Hausen
Sparpaket des Kantons: «Domino» fehlte plötzlich eine Viertelmillion

Der Kanton plant grosse Sparanstrengungen. Von diesem Kurs sind Institutionen und Firmen mit sozialem Auftrag massgeblich betroffen – etwa die Stiftung Domino.

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Die Stiftung Domino in Hausen (Archiv)

Die Stiftung Domino in Hausen (Archiv)

«Wegen des Sparpakets wird uns eine Viertelmillion Franken fehlen. Einerseits aufgrund der neuen Sparmassnahmen und andererseits wegen der bereits erfolgten Tarifkürzung auf dieses Jahr», wird Domino-Geschäftsführer Rainer Hartmann in einer Medienmittelung des Aargauischen Verbands Unternehmen mit sozialem Auftrag (Avusa) zitiert. «Mit Einsparungen bei Sachkosten können wir diese Kürzung nicht auffangen, wir müssen über die Bücher», sagt er.

Aktuell würden die Ausgaben bei der Verwaltung gestrafft. Man komme jedoch nicht umhin, auch das Angebot für die Klienten zu überprüfen. «Im Moment werden wenn möglich Abgänge beim Personal nicht ersetzt.

Wir hoffen, dass wir auch zukünftig Entlassungen vermeiden können», betont Hartmann. Zudem werde der geplante Neubau mit 25 Wohnplätzen vorerst auf Eis gelegt.

Dass beim Kanton gespart werden müsse, sei nachvollziehbar, sagt Esther Gebhard, Präsidentin des Avusa. Doch wäre es wünschenswert, wenn der Avusa bei der Umsetzung mit einbezogen würde, betont sie.

Die Kürzung von 2 Prozent über die Leistungspauschalen bedeute für alle Einrichtungen einen Kraftakt. Sie kämpfen mit einem massiven Fachkräftemangel, der unter anderem durch Lohnunterschiede gegenüber Nachbarkantonen begründet ist. Besorgt meint Gebhard: «Die Sparmassnahmen wirken sich insbesondere im Personalbereich aus. Darunter leidet die Qualität für die Betreuung der Klienten massiv.»

Ein weiterer Stein des Anstosses ist der Mutationsgewinn, der den Institutionen auferlegt wird und zusätzlich zu den Sparmassnahmen verkraftet werden muss. Dieser Mutationsgewinn wird seit 2010 abgezogen, was bis heute zu 5,2 Prozent weniger Lohnsummenzuwachs geführt hat.

Er kommt zum Zug, wenn zum Beispiel ältere Mitarbeitende durch jüngere Angestellte ersetzt werden oder wenn bei Kündigungen Nachfolger erst nach einer gewissen Zeit eingestellt werden können.

«In unseren Unternehmen müssen Mitarbeiter aber unverzüglich ersetzt werden, weil die Betreuung der Klienten während 24 Stunden an 365 Tagen gewährleistet sein muss. Jüngere Mitarbeitende sind nicht billiger, weil sie oft eine höhere Ausbildung mitbringen.

Wir sind der Meinung, dass dieser Mutationsgewinn unverzüglich abgeschafft werden muss. Er kann in unseren Unternehmen nicht realisiert werden. Statistiken belegen dies», erklärt die Präsidentin in der Medienmitteilung.

Wegen des Sparpakets werden keine neuen Platzangebote bewilligt. Dadurch und durch die zu wenig beachtete demografische Entwicklung führe dies zur vermehrten Platzierung von Aargauer Klienten in anderen Kantonen, so Gebhard.

Und schliesslich biete das Moratorium für Neu- und Sanierungsbauten kurzfristig nur vermeintlich ein attraktives Sparpotenzial. Aber der Stau der notwendigen, baulichen Massnahmen steige weiter an und werde in Zukunft noch stärkeren Einfluss auf die Finanzen haben.

«Das alles bereitet uns grosses Unbehagen. Wir gehen davon aus, dass der Grosse Rat diese flächendeckende Sparmassnahme in unserem Bereich nochmals kritisch beurteilt. Zu diesem Zweck wurden die Grossrätinnen und Grossräte entsprechend sachlich informiert», sagt Gebhard.(az)