium hin – vorerst jedenfalls. Er absolvierte die Handelsschule, arbeitete beim Bankverein in Zürich als Kreditsachbearbeiter, wo er viel über Bilanz- und Rechnungswesen lernte. Nach dieser knapp dreijährigen Bankerfahrung schloss er doch noch das Ingenieur-Studium ab. Dies an der HTL in Windisch. Das Ziel: der Eintritt in das Familienunternehmen, das zwischenzeitlich vom Vater geleitet wurde.

30-jährig trat Richard Fischer dann ins grosselterliche Unternehmen ein. In den ersten zwei Jahren arbeitete er als Bauführer, um zuerst die Menschen im Unternehmen sowie die Praxis und Abläufe auf den Baustellen kennen zu lernen. «Ich wurde in all den folgenden Jahren als Geschäftsleiter von allen Seiten unterstützt», sagt er heute. «Ich verspürte zwar den Druck der Verantwortung, hatte aber immer Freude an der vielseitigen Führungstätigkeit.» Kurz zuvor trat er der FDP-Stadtpartei in Brugg bei, wurde später deren Vizepräsident. 28 Jahre lang führte er die Bau-Unternehmung mit 150 Mitarbeitern, bevor er sie, mangels familiärer Nachfolge, in fremde, aber ihm vertraute Hände übergab.

Scheidung als Niederlage

Exakt vor 40 Jahren heiratete Richard Fischer. Seine Frau Edith brachte die Söhne Dani und Rémy mit in die Familie. Barbara und Evelyne, die gemeinsamen Töchter, wurden 1977 und 1981 geboren. Inzwischen ist Richard Fischer zweifacher Grossvater. Die Ehe allerdings hat nicht bis heute gehalten. Nach siebeneinhalb Jahren folgte die Trennung, ein paar Jahre danach die Scheidung. «Die Scheidung war für mich eine bittere Niederlage», sagt Richard Fischer. Er betont, dass die Trennung ruhig über die Bühne gegangen ist. Kein Rosenkrieg, keine Kampfscheidung. Die Kindererziehung hatte sich das ehemalige Paar geteilt. Noch immer pflegt Richard Fischer mit seiner Ex-Frau ein gutes Verhältnis, sie hat ihn auch an das AZ-Wahlpodium begleitet. Heute wohnt der alleinstehende Richard Fischer in einem Mehrfamilienhaus an der Paradiesstrasse in Brugg.

Nachdem er sein Geschäft verkauft hatte, öffneten sich für Richard Fischer «neue Lebensfenster mit spannenden Aufgaben». «Das Leben hat es gut mit mir gemeint und ich bin gesundheitlich noch ‹zwäg›», führt er aus. Und so gründete er seine Denk-Bar, kümmerte sich vermehrt um die Politik, war mit Bürgerforen auf nationalem (Duro-Sanierung) und regionalem (Neues Gesicht Brugg) Parkett aktiv. Per Ende 2016 trat er aus der FDP Brugg aus. Grund: «Die FDP ist mir als sozialliberaler Politiker zu weit nach rechts gerutscht.» Zudem habe es ihn gestört, dass der Wahlausschuss der nominierenden Parteiversammlung keine Stadtammann-Auswahl angeboten hat.

«Opa, du musst Boss werden»

Oft unternimmt er auch mit seinen beiden Enkelkindern etwas. «Es ist schön, dass ich so nahe an der übernächsten Generation sein darf», sagt Richard Fischer. Sein 8-jähriger Enkel Elyah meinte kürzlich zu ihm: «Opa, du musst Boss werden von Brugg.» Der Grossvater entgegnete ihm: «Dann habe ich aber nicht mehr so viel Zeit für dich und deine Schwester Alissia.» Daraufhin antwortete der Enkel: «Das macht nichts. Dann komme ich nach Brugg und helfe dir beim Regieren.»

Von dieser Generation wünscht er sich, dass sie sich verstärkt in die gesellschaftlichen Prozesse einbringt und sich auch aktiv am politischen Geschehen beteiligt. Dass sie unbequeme Fragen stellt, wenn nötig provokativ ist. So wie Richard Fischer selber, der mit seiner Art vor allem eines erreichen will: dass die Menschen miteinander reden und «auf diesem Weg generationengerechte Zukunftslösungen suchen».

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