Windisch

Stadionverbot nach Attacke beim Juniorenspiel: SVP-Einwohnerrat zum Rücktritt gezwungen

Der angetrunkene SVP-Einwohnerrat soll im Eishockey-Stadion laut und vulgär den Schiedsrichter beleidigt und eine Frau attackiert haben.

Der angetrunkene SVP-Einwohnerrat soll im Eishockey-Stadion laut und vulgär den Schiedsrichter beleidigt und eine Frau attackiert haben.

Eine angebliche Auseinandersetzung im Eishockeystadion hat für einen Windischer Einwohnerrat und Schulpfleger Konsequenzen.

Der Inhalt des Briefs ist unmissverständlich: «Guten Tag, die Ortssektion Windisch der SVP fordert Dich auf, von allen politischen Ämtern zurück- und aus der SVP auszutreten. Sie gibt Dir die Chance, Austritts- und Rücktrittsgesuche selber zu schreiben.» Unterzeichnet ist der Brief mit Dr. Frederik Briner, SVP-Ortspräsident in Windisch. Adressiert ist die Aufforderung an einen SVP-Einwohnerrat, der auch in der Schulpflege sitzt (Name der Redaktion bekannt).

Hintergrund dieses Schreibens: Der betroffene SVP-Mann soll an einem Eishockeyspiel in Küsnacht ZH zwischen dem Nachwuchs der GCK Lions und des EHC Klotens handgreiflich geworden sein. So jedenfalls beschreibt es der «Blick». Im Junioren-Spiel ging es um die Trophäe des Rabbit Club 2017. Der Sohn des betroffenen Politikers spielt in der Mannschaft des EHC Kloten. Der angetrunkene Vater soll laut und vulgär den Schiedsrichter beleidigt und eine Frau attackiert haben.

Der betroffene Politiker kassierte von den GCK/ZSC Lions gesamtschweizerisches Stadionverbot. Ausriss aus dem «Blick».

GCK-Lions-Spielbetriebsleiter Manfred Frischknecht sagt im «Blick»: «Ich sah mich gezwungen, die Polizei zu rufen. So etwas habe ich in all den Jahren noch nie erlebt im Nachwuchs-Hockey.» Die Kantonspolizei Zürich verhaftete den SVP-Politiker. Manfred Frischknecht erteilte ihm zudem Stadionverbot und Hausverbot – schweizweit.

Die Kantonspolizei Zürich bestätigte im «Blick» die Verhaftung in der Eishalle in Küsnacht ZH. Auf Nachfrage der az sagt Mediensprecher Marc Besson: «Bei der Kantonspolizei Zürich ist bis jetzt keine Anzeige erstattet worden.» Für den betroffenen Politiker gilt die Unschuldsvermutung.

Vorstand entscheidet im Mai

Auch der EHC Kloten reagierte im «Blick» auf die Ereignisse. «Wir hatten bereits Kontakt mit dem Vater. Er bereut seine Tat sehr», sagte Gerard Bouvard, Sportchef des EHC Kloten. Der Verein distanziere sich klar vom Verhalten des betroffenen Vaters. «Ein Stadionverbot ist in diesem Fall gerechtfertigt und wir werden dieses auch einhalten.»

Auf Nachfrage der az sagt EHC-Kloten-Vereinspräsident Matthias Mölleney: «Wir haben bisher verschiedene Einzelgespräche mit der betroffenen Person und anderen Eltern geführt. Dadurch hat sich das Bild weiter vervollständigt.» Als Nächstes sei eine Diskussion im Vereinsvorstand vorgesehen.

Mölleney ergänzt: «Es wird nicht bei einem Gespräch bleiben, der Prozess läuft noch.» An der Vorstandssitzung werde über die Sanktionen entschieden. Diese Sitzung soll Anfang Mai stattfinden.

Zum Fall nicht weiter äussern wollen sich die GCK Lions beziehungsweise die ZSC Lions. «Für uns ist dieser Fall mit dem ausgesprochenen Stadionverbot erledigt. Wir werden keine weiteren Auskünfte mehr geben», sagt der Medienverantwortliche Roger Gemperle.

Betroffener bestreitet Tat

Im persönlichen Gespräch mit der az sagt der betroffene SVP-Politiker aus Windisch, dass die Vorwürfe im «Blick» keinesfalls stimmen würden. Er habe niemanden geschlagen. Das Ereignis habe auch nicht stattgefunden, als die Teams auf dem Eis standen. «Weiter möchte ich mich nicht zum Vorfall äussern», sagt er. Zudem stehe ihm seit besagtem Abend ein Anwalt zur Seite. Auch das weitere geplante Vorgehen will er nicht öffentlich bekannt machen.

Die Konsequenzen hat der Politiker aber gezogen. Nach Absprache mit seiner Familie hat er die Anweisung des SVP-Präsidenten befolgt und ist per sofort von seinen Ämtern in der Schulpflege und im Einwohnerrat zurückgetreten. Auch aus der SVP ist er ausgetreten. «Ich habe dies zum Schutz der Familie gemacht», sagt er. Apropos Familie: Seine zwei Kinder, die beim EHC Kloten spielen, spüren im Klub aufgrund der Ereignisse keine Konsequenzen. «Sie werden in Ruhe gelassen.»

Aufgrund des Rücktritts muss die SVP Windisch nun erneut auf Kandidatensuche. Fraktionspräsident Marco Valetti sagt: «Für beide Sitze – Schulpflege und Einwohnerrat – ist die SVP Windisch auf der Suche nach Ersatz. Interessierte Personen dürfen sich gerne bei mir melden.» Die Wahl für den Schulpflegesitz findet am 24. September statt.

Eine Lösung zeichnet sich für den Sitz im Einwohnerrat ab. Valetti sagt: «Es gibt bereits einen möglichen Kandidaten, entsprechende Gespräche werden geführt. Wir sind zuversichtlich, dass wir in der Juni-Sitzung des Einwohnerrats ein neues Mitglied präsentieren können.»

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