Bezirk Brugg

Sogar Neubauwohnungen stehen in den Brugger Gemeinden leer

In der Gemeinde Birr hat es am meisten leere Wohneinheiten. Auch die Wyde-Siedlung hat noch einige Wohnungen frei.

In der Gemeinde Birr hat es am meisten leere Wohneinheiten. Auch die Wyde-Siedlung hat noch einige Wohnungen frei.

Die Leerwohnungsbestände im Bezirk stiegen um rund 20% auf insgesamt 447 leere Wohnungen. Das, obwohl der Aargau als Pendlerkanton bekannt und beliebt ist. Was noch kritischer ist: fast ein Viertel der Wohnungen sind Neubauten.

Dass der Aargau für Pendler einen beliebten Wohnort darstellt, ist nichts Neues. Dass die Nachfrage gegenüber dem letzten Jahr aber doch markant abnahm, allerdings schon. Der Wohnungsmarkt im Bezirk Brugg ist zwar nicht übersättigt, dennoch wächst das Angebot stärker als die Nachfrage. Der Leerwohnungsbestand im Bezirk hat sich um 83 Wohnungen, das entspricht rund 20 %, erhöht.

Ältere Wohnungen bleiben leer

Mit 121 Leerwohnungen führt die Gemeinde Birr die Statistik deutlich an. Zum Vergleich: Im Hauptort Brugg, die zweitplatzierte Gemeinde, zählt man 104 leere Wohnungen.

Dabei hat sich in Birr der Leerwohnungsbestand entgegen der generellen Tendenz im Bezirk sogar noch leicht verringert. Besonders auffällig ist, dass sich laut der Statistik unter den 121 leeren Wohnungen nur ein einziger Neubau befindet.

Darauf lässt sich schliessen, dass viele der älteren und unbenutzten Wohnräume sanierungsbedürftig sind oder unter Umständen gar nicht mehr angeboten werden. Dieses Problem sei generell weit verbreitet, meint Kurt Zumsteg vom Immobilien-Treuhänder «Aarbrugg»: «In Zeiten eines liquiden Wohnungsmarkts ist eine Verlagerung von älteren, zum Teil unsanierten Wohnungen zu Neubauwohnungen üblich.

Wir erwarten, dass sich diese Tendenz in den nächsten Jahren verstärkt.» Daher seien die Eigentümer älterer Wohneinheiten gefordert, die notwendigen Sanierungen nicht zu vernachlässigen.

Birrhard hingegen konnte als eine der wenigen Gemeinden den Leerwohnungsbestand senken. Nun bleiben in der Gemeinde noch sechs Wohneinheiten unbewohnt. Im Vorjahr waren es noch deren 19, womit die Gemeinde im regionalen Vergleich die grösste Senkung erreicht hat.

Grund für die verhältnismässig grosse Reduktion der Leerwohnungen ist die Überbauung «Sonne», die vor zwei Jahren erstellt wurde. Diese beinhaltet insgesamt
22 Wohneinheiten, welche in der Zwischenzeit nach und nach belegt wurden.

Leerwohnungszählungen nach Gemeinden per 1. Juni

Veltheimer Bestände verfälscht

Erstaunlich ist auch der Bestand der Gemeinde Veltheim, die mit insgesamt 34 leerstehenden Wohnungen einen beachtlichen Anstieg gegenüber dem letzten Sommer, als nur sieben Wohnungen unbenutzt waren, zu verzeichnen hat.

Die Statistik sei laut der Gemeinde jedoch schlicht verfälscht, da sich das Erfassungssystem in der Zwischenzeit geändert hat. Somit wurden nun Wohnungen miteinbezogen, die früher vom System nicht beachtet wurden.

Schinznach-Bad weist ebenfalls eine relativ hohe Differenz gegenüber dem Vorjahr auf und zählt 20 leere Wohnräume mehr. Die Gemeinde ragt aber vor allem mit der grossen Anzahl an leeren Neubauten (20) heraus.

Die Ursache dafür: Im vorigen Jahr wurde die Überbauung am Golfplatz mit 46 Wohnplätzen errichtet, die in der kurzen Zeitspanne nur teilweise bevölkert werden konnte.

Der Grund für den Anstieg der Leerwohnungsbestände ist auf die generell hohe Neubautätigkeit zurückzuführen. Im Bezirk Brugg wurden besonders zwischen 2011 und 2013 viele Wohnbauprojekte bewilligt, so die Neue Aargauer Bank (NAB), die mit «NAB Home» auch ein Immobilienportal führt. Diese sind mittlerweile alle auf dem Markt, sodass nun das Angebot überproportional zur Nachfrage gestiegen ist.

Im Bezirk befinden sich insgesamt 447 leere Wohnräume. 97 davon sind Neubauten – ganze 37 mehr als im Vorjahr. Dennoch will die «Aarbrugg» von einer bedenklichen Tendenz noch nichts wissen: «Von einer Übersättigung kann man nicht sprechen», stellt Kurt Zumsteg klar.

Stattdessen ruft er den Standortvorteil in Erinnerung: «Infolge der guten Verkehrsanbindung an den enorm wichtigen Wirtschaftsraum Zürich erwarten wir auch mittelfristig kein Angebotsüberschuss.»

Weil die Neubautätigkeiten aber nach wie vor gross sind, «wird sich der moderate Anstieg der Leerstandsquote in unserer Erwartung auch im nächsten Jahr fortsetzen», schätzt Kurt Zumsteg.

Zudem sei die Entwicklung der Wirtschaftslage unsicher – und somit auch die Nettozuwanderung, die in den letzten Jahren die hohe Wohnungsproduktion absorbiert habe.

Gemäss der NAB wird in naher Zukunft aber nicht mehr in einem solch grossen Ausmass gebaut: «Die Zahl der Baubewilligungen im Bezirk Brugg ist mittlerweile wieder tiefer.

Grundsätzlich deuten die verfügbaren Indikatoren auf eine Beruhigung des Markts in Brugg hin.» Zum Vergleich: 2011 wurden im Bezirk Brugg 650 Wohneinheiten in Form von Mehrfamilienhäusern bewilligt; in den letzten 12 Monaten waren es noch knapp 200.

Mit jedem Anstieg der Leerstandsquote sinken zwangsläufig die Angebotspreise in den Agglomerationsgebieten. Die Zentren des Kantons sind laut Kurt Zumsteg derweil wesentlich preisstabiler.

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