Bözberg

Softair-Lehrer hat Zimmer geräumt: «Es gibt in diesem Spiel nur Verlierer»

Die Schule Unterbözberg

Die Schule Unterbözberg

Nach der Affäre um die Vorführung einer Softair-Pistole im Unterricht hat der freigestellte – und enttäuschte – Primarlehrer am Montag sein Schulzimmer geräumt. Die Fünft- und Sechstklässler bedankten sich für den Unterricht mit einem Brief.

Wegen einer Softair-Pistole im Klassenzimmer ist es zum Knall gekommen in Bözberg: die Eltern, die Schulleitung, die Schulpflege und schliesslich auch die Polizei kamen ins Spiel und ein Verfahren wurde eröffnet gegen den 54-jährigen Primarlehrer. Dieser hatte seine Stelle bereits vor einigen Wochen auf Ende Januar 2016 gekündigt, ist nun aber per letzten Freitag freigestellt worden.

Am Montag hat der Lehrer sein Schulzimmer geräumt, heute wird er sein Material abholen. Er habe zwar eine neue Stelle, aber es tue ihm trotzdem weh, die Klasse zu verlassen, sagt er.

Immerhin: Die Abschiedsbesuche und Geschenke an seinem letzten Arbeitstag hätten ihn getröstet und ihm Gewissheit gegeben, dass er doch nicht alles falsch gemacht habe. In einem Brief bedanken sich die Fünft- und Sechstklässler für den Unterricht. Sie seien immer gerne zu ihm in die Schule gegangen. Den Lehrer bezeichnen sie als cool, modern, lustig und freundlich. «Mit Ihnen haben wir immer viel gelacht, spannende Sachen gelernt, tolle Zeichnungen gemalt und viele aufregende Ausflüge gemacht», heisst es im Brief der Schüler.

Im Schulzimmer geschossen

So berichtet Tele M1 am 26.11.2015 über die Softair-Vorführung in einem Schulzimmer in Bözberg (26.11.2015)

Ursprünglich brachte der «Blick» die Geschichte ins Rollen. Es kam zu Gehässigkeiten, mittlerweile stehen verschiedene Vorwürfe im Raum – unter anderem zum Stil des Unterrichts. Der Primarlehrer betont, dass die Stimmung im Schulzimmer grundsätzlich immer gut gewesen sei. In seiner langjährigen Berufskarriere habe er stets versucht, einen guten Draht zur Klasse zu finden und jedes Kind respektvoll und fair zu behandeln. Eine Lehrperson müsse transparent und authentisch sein.

Angriffe sind nicht die feine Art

Enttäuscht ist der Lehrer vor allem darüber, dass er anonym angegriffen wird. Dies sei nicht die feine Art. Er erwarte, dass die Eltern sich bei ihm persönlich und schnell melden, wenn sie mit ihm oder seinem Unterricht ein Problem haben oder in der Klasse etwas passiert ist, über das sie Auskunft möchten. Weil er grossen Wert auf eine gute Elternarbeit legt, organisiert er sogar einmal pro Schuljahr ein sogenanntes «Elternschulreisli», bei dem ein Museum oder ein Betrieb besucht und nachher noch gemütlich zusammengesessen wird. «Dadurch sollen die Eltern mich, aber auch sich untereinander besser kennen lernen.»

Lehrer nach Softair-Pistolen-Demo freigestellt

So berichtet Tele M1 am 16.12.2015 über die Freistellung des Softair-Lehrers in Bözberg (16.12.215)

Die Schwierigkeiten in Bözberg seien erst in diesem Schuljahr aufgetreten, fährt der Lehrer fort. Am Anfang sei es um den Beitrag der Kinder an das Klassenlager gegangen. Er habe weniger verlangen dürfen als sein Vorgänger, obwohl es dafür keine Regelung gebe. Der Lehrer spricht von einem Machtkampf der Schulleitung. «Die Situation ist dann nach und nach eskaliert, und nun gibt es in diesem Spiel nur noch Verlierer.»

Streitpunkt Werkraum

Eingesetzt hat sich der Lehrer auch für den Werkraum. Dieser genügt nach seinen Ausführungen nicht, um darin mit Kindern arbeiten zu können. Schulpfleger Hanspeter Flückiger ist sich bewusst, dass in der Räumlichkeit im Luftschutzkeller Optimierungsmöglichkeiten vorhanden sind. Allerdings, gibt er zu bedenken, seien mit der Fusion zur Gemeinde Bözberg mehrere Schulen zusammengelegt worden.

Die notwendigen Anpassungen am zusammengelegten Schulstandort seien durch eine professionelle Arbeitsgruppe durchgeführt und am Schluss abgenommen worden. «Trotzdem kann nach den ersten Erfahrungen schon noch am einen oder anderen Ort Anpassungsbedarf bestehen.» Im letzten Sommer sei deshalb eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen worden, die eine Schulraumanalyse durchführe. «Der Werkraum ist ein Bestandteil. Die Lehrpersonen haben ebenfalls Einsitz in dieser Arbeitsgruppe.» Zu weiteren Punkten möchte die Schulpflege keine Stellung mehr beziehen. Es gelte, einen Schlussstrich unter die Affäre zu ziehen und Ruhe in den Schulbetrieb zu bringen.

Apropos Vorgaben zum Werkraum: Die Planung, Gestaltung, Realisierung und Finanzierung von Schulräumen und -bauten liegt in der Kompetenz der Gemeinden, sagt Sascha Katja Giger, stellvertretende Leiterin Kommunikation beim kantonalen Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS). Der Kanton mache keine Vorschriften, seine Empfehlungen – wie die Richtgrösse für die Raumfläche – bieten den Gemeinden aber einen Orientierungsrahmen.

Schlichtungskommission weiss Rat

Bei einem Klassenlager beschränken sich die Empfehlungen des BKS auf organisatorische Punkte: das Lagerprogramm muss von der Schulpflege oder Schulleitung bewilligt werden; die Eltern sind frühzeitig und umfassend über die jeweiligen Vorhaben zu informieren, vor allem in Bezug auf zusätzliche finanzielle Aufwendungen.

Bei personalrechtlichen Streitfällen hat eine Lehrperson die Möglichkeit, an die Schlichtungskommission für Personalfragen zu gelangen. Diese erste Anlaufstelle ist neutral und vertritt keine Parteiinteressen. «Die Schlichtungskommission gibt zuhanden der Schulpflege eine Empfehlung ab und die Schulpflege hat einen zweiten Entscheid zu fällen», erklärt Sascha Katja Giger. «Diesen kann die Lehrperson bei der nächsten Instanz – beim Verwaltungsgericht – anfechten.» Grundsätzlich liegt die Anstellung – und dementsprechend auch die Freistellung – einer Lehrperson laut Sascha Katja Giger in der Verantwortung der Schulpflege. «Sie ist Anstellungsbehörde.»

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