Schenkenbergertal
Soldaten lassen es krachen: Armee jagt 14 Bäume in die Luft

Es knallte, rauchte und krachte am Waldrand am Schenkenberg. Die Logistikkompanie des Geniebataillons 6 nahm 14 Bäume ins Visier und sprengte sie zu Übungszwecken. Die Soldaten erlernten das Spreng-Handwerk für einmal nicht am Waffenplatz, sondern in einem richtigen Wald.

Louis Probst
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Baumsprengung der Schweizer Armee im Schenkenbergertal
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Baumsprengung der Schweizer Armee im Schenkenbergertal

Mario Heller

Drei kurze Hornsignale zeigen an, dass die Lunte brennt. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Gezündet werden die Sprengkapseln, welche die Sprengladungen zur Detonation bringen, mittels Zündschnur. Nach einem Weilchen züngelt im Waldsaum am Gegenhang ein giftig-rotes Flämmchen empor und ein gewaltiger, dumpfer Knall ertönt. Man glaubt, trotz der rund 500 Meter Entfernung, den Luftdruck der Detonation zu spüren. Im Waldsaum steigt schwarzer Rauch auf. Ein Baum stürzt krachend zu Boden.

Ausbildung im realen Umfeld

«Sprengen gehört zum Handwerk der Genisten und ist eine ihrer Kernkompetenzen», erklärt Stefan Giezendanner, Oberstleutnant im Generalstab und Kommandant des Geniebataillons 6. «Es geht bei diesen Sprengungen von Bäumen aber nicht um eine Übung mit taktischem Hintergrund, sondern um die Ausbildung im Sprengdienst.»
Man habe die Gelegenheit genutzt, die Ausbildung statt in der sozusagen sterilen Umgebung eines Schiessplatzes in einem realen Umfeld mit ganz anderen Sicherheitsanforderungen durchführen zu können, erklärt Oberstleutnant Denny Jenni, stellvertretender Medienchef der Territorialregion 2. Für die Durchführung der Sprengungen mussten denn auch eine Reihe von Bewilligungen eingeholt werden.
«Diese Spezialistenausbildung ist von langer Hand geplant worden», sagt Hauptmann Ruben Gfeller, Berufsoffizier, Kommandant der Logistikkompanie des Geniebataillons 6 und Ausbildungsleiter vor Ort. «Zusammen mit den Forstorganen sind 14 Bäume ausgewählt worden. Es ist auch ein umfassendes Sicherheitsdispositiv mit Sicherheitszonen, Schiesswachen und Beobachtungsposten erarbeitet worden». Sogar eine Risikoanalyse hat man erstellt.
«Bei den Sprengungen gelangen verschiedene Formen zur Anwendung», erklärt Hauptmann Gfeller. So sind einerseits Bäume angebohrt worden. Anderseits ist verformbarer Sprengstoff als Wulst auf einer Stammhälfte angebracht worden. Zur Dosierung sind vorher die genauen Querschnitte der Bäume errechnet worden. Gesprengt wird mit Trotyl oder dem plastischen Sprengstoff Plastit.

Bataillon mit 1000 Mann

«Die Ausbildung im Sprengdienst erfolgt im Rahmen eines regulären Ausbildungsdienstes des Geniebataillons 6», erklärt Oberstleutnant Giezendanner. «Das Bataillon, das fünf Kompanien mit einem Bestand von rund 1000 Mann umfasst und zu dessen Aufgaben auch der Einsatz in Katastrophenfällen gehört, steckt gegenwärtig in der zweiten Woche der dreiwöchigen Ausbildung.

Gegenwärtig sind zwei Kompanien im Berner Seeland im Brückenbau im Einsatz. Eine Kompanie betreibt in Bremgarten Ausbildung und ist mit Vorbereitungen für die Genie-Expo des Bataillons vom 18. und 19. März in Bremgarten beschäftigt.
Unterdessen ist die erste Serie Sprengungen durch. Es hat ganz schön geknallt. Die Offiziere sind offensichtlich zufrieden. Etwas weniger glücklich scheinen die Fotografen und Kameraleute. Sie wären wohl gerne etwas näher am Geschehen gewesen.