Bözberg
Softair-Lehrer nach Freistellung: «Ich fühle mich als Bauernopfer»

Der Lehrer von Bözberg, der seinen Primarschülern demonstrierte, wie gefährlich eine Softair-Pistole sein kann, hielt sich bisher zurück mit Statements. Nun äussert er sich ausführlich über den Rausschmiss, den er nicht akzeptiere.

Drucken
Teilen
Der Softair-Lehrer hat eine neue Stelle gefunden. (Pistole: Symbolbild)

Der Softair-Lehrer hat eine neue Stelle gefunden. (Pistole: Symbolbild)

Tele M1

Per Brief teilte die Schulpflege von Bözberg am Mittwoch ihrem 54-jährigen Lehrer S. P. (Name der Redaktion bekannt) die Mitteilung, dass er auf heute Freitag, 18. Dezember, freigestellt wird.

Sie wolle damit der «allgemeinen Aufregung am Standort der Schule zum Schutze aller Schülerinnen und Schüler sowie des Lehrerteams entgegenwirken», schrieb sie.

Und weiter: «Wir möchten festhalten, dass diese Freistellung nicht aufgrund eines mutmasslichen ‹Vorfalls› mit einer Pistole erfolgt.» Die Freistellung erfolge zur Beruhigung des Schulbetriebs.

Zur Freistellung äusserte sich S. P. am Mittwoch gegenüber der az und sprach von einer «riesigen Demütigung». «Ich verstehe nicht, worum es geht. Ich fühle mich total unschuldig.»

Zum «Blick» äussert er sich nun vertieft. S. P.: «Ich hatte ja schon vor der Affäre um die beiden Spielzeugpistolen auf Ende Januar 2016 gekündigt. Dass man mich jetzt freistellt und behauptet, es sei der Beruhigung des Schulbetriebs zuliebe, obwohl man vor einer Woche noch sagte, dass dieser geregelt weiterlaufen müsse, ist ein Widerspruch.»

Die Begründung der Schulpflege, es müsse nun wieder Ruhe einkehren, sei ein Vorwand «andere Zwänge oder Mechanismen ist, über die ich aber nicht spekulieren möchte». Er macht aber klar, dass es zwischen ihm und der Schulpflege seit längerem verschiedene Ansichten und Probleme gebe.

«Ich habe schon das Gefühl, dass ich mit der Freistellung ein Bauernopfer bin», führt er aus. Die Freistellung akzeptiere er nicht, was er der Schulpflege und den Eltern auch mitgeteilt habe.

Zu den Problemen gibt er zwei Beispiele: Das erste: Er habe für seine 25 Schüler ein sechstägiges Lager im Unterengadin organisiert. Die Eltern sollten - wie beim Vorgänger - 200 Franken bezahlen.

Doch er habe nur 150 Franken verlangen dürfen. Weil er längst gebucht hatte, überliess er es den Eltern, wie viel sie bezahlen. «So war ich der Schulleitung gegenüber illoyal.»

Ein Drittel zahlte 150 Franken, die anderen 200 oder sogar mehr. Von der Schulpflege erhielt er deshalb eine Ermahnung, eine Einsprache vor der Schlichtungskommission habe diese nicht zugelassen. Deshalb habe er gekündigt.

Als zweites Beispiel für die unterschiedlichen Ansichten nennt er den Werkraum im Luftschutzkeller, der trotz Millionen-Sanierung der Schule seit zwei Jahren nicht den gesetzlichen Vorschriften entsprach für die Arbeit mit Kindern darin. Er habe in dieser Sache eingesetzt.

Auch zur Vorführung mit der Softair-Pistole äussert sich S. P.: «Sie war präventiv und völlig harmlos war. Ein Schuss durch ein paar Blatt Papier in einen Eimer. Es gab danach keine Reklamation von Eltern.»

Immerhin: S. P. hat eine neue Stelle als Lehrer gefunden. Aber es tue ihm «sehr weh, meine Klasse zu verlassen». (pz)

Der Elternbrief der Schule Bözberg:

Aktuelle Nachrichten