Berufsbildung

Stadt Brugg kämpft für Erhalt der Schulstandorte für Lernende

Die beiden BWZ-Schulhäuser an der Annerstrasse möchte der Kanton für die Berufsfachschule Gesundheit und Soziales mieten.

Die beiden BWZ-Schulhäuser an der Annerstrasse möchte der Kanton für die Berufsfachschule Gesundheit und Soziales mieten.

Dem Berufs- und Weiterbildungszentrum droht die vollständige oder teilweise Schliessung, weil der Regierungsrat Berufsschullandschaft im Aargau umpflügen will. Nun formiert sich Widerstand von der Schule und der Stadt durch Bildung einer Task-Force.

Seit Monaten haben die Verantwortlichen des Berufs- und Weiterbildungszentrums (BWZ) Brugg mit seinen 1240 Lernenden auf das Konzept des Kantons gewartet. Und als ob sie es geahnt hätten, machten SP-Stadtrat Willi Däpp als Vertreter der Trägergemeinde Brugg und der Schulvorstandspräsident Max Zeier bereits im Januar an einer Medienorientierung klar: «Wir wollen keine Schliessung.»

Seit letztem Freitag ist nun bekannt, wie der Regierungsrat die Berufsschullandschaft im Aargau umpflügen will. Dem BWZ Brugg, das mit der KV-Schule im Flex-Gebäude an der Industriestrasse und mit den gewerblich-industriellen Berufen an der Annerstrasse beheimatet ist, droht – je nach Variante – eine Total- oder Teilschliessung.

Mehr noch: Der Kanton kann sich eine Reorganisation der in Brugg domizilierten kantonalen Berufsfachschule Gesundheit und Soziales (BFGS) mit derzeit rund 1800 Lernenden vorstellen. «Optimal wäre es, wenn die Räume des BWZ Brugg – ohne das gemietete Flex-Gebäude – weiterhin für die berufliche Grundbildung genutzt werden könnten, indem die BFGS Brugg die Räumlichkeiten an der Annerstrasse beziehen könnte», heisst es im Anhörungsbericht des Departements Bildung, Kultur und Sport.

Task-Force wird gebildet

Schulvorstandspräsident Max Zeier ist empört: «Wir vom BWZ halten nichts, aber auch gar nichts von den regierungsrätlichen Vorschlägen, die uns betreffen.» Eine von externen Evaluatoren vor einem Jahr bestens qualifizierte Berufsfachschule, an zentraler Lage und mit hervorragenden Infrastrukturen sowie bester Vernetzung mit weiteren Bildungsinstitutionen wie der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) gehöre nicht aufgelöst, so Zeier. Der Schulvorstandspräsident kann dieses Szenario nicht nachvollzeihen, weil Regierungsrat Alex Hürzeler zu Projektbeginn vor allen Rektoren sowie Präsidenten im Grossratsgebäude und ihm selber später immer wieder versicherte, dass keine Berufsfachschule aufgelöst werde.

Eine Auflösung des BWZ hätte gemäss Max Zeier folgende Auswirkungen: Über 200 Lehrbetriebe müssten ihre Lernenden in Berufsschulen zur Ausbildung schicken, die sich nicht mehr in nächster Umgebung befinden würden. Die Region Brugg würde die grosse Erwachsenenbildungsinstitution mit jährlich 2000 Kursbesuchern verlieren. Zudem würde die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der FHNW, Abteilung Technik, mit der vorbereitenden Ausbildung zukünftiger Ingenieurstudenten für die Aufnahmeprüfung beendet. Im Weiteren wären Arbeitsplätze akut gefährdet und Mietvertragskündigungen hätten fatale finanzielle Folgen für den Vermieter.

Nun formiert sich breiter Widerstand. «Wir haben bereits beschlossen, eine Task-Force mit Vertretern von Wirtschaft, FHNW, Politik, Träger und BWZ zu bilden», betont Zeier. «Wir werden nicht tatenlos zusehen, sondern alles unternehmen, damit unsere Region auch zukünftig eine Ausbildungsstätte für Jugendliche und Lehrbetriebe anbieten kann.» Trägerschaft des BWZ ist die Stadt Brugg. Sie ist auch Eigentümerin der beiden Schulliegenschaften an der Annerstrasse, auf die es der Kanton abgesehen hat.

Stadt setzt sich für BWZ ein

Der Brugger Stadtrat werde am Dienstag an seiner Sitzung von den Vorschlägen des Regierungsrats Kenntnis nehmen und eine erste Diskussion dazu führen, sagt Stadtammann Daniel Moser. Anschliessend erfolge eine Meinungsbildung und Strategieentwicklung zusammen mit dem Schulvorstandspräsidenten, den Schulleitern und weiteren Personen. «Der Stadtrat wird sich für das BWZ einsetzen und alles daransetzen, um den Schulstandort Brugg beibehalten zu können», so Moser weiter.

Sollte dies nicht gelingen, hätte das unter anderem finanzielle Auswirkungen auf die Schulliegenschaften an der Annerstrasse und auf die Sporthalle Mülimatt. Diese Gebäude seien im Besitz der Stadt Brugg. Sollte das BFGS die Liegenschaften dereinst nutzen, müssten für die konkreten finanziellen Abgeltungen mit dem Kanton Verhandlungen geführt werden. Daniel Moser betont: «Im jetzigen Zeitpunkt steht aber eindeutig der Verbleib des BWZ in Brugg im Vordergrund.» Die Anhörung zum Bericht «Standort- und Raumkonzept Sekundarstufe II» mit den drei Varianten dauert bis Ende September.

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