Brugg
Stadt und Berufsschule einig: «Wir wollen keine Schliessung»

Das Berufs- und Weiterbildungszentrum wartet darauf, dass Kanton mit dem Standort- und Raumkonzept vorwärtsmacht.

Claudia Meier
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Schulvorstandspräsident Max Zeier (links) und SP-Stadtrat Willi Däpp setzen sich für die Weiterentwicklung des Berufs- und Weiterbildungszentrums Brugg ein. CM

Schulvorstandspräsident Max Zeier (links) und SP-Stadtrat Willi Däpp setzen sich für die Weiterentwicklung des Berufs- und Weiterbildungszentrums Brugg ein. CM

Claudia Meier

Seit Monaten wird erwartet, dass der Regierungsrat die Botschaft zum kantonalen Projekt «Standort- und Raumkonzept Sekundarstufe 2» in die Vernehmlassung schickt. Von mehreren möglichen Szenarien in Sachen Schulraumnutzung ist die Rede, was für Nervosität in der Berufsbildungsszene sorgt. Betroffen ist auch das Berufs- und Weiterbildungszentrum Brugg (BWZ), dessen Trägerin die Stadt Brugg ist. «Die Ungewissheit dauert nun schon zwei Jahre», sagt Schulvorstandspräsident Max Zeier. Als das Projekt vorgestellt wurde, habe Regierungsrat Alex Hürzeler zwar gesagt, dass keine Standorte geschlossen würden, doch dieser Aussage traue er mittlerweile nicht mehr, fährt Zeier fort. Ins gleiche Horn stösst SP-Stadtrat Willi Däpp, zuständig für die Bildung, an der Presseinformation am Donnerstagmorgen: «Unsicherheit ist das Schlimmste für die Planung.»

Bei den Verantwortlichen werden Erinnerungen ans Jahr 2001 wach: Der Grosse Rat entschied damals, dass die beiden bestehenden Berufsschulen in Brugg bleiben können, forderte aber deren Fusion. Diese erfolgte 2004. Seither sind die Berufsfachschule Technik & Natur und die Berufsfachschule Wirtschaft unter dem Dach des BWZ Brugg zusammengefasst. Aktuell drücken 1300 Lernende an den beiden Standorten im Flex-Gebäude an der Industriestrasse und an der Annerstrasse die Schulbank.

Rund 2000 Erwachsene pro Jahr nutzen zudem das Weiterbildungsangebot des BWZ in den Bereichen Informatik, Sprachen, Wirtschaft sowie Prüfungsvorbereitungen. «Auf Wunsch bieten wir auch Weiterbildungen vor Ort bei den Firmen an», sagt der Schulvorstandspräsident.

Hervorragendes Bildungsnetzwerk

Max Zeier ist in der Region Brugg seit Jahren gut vernetzt. Auch als Stiftungsratspräsident des Technoparks Aargau pflegt er regelmässig Kontakte zur Wirtschaft, zum Hightech-Zentrum Aargau und zu SwissUpStart. Zeier kennt die Bedürfnisse von Jungunternehmern. Er weiss, wie man ihnen beispielsweise in Sachen Buchhaltung auf die Sprünge helfen kann und spannt hier das BWZ und manchmal Dozenten der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) ein.

Wenn es um die Behebung des Fachkräftemangels geht, spielt das BWZ nicht nur für die Lernenden eine zentrale Rolle. Absolventen von technischen Berufslehren ohne Berufsmatur haben am BWZ die Möglichkeit, sich für die Aufnahme an einer Fachhochschule vorzubereiten. «Dank diesem Angebot schaffen 40 bis 60 zusätzliche Technik-Studierende pro Jahr den Sprung an die Fachhochschule in Brugg-Windisch oder in Muttenz», erzählt Zeier. Die Zusammenarbeit zwischen BWZ und FHNW ist intensiv. Besonders beliebt bei den Lernenden sind Bibliothek, Restaurant und Bar im Campus-Neubau.

Langfristige Planung als Ziel

Stadtrat Willi Däpp betont, dass es ein wichtiges Legislaturziel sei, diesen Bildungsstandort von hoher Qualität in der Region Brugg-Windisch weiter zu stützen und fördern. Die Informationen zum kantonalen Projekt «Standort- und Raumkonzept Sekundarstufe 2» seien diffus. Dem Stadtrat sei es aber ein Anliegen, langfristig planen zu können. Ob der Kanton an der Brugger BWZ-Erfolgsgeschichte rütteln und allenfalls Synergien mit anderen Schulen bilden will, ist unklar. «Wir wollen keine Schliessung und auch keine Teilschliessung», so Max Zeier.

Klar ist, dass sich der Anhörungsstart weiter verzögern wird. «Es wird sicher später als Frühling 2015», sagt Simone Strub Larcher, Kommunikationsleiterin ad interim beim kantonalen Departement Bildung, Kultur und Sport. Die Aussage von Departementsvorsteher Alex Hürzeler, wonach kein Berufsbildungsstandort geschlossen werde, habe aber nach wie vor Gültigkeit.