Scherz
So trainieren die Säuli für die anstehenden Rennen

Alfred Vogt unterhält sein Publikum mit Säuli-Rennen. Wir waren beim Training der Tiere dabei. Zu sehen sein werden sie am slowUp vom Sonntag.

Janine Müller
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slowUp Säuli-Rennen
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Ein Bronnehof-Säuli am grinsen
Das Tier, das am Ende die Schnauze zuerst im Trog hat, gewinnt das Rennen.

slowUp Säuli-Rennen

Luis Hartl

Wenn Alfred Vogt schon nur in die Nähe des Stalls kommt, beginnen die 14 Säuli zu quietschen. Eines steht am Geländer hoch, lechzt nach einem Leckerli. Die Rinder nebenan scheinen sich das Theater im Schweinestall gewohnt zu sein. Sie heben nur gelangweilt den Kopf und äugen zu ihren rosaroten Gspänli rüber. Dass die Säuli so einen Krach machen, hat einen Grund. Denn wenn Alfred Vogt auftaucht, wissen die Tiere genau, was jetzt kommt: Das Renn-Training steht an. Und am Ende der Rennstrecke warten Apfelstücke und anderes Futter im Trog. Das wollen sich die Schweine nicht entgehen lassen.

Bereits seit 1998 setzt die Familie Vogt auf Freilandschweine. «Immer ca. 100 Tiere sind auf der Wiese. Rund ein Drittel des Fleisches verkaufen wir direkt auf dem Hof», sagt Alfred Vogt. Die Schweine auf der Wiese tollen jeweils vergnügt herum, stecken ihre Nase gerne in den Dreck. Dieser Spieltrieb, gekoppelt mit der Intelligenz der Tiere, veranlasste Alfred Vogt vor rund 12 Jahren dazu, Säuli-Rennen anzubieten.

Mit diesen ist Alfred Vogt mittlerweile zwischen Frühling und Herbst an vielen Wochenenden unterwegs. Auf Messen, Ausstellungen, am Stierenmarkt in Zug oder eben – jetzt am kommenden Wochenende zum ersten Mal – am slowUp in Brugg. Einmal pro Stunde findet ein Rennen mit jeweils einer Gruppe von sechs Schweinen statt. Die andere Gruppe pausiert dann. «Mir ist Tierschutz wichtig, darum schaue ich, dass die Säuli höchstens alle zwei Stunden zum Einsatz kommen», erklärt Alfred Vogt. Zudem sorge er immer für genügend Schatten und auch zwei Ersatz-Säuli sind dabei.

Tiere wachsen rasch

Weil die Tiere so rasch wachsen – «sie dürfen so viel fressen, wie sie wollen», sagt Alfred Vogt –, muss der Landwirt alle zweieinhalb Monate 14 neue Säuli ins Training aufnehmen. Im Alter von ca. 10 bis 12 Wochen steigen die Säuli ins Training ein. Rund einen Monat braucht Alfred Vogt, um ihnen beizubringen, wie sie ins Ziel zu rennen haben. Danach kann er mit ihnen 11⁄2 Monate an den Säuli-Rennen teilnehmen. Weil die Tiere zwischen 500 bis 800 Gramm täglich an Körpergewicht zulegen, bringen sie am Ende ihrer Rennkarriere meistens 60 bis 70 Kilogramm auf die Waage. «Danach sind sie zu träge für die Rennen», sagt Alfred Vogt.

Die Renn-Säuli kommen dann zu ihren Gspänli auf die Weide. Dort dürfen sie gut zwei Monate bleiben, bis dann der Gang zum Metzger ansteht. Der Verkauf von Schweinefleisch ist eine der Einnahmequellen des Bronnehofs.

Noch heute ist es kein schöner Moment für Alfred Vogt, wenn die Säuli zum Metzger müssen. «Zu den Renn-Säuli baue ich immer eine spezielle Beziehung auf», sagt er. «Ich nenne sie auch beim Namen.» Besonders schwer wird ihm dann der Abschied vom Schwein namens Säuli fallen. Säuli ist jenes Tier, das immer am Geländer hochsteht und sehr anhänglich ist. Erst kürzlich wurde das Tier einem Brautpaar zur Hochzeit geschenkt, doch es darf weiterhin noch Rennen laufen.

Publikum ist noch ungewohnt

Zurück zum Training. Für den slowUp in Brugg, den Anlass für den Langsamverkehr, befinden sich die Säuli in der letzten Trainingsphase. Vor viel Publikum sind sie bisher noch nicht gelaufen. Alfred Vogt schafft hier Abhilfe, indem er den Radio relativ laut einstellt. In den Trainingsmodus kommen die Tiere gerne mit «Whatever you want» von Status Quo. Jeweils sechs Säuli können an den Rennen gleichzeitig starten. Jetzt im Training laufen alle auf einmal los. Alfred Vogt hebt das Gitter hoch, die Säuli sprinten raus. Bis zur Kurve geht alles gut, dann entdecken die Säuli den Fotografen und die Journalistin. Eine neue Situation für die Säuli, sie bleiben stehen, grunzen, wissen irgendwie nicht weiter. Es braucht ein paar Anfeuerungsrufe von ihrem Trainer, damit sie sich wieder in Bewegung setzen. Noch rasch über das Hindernis hüpfen, dann kommt die Zielgerade, an deren Ende der Futtertrog wartet. Das erste Säuli, das die Schnauze in den Trog steckt, gewinnt.

Bald ist ausser dem Schmatzen und Grunzen nichts mehr zu hören. Das Training wäre für diesen Morgen geschafft. Ein weiteres wird am Abend folgen.

slowUp Brugg am 7. August von 10 bis
17 Uhr. Säulirennen mit Wettmöglichkeit im Brugger Schachen.

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