Erweiterung
So soll die «Perle» bewahrt werden: Pro Auenstein stellt 8 Forderungen zum Steinbruch

Pro Auenstein steht den Erweiterungsplänen des Steinbruchs Jakobsberg-Oberegg skeptisch gegenüber. Die Gruppe stellt der Gemeinde und der Jura-Cement-Fabriken AG acht Forderungen.

Nadja Rohner
Merken
Drucken
Teilen
Der Steinbruch Jakobsberg-Oberegg soll erweitert werden.

Der Steinbruch Jakobsberg-Oberegg soll erweitert werden.

Peter Winkelmann

Soll der Steinbruch Jakobsberg-Oberegg in den Gemeinden Auenstein und Veltheim erweitert werden? «Ja», findet – natürlich – die Betreiberin, die Jura-Cement-Fabriken AG (JCF) in Wildegg. Und «Ja» sagten auch die beiden Ortsbürgergemeinden, denen das Land gehört. Was sagen die anderen Einwohner? Das soll noch bis 4. September in einem Mitwirkungsverfahren eruiert werden. Sicher ist: Die «lose Verbindung» Pro Auenstein ist wenig begeistert von den Erweiterungsplänen. An einer Pressekonferenz präsentierten deren Vertreter Angélique Flach und Alt Grossrat Sämi Richner, beide «im Fahr» wohnhaft, acht Forderungen, die sie im Rahmen der Mitwirkung einbringen möchten. Unten auf dem Formular hat es Platz für Unterschriften; die Bewohner sollen mit ihrem Namen helfen, dass «Auenstein eine Perle bleibt».

Erstens fordert Pro Auenstein «die sofortige und nachweisliche Einhaltung der Luftreinhalteverordnung insbesondere bei allen krebserregenden Stoffen», etwa Benzol und Dioxin, durch das Zementwerk in Wildegg. Dieses stösst nachweislich mehr Schadstoffe aus als erlaubt; der Kanton hat hier bereits eine Sanierungsverfügung erlassen. Spätestens ab dem 31. Dezember 2020 müssten die Grenzwerte vollumfänglich eingehalten werden. Beratend zur Seite steht Pro Auenstein in dieser Frage der langjährige Zementfabrikfachmann Josef Waltisberg aus Holderbank.

Braucht es Inertstoffdeponie?

Zweitens will Pro Auenstein, dass bei der Wiederauffüllung des Steinbruchs näher als 300 Meter am Siedlungsgebiet nur sauberer Abfall abgelagert werden darf. «Neuerdings will der Kanton die Deponie Jakobsberg, momentan im Richtplan noch eingetragen für alle Abfallarten (auch Reaktordeponie), in eine Inertstoffdeponie Typ B herunterstufen», so Pro Auenstein. «Doch die Ablagerung von Asbestabfällen, welche auch gestattet werden soll, gehört indiskutabel nicht in die unmittelbare Nachbarschaft zum seit Jahrzehnten eingezonten Wohngebiet.» Eine Inert-stoffdeponie, die erweitert werden könne, gebe es bereits in Seon. «Wenn schon wären zusätzliche Inertstoffdeponien im Ost- und Westaargau sinnvoll.»

Drittens fordert die Interessensverbindung, dass Infrastrukturanlagen wie etwa das Förderband zwischen Steinbruch und Zementwerk sowie die SBB-Abladestation im Grundbuch eingetragen respektive deren Fortbestand bis zum Schluss garantiert wird. So soll verhindert werden, dass – aus welchen Gründen auch immer – einst die Materialien für die Wiederauffüllung mittels Lastwagen herangekarrt werden müssen. Und um Lastwagen dreht sich auch Forderung Nummer vier: Heute darf laut Pro Auenstein ein Drittel des Rohmaterials für die Zementherstellung von anderen Steinbrüchen per Lastwagen in den Steinbruch Jakobsberg/Oberegg geliefert werden, wo es zerkleinert und dann mittels Förderband ins Zementwerk transferiert wird. Pro Auenstein fordert eine Limitierung auf 10 Prozent.

Gemeindeversammlung soll letztes Wort haben

Weiter will Pro Auenstein, dass die privatrechtlichen Verträge zwischen der Gemeinde und der JCF zwingend von der Gemeindeversammlung abgesegnet werden müssen – und nicht nur vom Gemeinderat. Ausserdem soll eine Steinbruchkommission ins Leben gerufen werden. Zwar gibt es heute eine Begleitgruppe. Diese hat aber nur beratende Funktion. Laut Angélique Flach und Sämi Richner stellt sich Pro Auenstein eine vom Volk gewählte und in der Gemeindeordnung verankerte, eigenständige Steinbruchkommission vor, vergleichbar etwa mit einer Finanzkommission. «Die genauen Kompetenzen dieser Kommission müssten noch diskutiert werden», so Richner.

Wenn der Steinbruch wieder aufgefüllt ist, möchte Pro Auenstein einen direkten Feldweg von der Au ins Landwirtschaftsgebiet – und zwar einen, der auch von Mähdreschern befahren werden kann.

Und zu guter Letzt fordert die Gruppierung, dass «ein in aussagekräftigem Massstab gefertigtes 3D-Modell des Steinbruchgebietes mit den verschiedenen Abbauetappen des geplanten Abbaus bis zur endgültigen Rekultivierung» erstellt wird. Richner und Flach erklären dies damit, dass es für die Bevölkerung schwierig sei, die höchst umfangreichen Unterlagen für die Mitwirkung, aber auch für das spätere Baugesuch zu lesen, zu verstehen und entsprechend zu interpretieren. Im Sinne der Transparenz sei deshalb ein 3D-Modell herzustellen, was, so Richner, mit einem 3D-Drucker kein grosses Problem sein sollte.