Brugg
Spielzeugberge, Magenbrot und Karussell: Am Martinimarkt wurde wieder geschlemmt und gekauft

Der Martinimarkt ist einer der wenigen Jahrmärkte, die auch in Zeiten der Pandemie stattfinden. In Brugg wurde somit trotz Corona wieder geschlemmt und gekauft. Die Marktfahrer sind darüber zwar erleichtert, äussern aber auch Kritik am Bund.

Katja Gribi
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Martinimarkt In Brugg (10.11.2020)
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Die bunten Kränze gibt es beim Eisi-Parkhaus zu kaufen.
Coronaschilder sind dieses Jahr Bestandteil des Markttages.

Martinimarkt In Brugg (10.11.2020)

Katja Gribi

Ausnahmsweise kehrt wieder Leben ein in die Brugger Altstadt. Unter dem wolkenverhangenen Himmel reihen sich die verschiedensten Stände aneinander. Von Anisgebäck über Spielzeugberge bis zu den allseits beliebten Magenbrotpäckchen und gebrannten Mandeln findet sich für jeden Besucher etwas. Einige Menschen schlendern umher, andere steuern gezielt auserlesene Stände an. ­Viele freuen sich über die Abwechslung, die das Marktgeschehen mit sich bringt.

Der Brugger Martinimarkt ist einer der wenigen Jahrmärkte, die überhaupt stattfinden, die meisten Markttage sind der Coronakrise zum Opfer gefallen. Was für die Besucher als willkommene Freizeitbeschäftigung daherkommt, ist für die Marktfahrer und Standbetreiber eine bedeutende Einkommensquelle.

Die meisten der Verkäufer verdienen ihren Lebensunterhalt einzig über ihren Marktstand. Die Pandemie hat den Betreibern dieses Jahr einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht, einige bangen um ihre Zukunft. Eine Umfrage zeigt, wie die verschiedenen Standbetreiber die schwierige Situation meistern und wie die Stimmung auf dem diesjährigen Martinimarkt ist.

Einkommen fehlt, offene Rechnungen bleiben

Im Zentrum gegenüber des Eisi-Parkhauses steht das bunte Karussell des Ehepaars Kretz aus Schongau. Es ist erst der zweite Markttag, auf dem die beiden ihr Karussell aufbauen konnten, alle anderen wurden abgesagt. «Bei uns sind 80 Prozent des Jahresumsatzes einfach verschwunden. Da bangt man natürlich um die Existenz», sagt Jakob Kretz.

«Bisher konnten wir nur für zweieinhalb Monate Kurzarbeit beantragen, weil wir Besitzer sind. Zum Glück haben wir unser Eigenheim, die Einstellhalle der Fuhrgeschäfte und die Fahrzeuge nicht gemietet, sonst wären die Kosten nicht mehr tragbar. Aber wir freuen uns, wenn die Krise vorbei ist, bis dahin müssen wir uns durchseuchen.»

Bei Carola Loertscher-Walz aus Wohlen zeigt sich hingegen die von Kretz angesprochene Problematik der Mietkosten umso stärker. Wie sie erzählt, fallen bei ihr jährlich Miet- und Infrastrukturkosten von 60000 Franken an, hinzu kommen noch höhere Ausgaben im Wareneinkauf. Momentan finanziere sie sich durch ihren Onlineshop, über den sie vor allem die Logopädiebranche mit dem beweglichen Stoffkrokodil Nili als Sprechpuppe versorgt. Für den Rest müssen die Rentengelder und ein Erwerbsersatz-Zustupf der AHV herhalten. Trotz der grossen finanziellen Defizite des Geschäfts betont sie, dass es anderen Markfahrern wirklich miserabel gehe. «Ich habe immer noch eine Familie, die mir viel Rückhalt gibt.»

Durchführung des Marktes bringt Freude

Die Dankbarkeit, dass wenigstens der Brugger Martinimarkt nicht abgesagt wurde, ist vielerorts spürbar. Beim Gespräch mit Pia Arnet-Barmettler an ihrem Stand mit floristischen Arbeiten hält sie fest: «Dem Marktchef Rolf Urech gehört wirklich ein Kränzchen gebunden, dass er den zusätzlichen Aufwand auf sich genommen und den Markttag durchgeführt hat.» Sie selbst sei seit 36 Jahren Marktfahrerin, die Absage aller grossen Märkte hinterliessen auch bei ihr ein riesiges finanzielles Loch. «Aber am Ende jedes Tunnels gibt’s irgendwann ein kleines Lichtlein. Wir müssen jetzt einfach auf das Licht warten.»

Eine Schwierigkeit ergibt sich aus dem mangelnden Platz für Standbetreiber. «Dadurch, dass fast alle Märkte ins Wasser fielen, wird die Verteilung der Marktfahrer problematisch», lässt Lili Leuthard des Confiseriewagens Leuthard aus Stetten AG verlauten. «Alle wollten nach Brugg kommen, die Nachfrage nach Standplätzen ist enorm.» Der Bundesrat habe viel zu spät reagiert, meint Leuthard verärgert.

Einige Stände weiter unten beschreibt Therese Bammatter, Betreiberin des «Anis im Wunderland»-Standes, die Stimmung unter den Marktfahrern als dezent und durchzogen. «Aber es gibt viele, die Freude haben, dass überhaupt ein Markt stattfindet.»

In diesem Sinne lässt sich die Stimmung unter den Besuchern zusammenfassen. Einige Passanten wirken selbst hinter der Maske angespannt, die meisten sind jedoch erfreut über die Durchführung des Martinimarktes und nehmen sich Zeit, wieder einmal ins Marktgeschehen eintauchen zu können. Bleibt zu hoffen, dass dies am Klausmarkt am 8. Dezember wiederholt werden kann.

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