Der Kanton Aargau braucht schon bald zwei zusätzliche Mittelschulen. Ein neues Gymnasium soll im Fricktal entstehen. Die zweite neue Kantonsschule ist im Raum zwischen Aarau und Baden vorgesehen. Die Rede ist von Lenzburg oder Brugg.

Es waren die drei damaligen SVP-Grossräte Richard Plüss (Lupfig), Jörg Hunn (Riniken) und Jürg Stüssi (Windisch), die schon vor etwa 12 Jahren einen Vorstoss zu diesem Thema einreichten, erinnert sich Plüss, der neu den Planungsverband Brugg Regio präsidiert. Aus den damals schon bekannten Platznöten peilte das Trio die Vision an, in Brugg-Windisch eine Mittelschule einzurichten. Die Kantonspolitiker begründeten dies mit dem Schülerwachstum, den Platzverhältnissen, der wachsenden Region Brugg, der Verbindung zur Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) sowie mit dem starken Bildungsstandort und mit der zentralen Lage mit bester Verkehrsanbindung (vor allem öV). «Leider waren wir alleine mit unseren Weitblicken, denn die Regierung sah das gar nicht so. Heute sind wir wieder bei dieser Problematik», so Plüss.

Der Regierungsrat war 2011 kritisch

Im Jahr 2011 wollten alle elf Grossräte aus dem Bezirk Brugg vom Regierungsrat wissen, ob dieser sich «zur Behebung von Raumknappheit und aus pädagogischen Gründen» die Einrichtung von Mittelschulabteilungen beim Fachhochschul-Campus Brugg-Windisch vorstellen kann.

In seiner Antwort vom November 2011 schrieb der Regierungsrat: «Aus baulicher Sicht ist die Infrastruktur im Campus Brugg-Windisch (namentlich Mensa, Bibliothek, Parkierungsanlagen für Velos und Autos) nicht darauf ausgelegt, zusätzliche Mittelschulklassen aufzunehmen.» Und weiter: «Die räumliche Nähe einer Mittelschule zu den Hochschulen für Technik, Wirtschaft und Pädagogik der FHNW hat keine besondere Auswirkung auf die Mittelschülerinnen und Mittelschüler.» Aus bildungspolitischer Sicht schaffe eine solche Nähe keinen Mehrwert. Im Namen der Interpellantinnen und Interpellanten erklärte sich FDP-Grossrat Titus Meier damals mit der Antwort des Regierungsrats nicht zufrieden.

«Alle Signale stehen auf Grün»

Vor ziemlich genau vier Jahren wurde die Netzwerkrunde Campus Plus ins Leben gerufen, die sich für einen starken Bildungs- und Wissensstandort Brugg-Windisch einsetzen wollte. Daniel Moser, der damalige Brugger Stadtammann und Präsident vom Planungsverband Brugg Regio, sagte bei der Präsentation: «Aus Sicht der Politik ist es wichtig, bei den Bildungsverantwortlichen den Puls zu spüren, die Bedürfnisse zu kennen und rechtzeitig die Pflöcke für die Zukunft einzuschlagen.»

Auf die Frage, ob man hier eine Kantonsschule ansiedeln würde, falls der Kanton neue Standorte sucht, antwortete Moser: «Ja, das ist für uns ein Thema. Bei uns stehen in Sachen Bildungs- und Wissensstandort alle Signale auf Grün.» Die Netzwerkrunde Campus Plus war kurze Zeit danach – offenbar mangels Themen für den Austausch – nicht mehr aktiv.

Etwas vorsichtiger als in der Vergangenheit äussern sich diese Woche die elf aktuellen Grossräte aus dem Bezirk Brugg. Auf die Frage der AZ, ob sie sich für eine neue Kantonsschule in der Region Brugg einsetzen werden, antworteten sie nach der Grossratssitzung vom Dienstagnachmittag in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Planungsbericht 2019 abwarten

Darin wird deutlich, dass die Grossräte zuerst den zu diesem Thema vom kantonalen Departement Bildung, Kultur und Sport angekündigte Planungsbericht 2019 abwarten wollen. «Dieser sollte unter anderem Aufschluss geben zu den Wachstumszahlen und ob es sinnvoller ist, einzelne Standorte auszubauen oder neue zu planen», lautet die Begründung. Falls die Ausführungen zeigten, dass es notwendig sei, einen zusätzlichen Mittelschulstandort zu planen, dränge sich die Region Brugg-Windisch auf.

«Unsere Perlen der Region sind eine gute Verkehrsanbindung und der Kontakt zur Wirtschaft und den Fachhochschulen. Als Grossräte des Bezirks Brugg würden wir uns in diesem Fall selbstverständlich dafür einsetzen», heisst es in der Stellungnahme weiter. Für sie alle habe aber momentan die Diskussion um die Berufsschulstandorte Priorität. «Hier setzen wir uns nach wie vor für ein starkes Berufs- und Weiterbildungszentrum (BWZ) Brugg ein.»

An starkem Angebot interessiert

Ähnlich tönt es bei Richard Plüss, Präsident des Planungsverbands Brugg Regio: «Grundsätzlich halten wir an unseren bisherigen Angeboten im Bildungsbereich fest. Nämlich am BWZ, der Berufsfachschule für Gesundheit und Soziales sowie an der FHNW.» Vor allem das BWZ versuche der Kanton schon längere Zeit zu demontieren. «Sicher würden wir uns für einen Kantonsschulstandort im Bezirk Brugg einsetzen, jedoch nicht zulasten anderer bestehenden Schulen, sondern als neues, starkes und langfristiges Angebot.» Denn etwas Zweifelhaftes nütze niemandem etwas, sondern verunsichere nur die Schüler, die Lehrpersonen und die ganze Region.

Wenn es genügend Platz hat, könnte sich Plüss aufgrund der optimalen Verkehrsanbindung und zentralen Lage einen Kantonsschulstandort im Campus oder in der Nähe des Campus vorstellen. Durch diese Nähe zur FHNW liessen sich aufgrund der guten Infrastruktur auch Kosten sparen. Plüss würde es begrüssen, wenn eine Netzwerkrunde wie Campus Plus wieder aktiviert würde.