Das altehrwürdige «Rote Haus» in Brugg soll zu einem vielfältig nutzbaren Haus der Begegnung für Menschen unterschiedlichster Herkunft werden. So lautet das Ziel der Stiftung Rotes Haus Brugg. Sie hat bereits einen grossen Teil der Liegenschaft erworben: Hotel, Restaurant, Bar und eine Wohnung.

Ihre Absicht ist es, schrittweise auch den Rest zu übernehmen und die Räumlichkeiten zu renovieren. Die Stiftung will, hält sie fest, in erster Linie Menschen dienen. Durch den Kauf des «Roten Hauses» entstehe ein Ort, wo verschiedene Dienste am Menschen wahrgenommen werden könnten.

Arbeitsplätze geboten

Ihren Auftrag gliedert die 2013 gegründete Stiftung in drei Bereiche: Einerseits stellt sie die Räume und Einrichtungen des Restaurants und Hotels gegen Miete zur Verfügung.

Zweitens bieten das Hotel und das Restaurant im Auftrag der Stiftung einige Arbeitsplätze für Menschen an, die keine Ausbildung geniessen oder abschliessen konnten. Geschaffen werden begleitete Praktikumsplätze, unter anderem im Bereich Hauswirtschaft, um die Menschen in den ersten Arbeitsmarkt integrieren zu können.

Drittens ist im «Roten Haus» die 2009 ins Leben gerufene Heilbar untergebracht. Ein Team von Mitarbeitern, so die Stiftung, widmet sich der ganzheitlichen Wiederherstellung von Menschen. Durch niederschwellige Angebote wie Beratung, Coaching, Seelsorge, Massage und Schulungen sollen sie aus schwierigen Situationen zurück zu Lebensfreude finden.

Fragen zum Glauben

Die Fragen rund um die Gottesbeziehung seien ein wichtiger Bestandteil dieser Tätigkeit, sagte Stiftungsrat Thomas Neukomm am Dienstag letzte Woche. An einem rege besuchten Informations-Apéro wurden die Pläne für das zentral gelegene Gebäude vorgestellt (die az berichtete). Der Anlass fand im Saal statt, den der derzeitige Besitzer an die Freikirche ICF vermietet hat. Die Stiftung möchte diesen Saal ebenfalls in das Gesamtkonzept integrieren.

Fragen tauchten auf zum Finanzierungsbedarf, zum Zeitplan und immer wieder zum religiösen Hintergrund der Stiftungsräte, die aus ihrer christlichen Grundhaltung kein Geheimnis machten. «Aus dem Haus wird keine Kirche», versicherte Neukomm. Und auch wenn ein Austausch mit der Freikirche ICF stattfinde, werde keine Verschmelzung angestrebt.

Bei einigen bleibt Skepsis

Den Kommentaren auf Facebook ist zu entnehmen, dass die Aktivitäten der Stiftung kritisch verfolgt werden, dass da und dort ein mulmiges Gefühl bleibt. Wie aber beurteilen bekannte und engagierte Brugger Persönlichkeiten das Vorhaben der Stiftung? Wie sehen sie die Zukunft des «Roten Hauses»? Die az hat nachgefragt.

Das «Rote Haus» sei lange Zeit kantonsweit bekannt gewesen, sagt Historiker Titus J. Meier. Dank Vittorio Timpano, Pächter der italienischen Trattoria im Erdgeschoss, sei es wieder auf dem besten Weg, ein Treffpunkt zu werden. Für Hugo Schmid, ehemaliger Zunftmeister der Konfettispalterzunft Brugg, ist ebenfalls klar: «Vorbildlich ist die Führung des Restaurants.»

Angesprochen auf den Saal im ersten Stock sagt Dietrich Berger, Präsident des Gewerbevereins Zentrum Brugg, dass es zwar sicherlich einen Saal in dieser Grösse brauche. Abgesehen von der Nostalgie und den Erinnerungen ist für ihn aber der Campussaal von höherer Bedeutung. «Er verkörpert mit seiner Lage in der Mitte von Windisch und Brugg das Bekenntnis zum Zentrum viel besser als der Saal im «Roten Haus›.»

Ernst Rothenbach, früherer Präsident des Gewerbevereins Zentrum Brugg, ist überzeugt, dass Betriebe, Vereine und Private mit attraktiven Angeboten betreffend Miete und Kulinarik für eine Saalnutzung gewonnen werden können. Aber nur, wenn die Eigentumsverhältnisse beim Saal und verschiedenen Annexen, die noch im Besitz des jetzigen Halters sind, bereinigt werden können, lohne es sich überhaupt, aktiv zu werden, fasst Rothenbach zusammen.