Brugg

Spielregeln definiert: Brugg will vorwärtsmachen mit zentraler Verwaltung

Zentrale Verwaltung und Stadtbibliothek: Für das Areal «Alte Post» in Brugg werden die Spielregeln definiert. In einem nächsten Schritt liegen die Gestaltungspläne öffentlich auf.

Der Erhalt der Liegenschaften «Müller-Haus» und «Alte Schmitte» ist keine Option für den Brugger Stadtrat. Auf dem Areal «Alte Post» zwischen Annerstrasse und Schulthess-Allee soll eine neue Überbauung realisiert werden mit zentraler Verwaltung samt Stadtbüro, Gewerbeflächen, Büros sowie Wohnungen. In einer nächsten Phase werden bis 29. April die Gestaltungspläne öffentlich aufgelegt.

Am Mittwochabend ist die Bevölkerung im Salzhaus während knapp zwei Stunden über den Stand der Planung, die Mitwirkungsergebnisse sowie das weitere Vorgehen informiert worden. Mehrere Dutzend Interessierte waren anwesend.

Stadtammann Barbara Horlacher wies auf die Bedeutung hin dieses Gebiets mit seiner Scharnierfunktion zwischen Altstadt und Bahnhof/Neumarkt. Es besteht ein rechtskräftiger Gestaltungsplan aus dem Jahr 2002. Mit dem neuen Gestaltungsplan «Alte Post» sowie der Teiländerung des Gestaltungsplans «Annerstrasse» werde eine qualitativ hochwertige Bebauung ermöglicht.

1541 Unterschriften gesammelt

Barbara Horlacher blickte zurück auf die bisher erfolgten Schritte vom Studienauftrag mit sieben eingeladenen Architekturbüros ab August 2015 bis zur öffentlichen Mitwirkung der Gestaltungspläne im letzten Jahr. Eingegangen sind zehn Mitwirkungsbegehren. Es sei eine öffentliche Diskussion lanciert worden zum Erhalt der Gebäude «Müller-Haus» und «Alte Schmitte», zur angestrebten baulichen Dichte, zur Verkehrserschliessung sowie zur Gestaltung der Grünräume.

Zur Erinnerung: Eine Initiativgruppe hatte eine «Petition für eine massvolle bauliche Entwicklung der Brugger Innenstadt» lanciert und konnte dem Stadtrat im letzten Sommer 1541 Unterschriften übergeben.

Der Stadtrat, fuhr Barbara Horlacher fort, habe diese intensive Auseinandersetzung geschätzt, die Themen aufgenommen und die Planung – erneut – sorgfältig überprüft. Elemente der Mitwirkungseingaben und die abschliessenden Vorprüfungsberichte des Kantons seien in die Gestaltungspläne und in das Richtprojekt eingeflossen. Diesen Herbst, lautet die Absicht, soll der Stadtrat die Gestaltungspläne beschliessen können.

Die markante Fassade bleibt

Diese definieren die Spielregeln, ergänzen und konkretisieren die Vorgaben aus der Nutzungsplanung, erklärte Barbara Gloor von der Metron Raumentwicklung AG in Brugg. Ziel sei es, eine optimale Nutzung zu erreichen an dieser zentralen, gut erschlossenen Lage, eine Eingliederung in die bestehende Situation unter Berücksichtigung der topografischen und städtebaulichen Besonderheiten. Barbara Gloor äusserte sich überzeugt, dass mit der vorliegenden Lösung eine Qualitätssteigerung erreicht und ein Mehrwert geschaffen werden kann.

Dieser Aussage schloss sich Danilo Menegotto an als Vertreter der Bauherrschaft, der Projektentwicklerin BSS & M Real Estate AG mit Sitz in Zürich. Er sprach von einer wohldurchdachten Strategie der Stadt, einer vernünftigen, ortsgerechten Planung und Nutzung. Kurz: Es könne eine erhebliche Aufwertung stattfinden.

Auch Christian Hartmann vom Windischer Büro Hartmann Keller AG, der Grundeigentümerin der einen Parzelle im hinteren Bereich an der Annerstrasse, bezeichnete das vorliegende Projekt als eine saubere Lösung. Es sei absolut notwendig, dass etwas passiere auf diesem Areal. «Der heutige Zustand darf nicht bleiben.»

Das Richtprojekt präsentierte Architekt Oliver Majer von der Hornberger Architekten AG aus Zürich. Deren Vorschlag war im Rahmen des Studienauftrags zur Weiterbearbeitung empfohlen worden. Das dominante Gebäude mit der markanten Fassade Richtung Hauptstrasse bleibe die denkmalgeschützte Alte Post, sie sei auch künftig sichtbar, versicherte Majer. Mit dem Anbau für die Stadtverwaltung entstehe ein neuer Eingangsplatz.

Im Erdgeschoss des dahinterliegenden Neubaus an der Schulthess-Allee werde die grosszügige Stadtbibliothek eingerichtet. Die geplanten 55 Wohnungen schliesslich seien attraktiv gestaltet und verfügen über 2½ bis 4½ Zimmer. Bei der Höhe der Bauten, die dem Gelände entsprechend abgestuft werden, werde Rücksicht genommen auf die Umgebung, hob der Architekt hervor. Die Erschliessung samt der Einfahrt in die Tiefgarage erfolgt über die Annerstrasse. Erhalten und integriert bleibe das Jugendkulturhaus Piccadilly.

Der ortsansässige Landschaftsarchitekt Stefan Schrämmli ging auf die Umgebungsgestaltung ein und hob hervor, dass ein hochwertiger Grünraum – samt stattlichem Baumbestand – zur Verfügung stehen wird. Der ökologische Gedanke sei ganz wichtig. Mit den öffentlichen Durchgängen für die Fussgänger sei die Durchlässigkeit gewährleistet.

Projekt bedeutet Veränderung

Um auf die Liegenschaften «Müller-Haus» und «Alte Schmitte» zurückzukommen: Die Referenten waren sich einig, dass mit dem Abbruch – im Sinne des Gesamtinteresses – eine qualitätsvolle Entwicklung für das Areal möglich wird. Dieses Projekt bedeute Veränderung und auch Abschied nehmen von gewissen lieb gewonnenen Häusern, räumte Stadtammann Barbara Horlacher ein.
Die Gestaltungsplanunterlagen liegen ab 30. März bei der Abteilung Planung und Bau öffentlich auf und werden ab Freitag auch auf der Website der Stadt Brugg aufgeschaltet.

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