Es braucht viel Fingerspitzengefühl, damit ein Osterhase so aussieht, wie er sollte. Ob gefleckt, mit einem weissen Stummelschwanz, mit grünem Gras zu Füssen oder mit rotem Mund – jede einzelne Farbe wird von Hand in der vorbereiteten Kunststoff-Schale aufgetragen. «Schminken» wird dies im Fachjargon genannt.

Karl Richner, Bäcker und Konditor in Veltheim – bereits in der 7. Generation –, ist flink. Mit kleinen Tüten, Cornets genannt, schminkt er die Ausbuchtungen in der Hasen-Form. Malt dort eine Augenbraue, hier die Zähne oder ein paar Flecken. Dann pinselt er rasch die ganze Form mit Milchschoggi-Couverture aus und lässt sie kurz «ziehen», also antrocknen. Etwa fünf Minuten hat ein versierter Konditor für diese Arbeit. Die Journalistin, eine Anfängerin in Sachen Osterhasen-Produktion, hat doch etwas länger dafür. Es braucht Geduld, bis die kleinen Ausbuchtungen mit genügend, aber doch nicht zu viel Schokolade ausgefüllt sind. Es ist eine kreative Arbeit. Jeder Hersteller kann selber entscheiden, wie der Hase nun gefleckt sein soll. Und so ist jeder Osterhase in der Bäckerei Richner ein Unikat. Handgemacht und einzigartig. 

Osterhasen-Produktion Schritt für Schritt: So viel Handarbeit steckt in den einzigartigen Schoggihasen aus Veltheim.

Mittlerweile zieht ein feiner Duft von Schokolade durch den Raum. In einer Maschine wird ständig die Edel-Couverture geschmolzen und dann auf die richtige Temperatur heruntergekühlt. Die auf 30 Grad Celsius heruntergekühlte Milchschoggi fliesst durch einen Hahn ins Becken, wo die Schokolade dann erneut erwärmt wird und in den Kreislauf fliesst.

Maschine erleichtert Produktion

«Dank dieser Maschine geht die Produktion viel schneller vonstatten», erklärt Karl Richner. Den Preis eines Mitteklasse-Autos hat er dafür bezahlt. Statt mühsam die Schalen mit der Kelle füllen, müssen die Konditoren jetzt nur noch die mit metallenen Clips verschlossene Schale unter den Hahn halten und auffüllen. Anschliessend wird die Form über dem Becken gekippt und verkehrt auf ein Gitter gestellt, damit die Schoggi abtropfen kann.

Es ist eine Kunst für sich, dass die Wände des Osterhasen nicht zu dick und nicht zu dünn werden. Der Füll- und Abtropfvorgang wird dreimal wiederholt. Dazwischen muss die Schokolade immer wieder antrocknen. Gibt man der Schokolade zu wenig Zeit zu trocknen, wird sie «grau». Nicht grau im herkömmlichen Sinne. Aber die Kakaobutter in der Masse scheidet sich, bekannt ist dies beispielsweise davon, wenn man Schokolade in der Sonne stehen lässt und sie danach wieder trocknet. Ähnlich wie beim Kerzenziehen muss man den Osterhasen Zeit geben, dass sie sich festigen.

Zum Schluss streicht Karl Richner auf einem Blech Schokolade dünn aus. Dann presst er die Form in die Masse. So entsteht der Boden der Hasen. Dann müssen sie in die Kühle. Mindestens 20 Minuten.

Seit Januar ist das Personal in der Bäckerei & Konditorei Richner dabei, die Osterhasen herzustellen. «Sonst kommen wir nicht durch», sagt Karl Richner. Da braucht es auch die eine oder andere Überstunde. Etwa 500 Kilogramm Schokolade werden in der Bäckerei zu Osterhasen verarbeitet. Das ergibt um die 1500 bis 2000 Stück. 100 verschiedene Figuren haben sich in all den Jahren in der Bäckerei angesammelt. Denn die Osterhasen-Produktion hat bei Richners Tradition. Einige Formen stammen sogar noch von Karl Richners Grossvater. Doch die dienen heute als Dekoration im Verkaufsladen.

Immer wieder neue Erfindungen

Nachdem sich Karl Richner 20 Jahre lang selber um die Schoggihasen gekümmert hat, ist er heute froh, dass er kaum noch herstellen muss. «Mit der Zeit hat man es gesehen», meint er und lacht. Die Schoggi mag er aber noch immer. Und er ist immer auf der Suche nach neuen Ideen. So hat er den Minions-Osterhasen erfunden. Oder er füllt kleine Osterhasen mit Mohrenkopf-Füllung, eine neue Erfindung auf dem Osterhasen-Markt.

Mittlerweile sind die vorhin produzierten Osterhasen ausgekühlt. Der schwierige Teil kommt jetzt: Löst man sie nicht vorsichtig aus der Form, können sie leicht zerbrechen. Sanft löst Karl Richner die Klammern, biegt den Kunststoff etwas durch und befreit die Osterhasen. Und während die Hasen des Profis perfekt ausschauen, gibt es etwas Kritik am Hasen der Journalistin: «Der Stummelschwanz ist nicht sehr schön geschminkt», bemängelt Karl Richner augenzwinkernd.

Und so sind jetzt Köbi, Jimi, Gianni und wie die Hasen alle heissen, bereit, ins Osternestchen zu hoppeln. Nicht aber bevor Barbara Richner den Schoggihasen noch die richtige Schleife umgebunden hat, damit sie auch eine Gattung machen im Osterhasengestell der Bäckerei.