Atomkatastrophe
SP-Nationalrat Max Chopard trifft nach Fukushima-Reise Ensi-Vertreter

Max Chopard hat sich kürzlich vor Ort über die Folgen des Atomunfalls in Fukushima informiert. Chopard sprach von entwurzelten Menschen, verstrahlter Erde und weggegebenen Kindern. Vor dem Ensi-Hauptsitz in Brugg finden seither Mahnwachen statt.

Rebecca Knoth
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Max Chopard über das «Klima der Angst und Verunsicherung».

Max Chopard über das «Klima der Angst und Verunsicherung».

Rebecca Knoth

Schon bald zum 500. Mal erinnert eine Gruppe Besorgter mit Transparenten vor dem Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) in Brugg an Fukushima. «Die Gefahren des Atomunglücks dürfen nicht vergessen werden», sagt Hauptorganisator der Mahnwache Heini Glauser.

Aus demselben Antrieb hat eine Gruppe Parlamentarier die betroffenen Gebiete in Japan besucht. SP-Nationalrat Max Chopard war dabei und berichtet von Oberflächenlagern und Entwurzelung der Menschen.

«Das Schlimmste für die Menschen in Fukushima war, von Heute auf Morgen alles zurücklassen zu müssen», schildert Max Chopard seinen Eindruck von der Parlamentarierreise mit Green Cross nach Japan.

Drei Tischreihen haben sich in der Aula des Berufs- und Weiterbildungszentrums Brugg gefüllt mit Mahnwächlern und Vertretern des Ensi.

Sie wollen aus erster Hand erfahren, welche Folgen der Atomunfall vor knapp zweieinhalb Jahren für die betroffenen Menschen und die verstrahlte Umwelt hat.

Mithilfe von Fakten, Karten und eigenen Fotos erzählt der Nationalrat aus Baden vom «Klima der Angst und Verunsicherung», welches in den besuchten Regionen herrsche.

In einem von Chopard aufgenommenen Video sieht man zwei Arbeiter, die mit Garette und Schaufel die oberste Erdschicht abtragen.

Hinter ihnen ist die verseuchte Erde in Plastiksäcken zu riesigen Oberflächenlagern gestapelt. Von einem Bodenökologen und Mitglied der Expertenkommission der japanischen Regierung erfuhren die Schweizer Parlamentarier, dass die mit Cäsium kontaminierte Erde später eventuell 20 Meter tief im Boden vergraben und mit normaler Erde zugedeckt werden solle. «Mütter fürchten sich um ihre Kinder, wenn diese etwa Erde in den Mund nehmen», erzählt Max Chopard. Einige Familien hätten ihre Kinder zu Verwandten weggegeben.

«Bei der Atomenergie haben wir eine Nulltoleranz», resümiert der SP-Politiker. «Fehler haben fatale Auswirkungen.»

Einige Eindrücke kann Hans Wanner, Direktor des Ensi in der auf den Vortrag folgenden Diskussion bestätigen. Auch er hatte Fukushima besucht und empfand es als beklemmendes Gefühl, durch die verlassenen Gegenden zu fahren.

«Wir wissen, dass es keine 100-prozentige Sicherheit bei Kernanlagen gibt. Wir müssen alles dafür tun, dass kein Unfall passiert.»

Heini Glauser, Energieingenieur und Mahnwache-Organisator fordert vom Ensi, dass diese «präziser definiert, was Sicherheit heisst und allfällige Wissenslücken als solche kommuniziert».

Bereits um die 400 Mal war Heini Glauser mit dabei bei der Mahnwache, die am 2. September zum 500. Mal stattfindet. Durchschnittlich fünf bis sechs Leute treffen sich montags bis donnerstags jeweils von 17 bis 18 Uhr vor dem Ensi.

«Wir hören nicht auf damit, bis das Atomkraftwerk Beznau abgestellt wird.» Beznau ist das dienstälteste Kernkraftwerk der Welt und steht auf einer künstlichen Insel in der Aare.

Der Windischer befürchtet, dass die Hochwasserwassermengen, mit welchen bei Extremszenarien gerechnet wird, «massiv unterschätzt» werden. «Nur schon 1852 ist in der Brugger Aareschlucht eineinhalb Mal so viel Wasser durchgelaufen.»

Während den zahlreichen Anti-Atom-Minikundgebungen sind Berufsschüler zu den Mahnwächlern geschickt worden um Interviews zu führen. Diskussionen mit Touristen aus Japan und Russland entstanden und Autos fuhren hupend vorbei.

Auf Anregung von Heini Glauser hat das Ensi mit dem Technischen Forum Kernkraftwerke eine Plattform geschaffen, auf der Fragen aus der Bevölkerung zur Sicherheit der Schweizer Kernkraftwerke diskutiert werden.

Ausserdem erhielten die Mahnwächler vor einem Jahr beim Ensi die Gelegenheit, sich von WoZ-Journalistin Susan Boos und Ensi-Fachexperte Ronald Rusch über den Notfallschutz informieren zu lassen. «Der sachliche Dialog mit den Leuten, die sich Sorgen um ihre Sicherheit machen, ist uns sehr wichtig», so Hans Wanner.

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