Bezirksgericht Brugg

Stadtammann bedroht und Hausfrieden gebrochen: Wutbürger wird verurteilt

Sie hätten noch eine Rechnung offen, rief der Beschuldigte dem alt Stadtammann ins Büro zu. (Archivbild)

Sie hätten noch eine Rechnung offen, rief der Beschuldigte dem alt Stadtammann ins Büro zu. (Archivbild)

Beim Stadthaus Brugg hatte ein aufgebrachter Bürger über Behörden und Polizei geschimpft – der Verhandlung vor dem Bezirksgericht Brugg blieb er unentschuldigt fern.

Für ein klärendes Gespräch ist er zu haben, auch die Konfrontation scheut er nicht. Im Dezember 2017 aber machte sich der damalige Brugger Stadtammann Daniel Moser einige Sorgen. «Ich konnte nicht abschätzen, was passiert», sagte er als Auskunftsperson vor dem Bezirksgericht Brugg.

Beschuldigt war ein heute 45 Jahre alter Mann. Drohung wurde ihm als strafbare Handlung zur Last gelegt. Der Beschuldigte erschien – unentschuldigt – nicht zur Verhandlung. Gemäss Anklageschrift rief er an jenem Winterabend vor dem Stadthaus an der Hauptstrasse laut nach dem damaligen Stadtammann, wiederholte mehrmals, sie hätten noch eine Rechnung offen, schimpfte über die Behörden und bezeichnete die Polizei als Terroristen.

Um welche Rechnung es sich gehandelt haben soll, konnte Moser nicht sagen in der Befragung durch Gerichtspräsidentin Gabriele Kerkhoven. Der alt Stadtammann erinnerte sich daran, dass es dunkel war und er noch als Einziger am Arbeiten war im Stadthaus. Die Türen seien geschlossen gewesen. Als er ein Rufen hörte, habe er das Fenster geöffnet in seinem Büro im ersten Stock.

«Ich hatte Bedenken, dass es nicht gut herauskommt»

Der Beschuldigte sei sehr aufgebracht gewesen und habe ihn aufgefordert, nach unten zu kommen, führte Moser aus. Getragen habe der Mann einen Rucksack und unter dem Arm ein Paket. Beruhigen lassen habe er sich nicht. Er sei nervös im Kreis gelaufen und habe sich schliesslich wutschnaubend in Richtung Neumarkt entfernt.

Moser verständigte die Regionalpolizei (Repol) Brugg – «ich hatte Bedenken, dass es nicht gut herauskommt» – und stellte in der Folge auch einen Strafantrag. Es sei ihm darum gegangen, die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung zu schützen, betonte der alt Stadtammann. Denn zu Reibereien sei es schon vorgängig mehrmals gekommen mit dem Beschuldigten, der jeweils unverhofft in den Büros aufgetaucht war. Die Zwischenfälle beunruhigten die Mitarbeitenden.

Moser hatte die Angelegenheit bereinigen wollen und einen Termin vereinbart mit dem Mann. In einem zweiten Anlauf habe schliesslich ein «eindrückliches» Gespräch stattfinden können. Der Mann sei der Ansicht gewesen, die ganze Welt habe sich gegen ihn verschworen, habe sich ungerecht behandelt gefühlt. Allerdings habe er sich nicht dazu bewegen lassen, seinen Standpunkt zu überdenken oder zu ändern, hielt Moser fest. Der alt Stadtammann hob vor dem Bezirksgericht hervor, dass er nichts gegen diesen Mann habe. Aber das – unbelehrbare – Verhalten, durch das er einen Schaden hinterlasse, sei nicht akzeptabel. «So geht es nicht.»

Schon einmal nicht erschienen vor Gericht

Mittlerweile konnte das Bezirksgericht Brugg das Urteil fällen und – nach mehreren Wochen – auch zustellen. Der Beschuldigte wird im Sinne der Anklage schuldig gesprochen. Verurteilt wird er zu einer unbedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 10 Franken.

Einen Strafbefehl am Hals hatte der gleiche Mann übrigens bereits wegen Hausfriedensbruchs. Trotz Hausverbot hatte er das Stadthaus betreten. Gegen den Strafbefehl hatte der Mann Einsprache erhoben. Zum Termin vor dem Bezirksgericht Brugg erschien er aber ebenfalls nicht. Der Strafbefehl ist in Rechtskraft erwachsen.

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Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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