Villigerfeld

Soldatendenkmal erinnert an schwieriger Zeiten – jetzt soll es restauriert werden

«Symbolisches Zeichen für bedrückte Soldatenseelen»: Wandbild auf dem Villigerfeld.

«Symbolisches Zeichen für bedrückte Soldatenseelen»: Wandbild auf dem Villigerfeld.

Das Denkmal auf dem Villigerfeld sollte verunsicherte Soldaten aufmuntern und bedarf nun der Auffrischung.

Eines der wenigen Denkmäler in der Schweiz, wenn nicht das einzige dieser Art, das an den Einsatz und die Entbehrungen der Truppe während des Aktivdienstes im Zweiten Weltkrieg erinnert, steht im Aargau. Es befindet sich bei den «Zwei Linden» unterhalb der Kirche Rein, in der Nähe des Wasserschlosses. Dieses Gebiet galt als kürzeste und gefährlichste Einfallachse von Norden ins zentrale Mittelland. Das von der 5. Division errichtete Mahnmal mit einem 11 mal 3 Meter grossen Freskobild des 27-jährigen Artillerie-Gefreiten und Kunstmalers Ernst Leu aus Kölliken wurde am Bettag 1940 eingeweiht.

Rücksicht auf Soldatenseelen

Die Denkmalidee stammte aus dem Stab der 5. Division. Ihr Kommandant, der nicht unbestrittene, aber militärstrategisch und wehrpsychologisch hellsichtige Divisionär Eugen Bircher, sah genug Grund, das Projekt trotz Nasenrümpfen in «höheren Rängen» zu verwirklichen. Er fasste es als «symbolisches Zeichen für bedrückte Soldatenseelen» auf. Denn die Truppe war verunsichert. Die deutsche Wehrmacht hatte am 22. Juni 1940 Frankreich überrannt, und Ende Juli setzte General Guisan seine Reduit-Strategie um.

Mit dem mitten im Krieg erstellten Soldatendenkmal wollte Eugen Bircher den bisherigen Truppeneinsatz würdigen und aufkommende Mutlosigkeit bekämpfen. Sein militärischer Vorgesetzter Prisi, Kommandant des 2. Armeekorps, beurteilte diese einzigartige Aktivdienstmanifestation hingegen als persönliches Profilierungsgebaren Birchers und erschien nicht zur Einweihungsfeier. Auch der als Festredner angekündigte General fehlte, liess aber Grüsse ausrichten und gab als Grund an, er habe erst vor kurzem Teile der 5. Division inspiziert und einen ausgezeichneten Eindruck bekommen.

Eine neue Art Denkmal

Trotz misslichem Wetter nahmen 3000 Personen an der Enthüllung des Denkmals teil, unter ihnen 1200 Armeeangehörige. Sie harrten zwei Stunden im Dauerregen aus. Man hatte noch mehr Besucher erwartet. Die SBB führten Sonderzüge ab Zürich, Basel, Rotkreuz und Sursee zu den Stationen Brugg, Turgi und Siggenthal. Zur Finanzierung des Anlasses wurden Erinnerungsplaketten, Sonderpostkarten und Soldatenmarken der 5. Division verkauft.

Ernst Leus Werk fand Gefallen. Er wollte «schlicht und einfach, ohne Hurra-Patriotismus» den Verteidigungswillen darstellen, wie er im ersten Kriegsjahr 1939/40 gelebt wurde. Dazu schuf er ein Motiv mit elf Figuren, die sich in der Bildmitte auf ein Befestigungswerk konzentrieren, sowie einen pflügenden Bauern, der für die Nahrung sorgt, und eine Mutter, die ihr Kind pflegt. Die Farben malte Leu Meter um Meter auf den nassen Kalkmörtel, mit dem sie sich beim Trocknen verbanden. Nach neun Tagen war das Wandbild fertig – eine neue Art Denkmal im Aargau.

Wegen des mürbe gewordenen Bilduntergrundes musste Leu die Komposition 1958 neu auftragen. Zur besseren Haltbarkeit wechselte er von der Fresko-Technik auf farbige Putzflächen. Der Regierungsrat bewilligte dafür 8500 Franken und bot den umliegenden Gemeinden Villigen, Remigen, Rüfenach, Lauffohr und Stilli an die jährlichen 350 Franken Unterhaltskosten einen Beitrag von 200 Franken an. Zugleich bedauerte er, dass über die Entstehung des Denkmals wenig bekannt sei. Dies erstaunt, weil die Aargauer Zeitungen sehr ausführlich über die Feier am Bettag 1940 berichteten.

Mittlerweile ist dieses militärgeschichtliche Zeugnis gut dokumentiert. Der 88-jährige ehemalige Offizier und Lehrer Max Rudolf aus Birmenstorf, der schon viel Material über die 2003 aufgelöste 5. Division für das aargauische Staatsarchiv bearbeitete, hat auch Licht in die Denkmalgeschichte gebracht. Er lüftete unter anderem ein kleines, an der Regierungsratssitzung vom 31. Dezember (!) 1959 protokolliertes Nachspiel: Für einen Imbiss im «Blauen Engel» Rüfenach nach der Abnahme des restaurierten Denkmals und der Übergabe an die umliegenden Gemeinden hatte die Regierung 120 Franken bewilligt. Doch der damalige freisinnige Finanzdirektor Ernst Bachmann musste seinen Kollegen eine Rechnung von 255 Franken und 30 Rappen unterbreiten, «weil die Zahl der Teilnehmer von 12 auf 20 stieg».

Spenden für eine Auffrischung

Max Rudolfs Zusammenfassung ist eine gute Grundlage für eine Denkmal-Auffrischung, ohne den vor 22 Jahren verstorbenen Künstler. Der letzte Kommandant der «Fünften», Divisionär aD Paul Müller, Denkmalpfleger Reto Nussbaum und Kreiskommandant Rolf Stäuble bereiten die Restaurierung für nächstes Jahr vor. Zwei Drittel der auf rund 30 000 Franken geschätzten Kosten scheinen gesichert; die Restfinanzierung sollte mit Spenden möglich sein. «Die Aktivdienstgeneration verdient es, dass wir ihre Leistung in Ehren halten», sagt Oberst Rolf Stäuble.

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