Passiert ist es aus heiterem Himmel. Im wahrsten Sinne des Wortes. Stefan Fehlmann aus Windisch war auf seiner Joggingrunde unterwegs im Bereich der Gemeindegrenze zwischen Brugg und Habsburg. Plötzlich spürte er einen Schlag auf seinen Kopf. «Zuerst dachte ich, es sei mir ein dürrer Ast auf den Kopf gefallen», erinnert er sich. Als er aber mit der Hand an die betroffene Stelle griff, hatte er Blut an den Fingern.

Fehlmann war unvermittelt von hinten von einem Bussard attackiert worden. Der Greifvogel fügte dem Sportler eine veritable Schramme zu. Ereignet hat sich der Vorfall letzte Woche an einem Morgen um etwa 6.45 Uhr auf einem Forstweg – auf der Strecke, die er seit Jahren zwei- bis dreimal pro Woche ablaufe, führt Fehlmann aus. Immerhin liess das Tier in der Folge von ihm ab und stieg in die Höhe.

Der Vorfall hat sich auf einem Forstweg ereignet im Bereich der Gemeindegrenze zwischen Brugg und Habsburg. zvg

Der Vorfall hat sich auf einem Forstweg ereignet im Bereich der Gemeindegrenze zwischen Brugg und Habsburg. zvg

Beim Besuch der Hausärztin wurde dem Windischer eine Erneuerung der Starrkrampf- und Zecken-Impfung empfohlen. Ebenfalls erhielt er Antibiotika und verordnet wurden ihm drei Tage Ruhe – wegen des Verdachts auf eine mögliche leichte Hirnerschütterung.

Vögel wollen Feind vertreiben

Laut Vogelwarte Sempach kommen solche Angriffe tatsächlich gelegentlich vor. Pro Jahr werden etwa ein Dutzend Fälle bekannt. Im Raum Brugg – konkret im Umiker Schachen – machten Jogger schon mehrfach unliebsame Erfahrungen mit den spitzen Krallen von Greifvögeln.

Bei den attackierenden Vögeln handle es sich gemäss Vogelwarte Sempach beinahe ausschliesslich um Mäusebussarde, ausnahmsweise auch um Milane. Meistens erfolgen die unerwarteten Angriffe von Mai bis Juli, wenn die Vögel Junge haben. Kommt ein Jogger in die Nähe des Horsts oder des frisch ausgeflogenen Jungvogels, versuchen die Altvögel, den vermeintlichen Feind durch Flugattacken zu vertreiben.

Meist sind es Scheinangriffe

Betroffen sind laut Vogelwarte Sempach fast immer joggende Personen. Spaziergänger und Velofahrer bleiben in der Regel unbehelligt. «Meist begnügt sich ein solcher Bussard mit Scheinangriffen», fährt die Vogelwarte Sempach fort. In einzelnen Fällen setze es hingegen Kratzer am Kopf der Opfer ab. «Wir raten den betroffenen Personen, Gebiete, in denen solche Angriffe vorkommen, für mehrere Wochen zu meiden oder dort normal zu marschieren.»

Böse Folgen hatte die Attacke eines Mäusebussards für eine Hobby-Läuferin aus Bergdietikon im März 2017. Der Vogel steckte die Frau mit der Hasenpest an. Die Symptome traten ein paar Tage nach dem Vorfall auf: hohes Fieber, starke Gliederschmerzen sowie Schmerzen am Hals im Bereich der Lymphknoten. Es dauerte Wochen, bis die richtige Diagnose gestellt war und sich der Zustand der Sportlerin besserte. (mhu)