Bözberg
Softair-Fall: Warum es nicht nur um Waffen geht

Die Geschichte um den Lehrer, der an der Primarschule Bözberg seinen Schülern eine Schussabgabe einer Softair-Pistole vorzeigte, schlug hohe Wellen. Die Analyse.

Claudia Meier
Claudia Meier
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An der Primarschule Bözberg sorgt

An der Primarschule Bözberg sorgt

KEYSTONE

Vor einem Monat demonstrierte ein Primarlehrer an der Schule Bözberg seinen Fünft- und Sechstklässlern mit einer Schussabgabe in einen Kehrichteimer die Gefahr von Softair-Pistolen. Mit dieser Handlung, die mit der Schulleitung abgesprochen war, geriet eine ganze Lawine ins Rollen. Von besorgten Eltern, überraschter Schulpflegepräsidentin, krankgeschriebener Schulleiterin und von einem von dem Schulinspektor empfohlenem Notfallszenario war die Rede. Die Polizei wurde eingeschaltet. Gegen den Primarlehrer läuft nun ein Verfahren wegen Widerhandlung gegen das Waffengesetz und versuchter Nötigung. Solange das Verfahren läuft, gilt die Unschuldsvermutung.

Nachdem der «Blick» dieses Thema aufgegriffen hatte, gingen die Wogen hoch auf dem Bözberg. Die Schulpflege informierte zurückhaltend. Man wollte möglichst schnell zum Alltag zurückkehren. Der Lehrer bedauerte, dass man ihn vor dem Polizeieinsatz nicht persönlich kontaktierte. Dann wandten sich «besorgte Bözberger» an die Boulevardpresse und überliessen dieser einen Brief von Vizeammann und Mutter eines Schülers. Auszüge aus diesem Schriftstück machten deutlich, wer die Affäre an der Schule Bözberg ins Rollen brachte. Plötzlich war von einer zweiten Spielzeugpistole die Rede. Die Schulpflege brauchte eine ganze Woche, um per Medienmitteilung einen Teil der vielen offenen Fragen zu beantworten. In der Zwischenzeit hagelte es auf den Online-Plattformen Kommentare gegen die Schulleitung, die Eltern des Schülers, der zu Hause von den Vorkommnissen erzählte, und die Behörden.

Diese Geschichte ist aus drei Gründen problematisch: Erstens zeigt sie, dass man in der extrem dünn besiedelten Gemeinde mit einem Einwohner pro Hektare Land wenig soziale Kontakte hat. Wer sich nicht in einem Verein oder einer Behörde engagiert, regelmässig in einem der Restaurants oder im Dorfladen verkehrt und an gesellschaftlichen Anlässen teilnimmt, trifft kaum zufällig auf andere Bözberger. Die Ortsteile der noch jungen Fusionsgemeinde liegen kilometerweit voneinander entfernt. Unterwegs ist man deshalb in der Regel mit dem Auto. Einige ziehen die soziale Kontrolle einem persönlichen Gespräch vor. Wer beispielsweise die Kinder mit dem Auto zur Schule fährt, steht unter Generalverdacht, gegen den Schulbus zu sein, obwohl die Person die Fahrt zur Schule auch gleich noch mit einem Einkauf verbindet.

Zweitens zeigt die Geschichte, dass es vor allem anonyme Drahtzieher sind, die dafür sorgen, dass die Gemeinde regelmässig Schlagzeilen macht. Das sind die Miesmacher, die möglicherweise auch während dem jahrelang tobenden Adress-Knatsch gelernt haben, wie die Medien funktionieren. Sie lassen kaum eine Gelegenheit aus, gegen Behördenmitglieder zu schiessen, den aktuellen Fusionszustand zu beklagen und Rücktritte zu fordern. Sie sind aber zu feige, mit ihrem Namen zu ihren Forderungen zu stehen.

Und vermutlich sind sie auch zu feige, sich bei einer Vakanz für ein öffentliches Amt zur Verfügung zu stellen oder bei der Suche nach geeigneten Kandidaten zu helfen. Wir sind beim dritten Punkt: Rücktritte im Gemeinderat und in der Schulpflege wird es bald geben. Doch wer wird sich danach für diese Ämter zu Verfügung stellen? Wer will riskieren, dass er oder sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit in die Pfanne gehauen wird? Auch wenn längst nicht alle Fragen beantwortet sind, wird dem Leser doch klar, dass es bei der «Knall-Posse von Bözberg AG», wie der «Blick» diese Geschichte nennt, nur am Rand um Waffen im Schulunterricht geht.

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