Brugg
So sehen Brugger Bürger die Zukunft des «Roten Hauses»

Die Stiftung Rotes Haus Brugg hat bereits einen grossen Teil der Liegenschaft erworben. Die Pläne der Stiftung werden aber kritisch verfolgt. Engagierte Brugger Persönlichkeiten äussern sich über die Zukunft des «Roten Hauses».

Michael Hunziker
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Rotes Haus Brugg
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Konrad Zehnder «Die Vision der Stiftung ist aussergewöhnlich. Ich freue mich darüber und wünsche viel Erfolg», sagt Konrad Zehnder, Präsident des Quartiervereins Altstadt und Umgebung Brugg. Die Präsentation lasse einige Punkte offen, antwortet er auf die Frage, als wie realistisch er das Projekt einschätze. «Die Pläne sind sehr idealistisch. Um sie zu verwirklichen, braucht es ebenso idealistische Menschen mit Geld, das sie hier investieren.» Die künftige Nutzung stellt sich Zehnder «vielfältig und bunt» vor. «Ein Ort der Lebensfreude und Toleranz, wo sich Einheimische treffen und Touristen wohlfühlen.»
Esther M. Meier Esther M. Meier, Kirchenpflegepräsidentin der Reformierten Kirchgemeinde Brugg, bezeichnet die Pläne als vernünftig, da gestaffelt vorgegangen werde. «Man spürt viel guten Willen und Bereitschaft zum persönlichen Einsatz.» Für Esther M. Meier sollte die Karte des Restaurants künftig – «idealerweise» – neben italienischen Spezialitäten auch einige Schweizer Gerichte umfassen. Das Hotel sollte ihrer Meinung nach für das breite Publikum zugänglich sein, der Saal – «wie in früheren Zeiten» – für Vereine, städtische Anlässe und Ähnliches. Konkret erwartet sie zuerst den Kauf, dann die Sanierung des Saals. «Zu hoffen ist, dass die Miete für Vereine trotz hohen Investitionen tatsächlich tragbar bleibt.»
Hugo Schmid Hugo Schmid, ehemaliger Zunftmeister der Konfettispalterzunft Brugg und als Selbstständiger tätig in seiner G & H Werbedruck AG, ist eher skeptisch, dass Geldgeber gefunden werden, die einige Millionen Franken in das «Rote Haus» stecken. Er sei seinerzeit als Zuschauer dabei gewesen an der Versteigerung der Liegenschaft im damaligen Gerichtsgebäude. «Damals hätte die Stadt Brugg das Haus erwerben sollen», steht für Schmid fest. Für ihn müsste das «Rote Haus» auch künftig so sein, wie es einmal war: «Offen für die ganze Bevölkerung.» Der Saal, der früher im Volksmund als «Stadtsaal» bezeichnet wurde, sollte nach Schmids Dafürhalten unbedingt wieder für Vereine, Firmen oder Privatpersonen zugänglich sein.
Titus J. Meier Das private Engagement sei begrüssens- und unterstützenswert, sagt Historiker Titus J. Meier. «Es ist heute nicht einfach, ein grosses Restaurant mit Saal kostendeckend zu betreiben.» Meier erwartet, dass das «Rote Haus» auch in Zukunft ein Treffpunkt sein wird, an dem sich die ganze Bevölkerung wohlfühlt und willkommen ist. «Die Pläne, wie ich sie aus den Berichten kenne, klingen erfolgsversprechend. Ob sich der Erfolg einstellen wird, hängt massgeblich von der Bevölkerung ab», stellt er fest. «Es wäre schön, wenn auch der Saal wieder öffentlich genutzt würde.» Man müsse aber realistisch bleiben, ergänzt Meier. «Einerseits gibt es heute Alternativen und andererseits hat sich das Bedürfnis auch verändert.»
Barbara Horlacher «Ich wünsche mir ein lebendiges und offenes ‹Rotes Haus›, wie es Trattoria und Gästezimmer heute bereits sind», sagt Einwohnerratspräsidentin Barbara Horlacher. «Schön wäre es, wenn künftig auch der Saal wieder von lokalen Vereinen genutzt werden könnte.» Ohne Erneuerung der in die Jahre gekommenen Infrastruktur werde sich das Haus längerfristig jedoch nicht betreiben lassen, führt Barbara Horlacher weiter aus. «Da die dafür benötigten Investitionen aufgrund wirtschaftlicher Überlegungen allein wohl kaum getätigt werden, sollten wir meiner Meinung nach den Plänen, die die Stiftung Rotes Haus für die Zukunft des für Brugg und die Region wichtigen Hauses präsentiert, offen begegnen.»
Dietrich Berger Für eine Liegenschaft an dieser Lage sei es immer am einfachsten, wenn sie in der Hand eines einzelnen Eigentümers sei, sagt Dietrich Berger, Präsident des Gewerbevereins Zentrum Brugg. So sei es wesentlich unkomplizierter, die Nutzung zu definieren sowie den Unterhalt effizient und effektiv zu regeln. «Als ehemaliger Tourismuspräsident wünsche ich mir natürlich viele Übernachtungsmöglichkeiten, als Gewerbevereinspräsident wünsche ich mir viele gutgehende Betriebe in der Stadt und als Privatperson wünsche ich mir eine Begegnungsstätte, wo man sich trifft», sagt Berger zur künftigen Nutzung. «All dies könnte das ‹Rote Haus› vereinigen. Es hat dazu einen sehr guten Standort und das nötige Potenzial.»
Ernst Rothenbach Ernst Rothenbach, früherer Präsident des Gewerbevereins Zentrum Brugg und heutiger Herausgeber, Verleger und Redaktor der Zeitung Regional, spricht von Absichtserklärungen «einer bewundernswert aktiven Gruppe, die ihre Motivation aus dem Glauben schöpft, aber doch auch Wirtschaftlichkeit im Auge behalten möchte». Realistisch aber wäre, fährt er fort, die Investitionen aufzulisten – Kaufpreis, dringende Renovationen –, das Kapital zu beschaffen und dann in Verhandlungen zu treten. Aber so lange kein Preis bekannt sei und sich auch beim jetzigen Eigentümer über eine Bereitschaft zum Verkaufen nichts abzeichne, sei das alles leider Wunschdenken, steht für Rothenbach fest.

Rotes Haus Brugg

mhu

Das altehrwürdige «Rote Haus» in Brugg soll zu einem vielfältig nutzbaren Haus der Begegnung für Menschen unterschiedlichster Herkunft werden. So lautet das Ziel der Stiftung Rotes Haus Brugg. Sie hat bereits einen grossen Teil der Liegenschaft erworben: Hotel, Restaurant, Bar und eine Wohnung.

Ihre Absicht ist es, schrittweise auch den Rest zu übernehmen und die Räumlichkeiten zu renovieren. Die Stiftung will, hält sie fest, in erster Linie Menschen dienen. Durch den Kauf des «Roten Hauses» entstehe ein Ort, wo verschiedene Dienste am Menschen wahrgenommen werden könnten.

Arbeitsplätze geboten

Ihren Auftrag gliedert die 2013 gegründete Stiftung in drei Bereiche: Einerseits stellt sie die Räume und Einrichtungen des Restaurants und Hotels gegen Miete zur Verfügung.

Zweitens bieten das Hotel und das Restaurant im Auftrag der Stiftung einige Arbeitsplätze für Menschen an, die keine Ausbildung geniessen oder abschliessen konnten. Geschaffen werden begleitete Praktikumsplätze, unter anderem im Bereich Hauswirtschaft, um die Menschen in den ersten Arbeitsmarkt integrieren zu können.

Drittens ist im «Roten Haus» die 2009 ins Leben gerufene Heilbar untergebracht. Ein Team von Mitarbeitern, so die Stiftung, widmet sich der ganzheitlichen Wiederherstellung von Menschen. Durch niederschwellige Angebote wie Beratung, Coaching, Seelsorge, Massage und Schulungen sollen sie aus schwierigen Situationen zurück zu Lebensfreude finden.

Fragen zum Glauben

Die Fragen rund um die Gottesbeziehung seien ein wichtiger Bestandteil dieser Tätigkeit, sagte Stiftungsrat Thomas Neukomm am Dienstag letzte Woche. An einem rege besuchten Informations-Apéro wurden die Pläne für das zentral gelegene Gebäude vorgestellt (die az berichtete). Der Anlass fand im Saal statt, den der derzeitige Besitzer an die Freikirche ICF vermietet hat. Die Stiftung möchte diesen Saal ebenfalls in das Gesamtkonzept integrieren.

Fragen tauchten auf zum Finanzierungsbedarf, zum Zeitplan und immer wieder zum religiösen Hintergrund der Stiftungsräte, die aus ihrer christlichen Grundhaltung kein Geheimnis machten. «Aus dem Haus wird keine Kirche», versicherte Neukomm. Und auch wenn ein Austausch mit der Freikirche ICF stattfinde, werde keine Verschmelzung angestrebt.

Bei einigen bleibt Skepsis

Den Kommentaren auf Facebook ist zu entnehmen, dass die Aktivitäten der Stiftung kritisch verfolgt werden, dass da und dort ein mulmiges Gefühl bleibt. Wie aber beurteilen bekannte und engagierte Brugger Persönlichkeiten das Vorhaben der Stiftung? Wie sehen sie die Zukunft des «Roten Hauses»? Die az hat nachgefragt.

Konrad Zehnder «Die Vision der Stiftung ist aussergewöhnlich. Ich freue mich darüber und wünsche viel Erfolg», sagt Konrad Zehnder, Präsident des Quartiervereins Altstadt und Umgebung Brugg. Die Präsentation lasse einige Punkte offen, antwortet er auf die Frage, als wie realistisch er das Projekt einschätze. «Die Pläne sind sehr idealistisch. Um sie zu verwirklichen, braucht es ebenso idealistische Menschen mit Geld, das sie hier investieren.» Die künftige Nutzung stellt sich Zehnder «vielfältig und bunt» vor. «Ein Ort der Lebensfreude und Toleranz, wo sich Einheimische treffen und Touristen wohlfühlen.»
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Esther M. Meier Esther M. Meier, Kirchenpflegepräsidentin der Reformierten Kirchgemeinde Brugg, bezeichnet die Pläne als vernünftig, da gestaffelt vorgegangen werde. «Man spürt viel guten Willen und Bereitschaft zum persönlichen Einsatz.» Für Esther M. Meier sollte die Karte des Restaurants künftig – «idealerweise» – neben italienischen Spezialitäten auch einige Schweizer Gerichte umfassen. Das Hotel sollte ihrer Meinung nach für das breite Publikum zugänglich sein, der Saal – «wie in früheren Zeiten» – für Vereine, städtische Anlässe und Ähnliches. Konkret erwartet sie zuerst den Kauf, dann die Sanierung des Saals. «Zu hoffen ist, dass die Miete für Vereine trotz hohen Investitionen tatsächlich tragbar bleibt.»
Hugo Schmid Hugo Schmid, ehemaliger Zunftmeister der Konfettispalterzunft Brugg und als Selbstständiger tätig in seiner G & H Werbedruck AG, ist eher skeptisch, dass Geldgeber gefunden werden, die einige Millionen Franken in das «Rote Haus» stecken. Er sei seinerzeit als Zuschauer dabei gewesen an der Versteigerung der Liegenschaft im damaligen Gerichtsgebäude. «Damals hätte die Stadt Brugg das Haus erwerben sollen», steht für Schmid fest. Für ihn müsste das «Rote Haus» auch künftig so sein, wie es einmal war: «Offen für die ganze Bevölkerung.» Der Saal, der früher im Volksmund als «Stadtsaal» bezeichnet wurde, sollte nach Schmids Dafürhalten unbedingt wieder für Vereine, Firmen oder Privatpersonen zugänglich sein.
Titus J. Meier Das private Engagement sei begrüssens- und unterstützenswert, sagt Historiker Titus J. Meier. «Es ist heute nicht einfach, ein grosses Restaurant mit Saal kostendeckend zu betreiben.» Meier erwartet, dass das «Rote Haus» auch in Zukunft ein Treffpunkt sein wird, an dem sich die ganze Bevölkerung wohlfühlt und willkommen ist. «Die Pläne, wie ich sie aus den Berichten kenne, klingen erfolgsversprechend. Ob sich der Erfolg einstellen wird, hängt massgeblich von der Bevölkerung ab», stellt er fest. «Es wäre schön, wenn auch der Saal wieder öffentlich genutzt würde.» Man müsse aber realistisch bleiben, ergänzt Meier. «Einerseits gibt es heute Alternativen und andererseits hat sich das Bedürfnis auch verändert.»
Barbara Horlacher «Ich wünsche mir ein lebendiges und offenes ‹Rotes Haus›, wie es Trattoria und Gästezimmer heute bereits sind», sagt Einwohnerratspräsidentin Barbara Horlacher. «Schön wäre es, wenn künftig auch der Saal wieder von lokalen Vereinen genutzt werden könnte.» Ohne Erneuerung der in die Jahre gekommenen Infrastruktur werde sich das Haus längerfristig jedoch nicht betreiben lassen, führt Barbara Horlacher weiter aus. «Da die dafür benötigten Investitionen aufgrund wirtschaftlicher Überlegungen allein wohl kaum getätigt werden, sollten wir meiner Meinung nach den Plänen, die die Stiftung Rotes Haus für die Zukunft des für Brugg und die Region wichtigen Hauses präsentiert, offen begegnen.»
Dietrich Berger Für eine Liegenschaft an dieser Lage sei es immer am einfachsten, wenn sie in der Hand eines einzelnen Eigentümers sei, sagt Dietrich Berger, Präsident des Gewerbevereins Zentrum Brugg. So sei es wesentlich unkomplizierter, die Nutzung zu definieren sowie den Unterhalt effizient und effektiv zu regeln. «Als ehemaliger Tourismuspräsident wünsche ich mir natürlich viele Übernachtungsmöglichkeiten, als Gewerbevereinspräsident wünsche ich mir viele gutgehende Betriebe in der Stadt und als Privatperson wünsche ich mir eine Begegnungsstätte, wo man sich trifft», sagt Berger zur künftigen Nutzung. «All dies könnte das ‹Rote Haus› vereinigen. Es hat dazu einen sehr guten Standort und das nötige Potenzial.»
Ernst Rothenbach Ernst Rothenbach, früherer Präsident des Gewerbevereins Zentrum Brugg und heutiger Herausgeber, Verleger und Redaktor der Zeitung Regional, spricht von Absichtserklärungen «einer bewundernswert aktiven Gruppe, die ihre Motivation aus dem Glauben schöpft, aber doch auch Wirtschaftlichkeit im Auge behalten möchte». Realistisch aber wäre, fährt er fort, die Investitionen aufzulisten – Kaufpreis, dringende Renovationen –, das Kapital zu beschaffen und dann in Verhandlungen zu treten. Aber so lange kein Preis bekannt sei und sich auch beim jetzigen Eigentümer über eine Bereitschaft zum Verkaufen nichts abzeichne, sei das alles leider Wunschdenken, steht für Rothenbach fest.

Konrad Zehnder «Die Vision der Stiftung ist aussergewöhnlich. Ich freue mich darüber und wünsche viel Erfolg», sagt Konrad Zehnder, Präsident des Quartiervereins Altstadt und Umgebung Brugg. Die Präsentation lasse einige Punkte offen, antwortet er auf die Frage, als wie realistisch er das Projekt einschätze. «Die Pläne sind sehr idealistisch. Um sie zu verwirklichen, braucht es ebenso idealistische Menschen mit Geld, das sie hier investieren.» Die künftige Nutzung stellt sich Zehnder «vielfältig und bunt» vor. «Ein Ort der Lebensfreude und Toleranz, wo sich Einheimische treffen und Touristen wohlfühlen.»

Zur Verfügung gestellt

Das «Rote Haus» sei lange Zeit kantonsweit bekannt gewesen, sagt Historiker Titus J. Meier. Dank Vittorio Timpano, Pächter der italienischen Trattoria im Erdgeschoss, sei es wieder auf dem besten Weg, ein Treffpunkt zu werden. Für Hugo Schmid, ehemaliger Zunftmeister der Konfettispalterzunft Brugg, ist ebenfalls klar: «Vorbildlich ist die Führung des Restaurants.»

Angesprochen auf den Saal im ersten Stock sagt Dietrich Berger, Präsident des Gewerbevereins Zentrum Brugg, dass es zwar sicherlich einen Saal in dieser Grösse brauche. Abgesehen von der Nostalgie und den Erinnerungen ist für ihn aber der Campussaal von höherer Bedeutung. «Er verkörpert mit seiner Lage in der Mitte von Windisch und Brugg das Bekenntnis zum Zentrum viel besser als der Saal im «Roten Haus›.»

Ernst Rothenbach, früherer Präsident des Gewerbevereins Zentrum Brugg, ist überzeugt, dass Betriebe, Vereine und Private mit attraktiven Angeboten betreffend Miete und Kulinarik für eine Saalnutzung gewonnen werden können. Aber nur, wenn die Eigentumsverhältnisse beim Saal und verschiedenen Annexen, die noch im Besitz des jetzigen Halters sind, bereinigt werden können, lohne es sich überhaupt, aktiv zu werden, fasst Rothenbach zusammen.