Bözberggemeinden

Spannung am Bözberg: Kommt das Fusionsprojekt beim Souverän an?

Im idyllischen Kirchbözberg sind die Bözbergerinnen und Bözberger seit eh und je vereint.  Hans-Peter Widmer

Im idyllischen Kirchbözberg sind die Bözbergerinnen und Bözberger seit eh und je vereint. Hans-Peter Widmer

Gespannt wartet man am Freitag auf die Entscheide der Gemeindeversammlungen Unterbözberg, Oberbözberg, Gallenkirch und Linn über den Zusammenschluss der vier Gemeinden. Würde der Fusion allerorts zugestimmt, so käme es am 11. März zum Urnengang.

Bei einem gemeinsamen abschliessenden Ja wäre danach der Weg zur Vereinigung auf Anfang 2013 frei. Was passiert aber, wenn eine Gemeindeversammlung übermorgen den Fusionsvertrag ablehnt? Wäre das Projekt damit vom Tisch? Nein. Die Beschlüsse der Gemeindeversammlungen – seien sie zustimmend oder ablehnend, sofern sie nicht mit dem endgültigen Versammlungsquorum gefasst wurden – könnten noch durch ein Referendum angefochten und korrigiert werden. Es kommt erst zur abschliessenden Urnenabstimmung, wenn die Fusionsbeschlüsse aller vier Gemeindeversammlungen rechtskräftig und zustimmend sind.

Aargauisches Unikum

Für die in Bewegung stehende aargauische Gemeindelandschaft zeichnet sich auf dem Bözberg eine spezielle Situation ab. Es geht nicht, wie in den meisten bisherigen Fällen, um die Vereinigung von zwei, sondern um den Zusammenschluss von vier Gemeinden. Das gab es im Aargau erst einmal, nämlich letztes Jahr, als sich fünf Ortschaften im Mettauertal zusammenschlossen.

Die neue Gemeinde Bözberg wäre 1500 Einwohner und 1539 Hektaren gross – flächenmässig die grösste im Bezirk Brugg und die siebentgrösste im Aargau. Sie würde aus insgesamt 25 Ortsteilen, Weilern und Einzelgehöften bestehen – ein aargauisches Unikum. Aber sie entspräche in etwa der heutigen dezentralen Struktur der Gemeinden Unterbözberg und Oberbözberg. Liesse sich daraus schliessen: Was bisher funktionierte, könnte auch im grösseren Massstab praktizierbar sein?

Eine «Heiratsvergütung»

Die vier Gemeinden stecken in keiner finanziellen Notlage. Sie sind schuldenfrei. Ihre Steuerkraft pro Einwohner ist ziemlich ausgeglichen und liegt leicht über dem Kantonsmittel. Unterschiedlich sind die Steuerfüsse: Linn 115, Oberbözberg 110, Gallenkirch 105, Unterbözberg 99 Prozent. Auch das fusionierte «Bözberg» könnte laut Berechnungen mit 99 Prozent Steuern «leben» – sofern keine unvorhersehbaren neuen Belastungen auf die Gemeinden zukommen. Skeptiker trauen dieser Kalkulation nicht. Sie halten den Fusions-Finanzplan für unvollständig und die Kantonsbeiträge für ungewiss.

Der Kanton sichert eine einmalige «Heiratsvergütung» von 2,4 Millionen Franken zu. Die Summe reicht zum Ausbau der Verwaltungs- und Schulzentren. Zudem garantiert der Kanton für acht Jahre Finanzausgleichszahlungen von total 4,23 Millionen Franken. Das entspricht den gegenwärtigen jährlichen Finanzausgleichsbezügen von Linn (246000 Franken), Gallenkirch (190000) und Oberbözberg (93000).

Würde die Fusion abgelehnt, blieben die Einzelgemeinden gemäss den geltenden Kriterien finanzausgleichsberechtigt. Aber ihre Beiträge würden nicht für acht Jahre fest zugesichert, sondern von Jahr zu Jahr festgelegt. Sie könnten je nachdem geringer oder höher ausfallen als die versprochene Pauschale.

Die Fusion wurde in einem dreijährigen Prozess zweckmässig und zielbewusst von einer aus den vier Gemeindeammännern bestehenden Projektleitung sowie mehreren aus der Bevölkerung rekrutierten Arbeitsgruppen vorbereitet. Sie informierten die Öffentlichkeit laufend durch Informationsblätter und Orientierungsversammlungen über den Stand der Dinge.

Dennoch wollte offenbar ein frühzeitiger und unverkrampfter Dialog mit einzelnen Zweiflern nicht recht gelingen. Aus diesen Skeptikern wurden Fusionsgegner. Ihre Zahl lässt sich schwer ausmachen; immerhin sind ein paar bekannte Namen unter ihnen.

Ein Balanceakt

Eine Gemeindefusion berührt Kopf und Herz. Neben rationalen spielen auch emotionale Argumente eine Rolle. Es ist ein Balanceakt. Eine einzige Gemeindeverwaltung würde weniger doppelspurig funktionieren als deren vier. Auf dem Bözberg versuchte man die Vor- und Nachteile für alle beteiligten Gemeinden auszutarieren: Unterbözberg muss keine Steuerfusserhöhung in Kauf nehmen und behält das Schulzentrum, Oberbözberg wird Verwaltungssitz, Linn und Gallenkirch winken Steuersenkungen.

Die Linde – das Bözberger Symbol

Aber was soll man eingefleischten Linnern und Gallenkilchnern, die einen Identitätsverlust befürchten, antworten? Man könnte daran erinnern, dass die Bözberger Vereine längst keine Gemeindegrenzen mehr kennen, dass die altehrwürdige Linde das gemeinschaftliche Symbol des Bözbergs ist – und zu Recht im neuen Gemeindewappen aufscheint –, und dass auch die härtesten Bözberger Schädel seit eh und je am selben Ort, im idyllischen Kirchbözberg, zur ewigen Ruhe kommen.

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