Dass die Stadt Brugg die denkmalgeschützte Brunnenmühle an der Aare mit der benachbarten Scheune verkaufen will, haben die meisten Einwohnerräte aus der Presse erfahren. «Ich war entsetzt, dass die Stadt überhaupt auf diese Idee kommt», sagt SP-Einwohnerrat Reto Bertschi.

Jedes Kind staune, wenn es über den Mühlesteg laufe und die imposante Brunnenmühle mit den beiden funktionierenden Wasserrädern sehe. Dieser Zeitzeuge mit sechs vermieteten Wohnungen sowie einer sanierungsbedürftigen Kleinstwohnung gehört der Einwohnergemeinde Brugg.

Derzeit steht der Gebäudekomplex mit einer Grundstücksfläche von 2375 m² für insgesamt 2 Millionen Franken zum Verkauf. Das hat der Brugger Stadtrat mit Zustimmung der Finanzkommission so beschlossen. Bei einer Verkaufssumme über 3 Millionen Franken müsste das Geschäft dem Einwohnerrat zur Genehmigung vorgelegt werden. Reto Bertschi stört sich daran, dass die Stadt den Verkauf dieser geschichtsträchtigen Liegenschaft nicht aktiv kommuniziert hat.

Er kann nicht verstehen, warum dieser Schritt jetzt erfolgt, bevor die Immobilienstrategie fertig erstellt ist. Grundsätzlich wünscht sich Bertschi eine aktive Immobilienstrategie, bei der die Stadt die Liegenschaften selber bewirtschaftet und je nach dem für Wohnraum oder öffentliche Institutionen wie Schulen zur Verfügung stellen kann. Als Einwohnerrat möchte er von der Stadt Brugg über die beschlossene Strategie informiert werden. «Alles andere ist nicht gut für das gegenseitige Vertrauen», betont Bertschi.

1000 Unterschriften als Ziel

Auf der Online-Plattform «Petitio.ch» dieser Zeitung hat Reto Bertschi am Sonntag eine Petition erfasst mit dem Titel «Kein Verkauf der Brunnenmühle in Brugg». Er schlägt vor, dass die Stadt Brugg von den aktuellen Verkaufsplänen Abstand nehmen, die Brunnenmühle erhalten und soweit nötig sanieren soll. Mit dem Verkauf der historisch wertvollen Liegenschaft gebe Brugg ein Wahrzeichen der Stadt aus der Hand. «Die Brunnenmühle ist ein Publikumsmagnet und darf nicht verschwinden oder verändert werden», schreibt Bertschi auf «Petitio.ch». Der SP-Einwohnerrat hofft, dass vor Ablauf der Sammelfrist am Dienstag, 7. Mai, über 1000 Unterschriften zusammenkommen.

Dass der Stadtrat nicht die Ausarbeitung der Immobilienstrategie abwartet, sondern die Brunnenmühle bereits heute verkaufen will, wundert auch FDP-Einwohnerrat Titus Meier. In einer kleinen Anfrage stellt er dem Stadtrat eine ganze Reihe von Fragen zum Verkauf der geschichtsträchtigen Brunnenmühle. Ähnlich wie Reto Bertschi fragt Historiker Meier: «Weshalb hat der Stadtrat den angestrebten Verkauf nicht aktiv kommuniziert und öffentlich begründet, sondern den Weg über eine Ausschreibung gewählt?»

Titus Meier, der Mitglied der Finanzkommission ist, will weiter wissen, welche Nutzung der Brunnenmühle der Stadtrat als wünschenswert beziehungsweise optimal erachtet. Unklar ist zudem, nach welchen Kriterien der Stadtrat einem Käufer den Zuschlag geben wird. «Wird es ein Gebotsverfahren geben oder werden Gesamtofferten verlangt?»

Eine Fläche nördlich des Brunnenmühlewegs wird laut Meier derzeit als Garten und als Sitzplätze genutzt und soll nicht verkauft werden. «Werden diese Flächen, die wohl Bestandteil der Mietverträge sind, einem allfälligen Käufer langfristig verpachtet?», erkundigt sich der FDP-Einwohnerrat. «Wird die Abparzellierung tatsächlich unmittelbar entlang der Hauslinie vorgenommen oder wird es minimale Sitzplätze/ Veloparkplätze vor dem Haus/um den Brunnen geben?»

Fragen zu den Mühlerädern

Der Historiker interessiert sich ausserdem dafür, welche Auflagen der Käufer hinsichtlich der beiden Mühleräder haben wird. Und zuletzt will der freisinnige Politiker noch wissen, mit welchen jährlichen Unterhaltskosten (Mühleräder, Bezug des Quellwassers etc.) ein Käufer zu rechnen habe und ob sich die Stadt Brugg an diesen Kosten allenfalls beteiligen wird.

Unmut über den geplanten Verkauf der Brunnenmühle macht sich nicht nur unter den Einwohnerräten breit, auch sonst haben sich ein paar Brugger Einwohner bei der Zeitungslektüre die Augen gerieben. So war in der Bevölkerung unter anderem die Befürchtung zu hören, dass mit dem geplanten Verkauf garantiert günstiger Wohnraum verloren gehen werde. Den Mietern werde doch gekündigt und die Liegenschaft bei der Sanierung vergoldet.