Hausen
Sogar ein Trauzimmer ist denkbar im 400 Jahre alten Dahlihaus

Der mit 65 Mitgliedern neu gegründete Verein «Pro Dahlihaus» in Hausen wehrt sich gegen den Abriss der 400-jährigen Liegenschaft an der Holzgasse. Als nächster Schritt wird eine Vorlage für die Sommergemeindeversammlung erarbeitet.

Irene Hung-König
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Sie kämpfen für das Dahlihaus (von links): Vereinspräsident Beat Peterhans mit den Vorstandsmitgliedern Ruth Kälin, Kurt Schneider, Brigitte Schnyder und Heinz Fischer. IHK

Sie kämpfen für das Dahlihaus (von links): Vereinspräsident Beat Peterhans mit den Vorstandsmitgliedern Ruth Kälin, Kurt Schneider, Brigitte Schnyder und Heinz Fischer. IHK

Irene Hung-König

Das Interesse am 400-jährigen Dahlihaus an der Holzgasse 13 in Hausen ist gross. 65 Personen drängten am Mittwochabend ins Theorielokal der Turnhalle, um den Verein «Pro Dahlihaus» mitzugründen.

Ziel und Zweck des Vereins ist es, das marode Hochstudhaus nicht einfach abzureissen, sondern alle Möglichkeiten für eine ortsbildgerechte Erneuerung zu prüfen. Danach soll die Liegenschaft, die der Gemeinde gehört, zu einem attraktiven Treffpunkt für Gemeinde-, Vereins- oder Privatanlässe werden. «Ich könnte mir auch ein Trauzimmer in der ehemaligen Wohnung von Hans Dahli vorstellen», sagte Moderator Hans-Peter Widmer. Als nächster Schritt wird eine Vorlage über das Schicksal des Hauses für die Sommergemeindeversammlung erarbeitet.

Verein als Motivator

Der neu gewählte Vereinspräsident Beat Peterhans erklärte den Verein als Motivator darin, andere nicht nur von einer «alten Hütte» zu überzeugen, sondern den Indentitätswert zu überbringen. Nebst Beat Peterhans wurden Ruth Kälin, Kurt Schneider, Brigitte Schnyder und Heinz Fischer als Vorstandsmitglieder einstimmig gewählt. Stefan Hintermann und Lilian Marolf agieren als Revisoren.

Kurt Schneider, Leiter Stadtentwicklung Aarau, erläuterte die Möglichkeiten des künftigen Dahlihauses: Das Objekt könnte erhalten und ergänzt werden, wobei sich ein neuer Teil in Form eines Anbaus deutlich vom alten Teil abheben müsste. Würde aber neu gebaut, müsste das Gebäude einen Bezug zum jetzigen Dahlihaus und zum Ort haben.

Ähnlich äusserte sich Henri Leuzinger, Geschäftsführer des Aargauischen Heimatschutzes: «Häuser und Vorplätze machen den Charme eines Dorfes aus, man kann auch von Heimat reden.» Es sei nun eine anspruchsvolle Architekturaufgabe, die Baugeschichte des Dahlihauses mit einer neuen, passenden «Buchseite» zu füllen. Kantonsarchäologie und Denkmalpflege haben angekündigt, das Dahlihaus genauer zu untersuchen.

Dorfgeschichte live erlebt

Der 86-jährige Albert Senn war extra für die Vereinsgründung aus Zürich angereist, denn er ist im Dahlihaus, nach dem Tagelöhner Hans Dahli benannt, aufgewachsen. Er erzählte davon, dass ihn der Hans Dahli wohl gemocht habe: «Ich durfte ihn duzen, das war damals nicht selbstverständlich.» Der Dahli Hans habe auch gute Wähen gebacken und ihm davon abgegeben. Und ans Publikum gewandt: «Ich staune, dass so viele Leute Interesse am alten Haus zeigen.» Obwohl 1951 aus Hausen weggezogen, sei das Haus immer noch ein Stück Heimat.

Gemeindeammann Eugen Bless erklärte, dass er sich am grossen Verein erfreue, den der Gemeinderat verursacht habe. Im Juni 2012 hatte der Gemeinderat mitgeteilt, einen Abbruchkredit zu beantragen, falls bis Ende des Jahres keine Vorschläge aus der Bevölkerung eingingen. Dies, nachdem eine Studie belegte, dass 80 Prozent der Bausubstanz des Dahlihauses marode sind. Daraufhin ist die Aktionsgruppe Pro Dahlihaus entstanden. «Es ist anders gekommen: Einige Leute haben sich aufgerafft. Es gibt aber auch Leute im Dorf, die sagen ‹weg damit›. Deshalb sind wir nicht im Vorstand», sagte Eugen Bless. Werde an der nächsten Gemeindeversammlung ein Entscheid gefällt, so sehe dies der Gemeinderat als Auftrag an.