Mönthal
Stabsübergabe: Sie holten die Frauen in die Feuerwehr

Nach elf Jahren als Kommandant der Feuerwehr Mönthal übergibt Orlando Wächter (49) am Samstag sein Amt an René Wyssmann. Mit gutem Gewissen, wie er sagt.

Janine Müller
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Orlando Wächter (rechts) hört nach 28 Jahren in der Feuerwehr auf. René Wyssmann wird Kommandant. ZVG

Orlando Wächter (rechts) hört nach 28 Jahren in der Feuerwehr auf. René Wyssmann wird Kommandant. ZVG

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Emotionen sind immer mit dabei, wenn jemand sein Amt einem Nachfolger übergibt. Das bestätigt Orlando Wächter, der das Kommando in der Feuerwehr Mönthal an René Wyssmann übergibt. Trotzdem ist ihm der Entscheid nicht allzu schwer gefallen. «Nach 28 Jahren in der Feuerwehr kann man guten Gewissens zurücktreten», sagt er. Zudem sei er beruflich sehr engagiert und auch altersmässig sei der Austritt angesagt gewesen. Er nimmt nicht nur positive Erinnerungen aus seiner Feuerwehrzeit mit. Er spricht von schweren Verkehrsunfällen. Erwähnt einen Brand, dem eine Brandstiftung vorausging, und den Täter, der sich dann in der Stube erschossen hat. «Ich habe gelernt, mit der Gefahr vor Augen umzugehen», sagt er.

Strenge Hierarchie aufgeweicht

Nicht missen möchte Orlando Wächter die gute Freundschaft. Doch diese besteht weiter, im Dorf trifft man sich. Sei es im Turnverein oder an anderen Anlässen. Besonders beruhigend für Wächter: «Ich kann die Feuerwehr mit gutem Gewissen meinem Nachfolger übergeben.» Denn anders als andere Feuerwehren kämpft die Feuerwehr Mönthal nicht mit einem Mitgliedermangel. Als Feuerwehr der Stärkeklasse 1 bräuchte sie 33 Mitglieder. Mit über 40 Mitgliedern inklusive Spezialisten sei man in einer komfortablen Lage. Das ist heutzutage nicht selbstverständlich.

Zwei Hauptgründe führt Wächter an. Das Führungsduo Orlando Wächter und sein bisheriger Vize-Kommandant René Wyssmann hat es geschafft, Frauen für die Feuerwehr zu begeistern. «Frauen in der Feuerwehr, das war vor unserer Zeit ein No-Go», schaut Orlando Wächter zurück. Zudem haben die beiden die strenge Hierarchie, den militärischen Umgang, aufgeweicht. «Wir begegnen uns als Kameraden auf Augenhöhe», erklärt Wächter. «Ohne aber dabei im Ernstfall zu vergessen, wer welche Aufgabe hat.» Das Resultat: ein gutes Klima unter den Feuerwehrmännern und -frauen. Kameraden, die sich auch ausserhalb der Feuerwehr gut verstehen. Das spricht sich natürlich im Dorf herum und hat sicherlich auch einen positiven Einfluss auf die Rekrutierung.

Flexible Arbeitgeber nötig

Am Samstag übergibt nun Orlando Wächter seinen Posten seinem 41-jährigen Kollegen René Wyssmann. Dieser freut sich auf sein neues Amt, hätte aber auch den Weg für einen jüngeren Kollegen freigemacht. «Doch die fühlten sich noch zu jung für dieses Amt, also habe ich übernommen», erklärt Wyssmann. Die Feuerwehr sei sein Hobby. Und das sei wichtig. «Man steckt viel Zeit hinein. Da ist es gut, wenn man gerne geht», sagt er.

Eine Herausforderung sieht er darin, das Verständnis für die Existenz der Feuerwehr weiter aufrechtzuerhalten. «Den Leuten muss klar sein, wie wichtig die Feuerwehr ist. Gerade für eine abgelegene Gemeinde wie Mönthal.» Und: «Es ist auch wichtig, dass wir Arbeitgeber von der Feuerwehr überzeugen können. Es muss möglich sein, dass unsere Feuerwehrmänner und -frauen bei einem Einsatz ausrücken oder an einem Weiterbildungskurs teilnehmen können – halt auch mal während der Arbeitszeit.» Sein Noch-Vorgesetzter Orlando Wächter sieht zudem auch finanzielle und personelle Engpässe als Gefahr. «Früher oder später wird man wieder über eine Fusion diskutieren müssen. Zum Beispiel, wenn die Anschaffung eines neuen Tanklöschfahrzeugs ansteht oder die Mitgliederzahlen stark sinken sollten.»

Öffentliche Schlussübung der Feuerwehr Mönthal mit anschliessendem Kommandowechsel und Übergabe der neuen Kleider am Samstag, 31. Oktober, um 14 Uhr beim Schulhaus Mönthal. Kommandowechsel und Kleiderübergabe um ca. 15.30 Uhr.