«Die Leute im Dorf gaben uns nur drei Monate», blickt Bruno Moser auf die Anfangszeit in Bözen zurück. Was brachte einen Stadtbasler Sekundarlehrer dazu, in einem 700-Seelen-Dorf ein chinesisches Restaurant zu eröffnen? Die Antwort ist - wie so oft - ganz einfach: die Liebe. «Ja, ich bin als Wirt ein Quereinsteiger», sagt Bruno Moser und strahlt. Es gibt kaum etwas, was Moser noch nicht gemacht hat.


Zuerst arbeitete er als kaufmännischer Angestellter, dann studierte Moser Musik, Mathematik und Biologie und war später in Köniz Sekundarlehrer und Schulleiter. Im Jahr 2000 lernte er in Basel seinen chinesischen Lebenspartner Ka Seng Ha kennen. Seng ist Koch und lebte und arbeitete bereits seit zehn Jahren in der Schweiz.


Das Restaurant selber gestaltet
«Wir beschlossen, gemeinsam ein Restaurant zu eröffnen, wussten aber nicht wo», erinnert sich Moser. Dann - 2006 - ging plötzlich alles ganz schnell. Das Paar pachtete das bekannte Restaurant Frohsinn, besser bekannt unter dem Namen «Zingge», im Dorfzentrum von Bözen und richtete sich die Wohnung im Obergeschoss ein. Moser machte die Wirteprüfung, Seng die Fahrprüfung. «Der Grund, warum wir hierherkamen, war, dass wir vieles selber gestalten konnten», sagt Moser. Die Wände wurden Lindengrün gestrichen und das Lichtkonzept erneuert. Chinesische Porzellanfiguren, Fächer und Wandbehänge gaben dem Restaurant die besondere Note.


Der Stammtisch blieb bestehen. Neben chinesischen Gerichten gab es auch Schweizer Gerichte. Aus neugierigen Besuchern wurden schnell Stammgäste. «Die Gäste kamen auf den Geschmack - auch die Landwirte. Seit drei Jahren bieten wir nur noch chinesische Gerichte an», sagt der Wirt. Das Restaurant lebte von der Mundpropaganda und beteiligte sich auch erfolgreich am Senioren-Mittagstisch.


«Herzliche Freunde gefunden»
Am Mittwoch, 30. Januar, ist ihr letzter Tag im «Zingge». Moser wird pensioniert und zieht mit seinem
50-jährigen Partner nach Basel. Aus ihrer Homosexualität haben sie nie ein Geheimnis gemacht. «Vielleicht haben wir mit unserer Offenheit dazu beigetragen, Vorurteile abzubauen», räumt Moser ein.


Nun freut er sich wie ein kleines Kind auf den Umzug nach Basel. Der Termin ist ideal. Moser kann seinem langjährigen Hobby frönen und am Morgestraich mitmachen. Und Seng kann am 10. Februar das chinesische Neujahr endlich wieder einmal in seiner alten Heimat verbringen. Doch ein bisschen Wehmut ist für die Beiden beim Wegzug aus dem Fricktal schon dabei: «Wir haben hier so herzliche Freunde gefunden.»


Neue Pächter gesucht
Der «Zingge» hat seit Januar einen neuen Besitzer. «Wir möchten auf jeden Fall, dass der ‹Zingge› ein gutes und gemütliches Restaurant bleibt, und suchen daher einen neuen Pächter», sagt Besitzer Eugen Voronkov. Auf Wunsch steht für die neuen Wirtsleute auch wieder eine Wohnung zur Verfügung.