Brugg
Stadt Brugg will ihren runden Geburtstag nicht feiern

Vor 950 Jahren wurde Brugg erstmals urkundlich erwähnt. Einen solchen Geburtstag feiert man nicht alle Tage. Doch für die Kleinstadt ist nicht etwa die Gründung, sondern die Verleihung des Stadtrechts oder die Eröffnung des Campus Grund für ein Fest.

Claudia Meier
Merken
Drucken
Teilen
Am viertägigen Stadtfest «Best of Brugg» im Mai 2013 waren Tausende in der Altstadt unterwegs. Michael Hunziker

Am viertägigen Stadtfest «Best of Brugg» im Mai 2013 waren Tausende in der Altstadt unterwegs. Michael Hunziker

Das viertägige Stadtfest «Best of Brugg» lockte im Mai und Juni letzten Jahres Tausende Festhungrige nach Brugg. Kein Wunder, war es doch das erste Stadtfest seit
18 Jahren. «Was wurde da eigentlich gefeiert?», fragte diese Woche eine junge Frau aus Rüfenach, die das Fest noch in bester Erinnerung hat.

Diese Frage ist durchaus berechtigt: Denn ein Blick auf die Website der Stadt verrät, dass Brugg 2014 eigentlich ein Jubiläum – den 950. Geburtstag – feiert. Urkundlich tauche der Name Brugg erst 1064 auf, als der Graf von Habsburg dem Kloster Muri seine Güter, darunter solche in «Bruggo», bestätigte, steht da geschrieben. Das wäre doch ein guter Grund für ein grosses Fest gewesen?

Die Stadt winkt aber ab. Im Jahr 1984 habe man das Jubiläum «700 Jahre Brugger Stadtrecht» gefeiert, teilt Stadtschreiber Yvonne Brescianini mit. Damit sei nicht der Geburtstag der Stadt, sondern gewissermassen ihre Diplomierung oder ihre Maturität gefeiert worden. Die Stadtrechtsverleihung im Jahr 1284 sei die Krönung eines längeren Werdeganges und Reifeprozesses gewesen, so Brescianini weiter.

«Die Verantwortlichen der Stadt Brugg haben somit vor Jahrzehnten entschieden, nicht die erste urkundliche Erwähnung von Brugg zu feiern, sondern sich auf die Verleihung des Stadtrechts abzustützen», betont Stadtschreiber Brescianini. Deshalb sehe der Stadtrat auch keinen Anlass, im Jahr 2014 ein Jubiläum zu feiern.

Am Stadtfest im letzten Frühsommer wurden – um auf die Frage der jungen Rüfenacherin zurückzukommen – unter anderem drei besondere Ereignisse gebührend gefeiert. Nämlich: «150 Jahre Rettungskorps der Stadt Brugg» und «100 Jahre Städtefreundschaft Brugg-Rottweil» sowie die Eröffnung des Campus-Neubaus, die im Herbst erfolgte.

Auch wenn die Stadt Brugg – abgesehen vom Rutenzug – dieses Jahr nicht unbedingt in Festlaune ist, so feiern im Bezirk Brugg trotzdem mehrere Gemeinden ein Jubiläum: Remigen, Thalheim und Schinznach-Bad werden 950 Jahre alt. Veltheim feiert seinen 750. Geburtstag. Dieses Gemeindequartett hat verschiedene Anlässe geplant, die sich über das ganze Jahr verteilen. Die Vorbereitungen laufen seit Monaten: Es werden Konzerte organisiert, Märsche komponiert, spezielle Süssigkeiten kreiert sowie Helfer und Besucher mobilisiert.

Im Schenkenbergertal veranstaltet die Gemeinde Veltheim vom 13. bis 15. Juni ein Dorffest. Das Fest in Schinznach-Bad findet vom 29. bis zum 31. August statt. Thalheim lädt vom 27. bis zum 29. Juni ihre knapp 20 Namensvettern aus Österreich, Deutschland und den Rumänischen Siebenbürgen zu sich in die Schweiz ein. Und die Gemeinde Remigen offeriert unter anderem der ganzen Bevölkerung ein Nachtessen.