Dabei sein ist alles. Das gilt für die Olympischen Winterspiele – und erst recht für den Fasnachtsumzug. Während es in Pyeongchang – sobald einen der Ehrgeiz packt – auch schneller, höher, stärker sein darf, müsste es in Brugg heissen: bunter, ausgelassener, lauter.

Ganz so kalt und windig wie in Südkorea, wars gestern Sonntagnachmittag in hiesigen Gefilden zum Glück nicht, bewölkt zwar, aber trocken. Gehofft haben alle trotzdem auf einen Regen – keinen Medaillenregen wie bei Cologna, Feuz und Co., sondern auf einen veritablen Konfettiregen. Enttäuscht wurde niemand.

Die Highlights des Umzugs:

47 Gruppen sorgen am Fasnachtsumzug in Brugg für ausgelassene Stimmung

Und selbst wenn es richtig geregnet hätte: Die «Wunderkinder» der Brugger Kita Tatzelwurm wären vorbereitet gewesen mit ihren farbigen Regenschirmen, die sie wild drehten. Auf ihrem Wägelchen transportierten sie passend zum diesjährigen Fasnachtsmotto eine Wundertüte und verkündeten: «Mer sind Zuekunft vo Brugg».

Wo sie recht haben, haben sie recht. Apropos Wunder: Die starken Brummer der Brugger Wunder-Bienli machten als gelb-schwarz gestreifte «Wunderbienli us de Wundertüte» eine gute Falle. Die Guggenmusik Opus C Voll aus Riniken setzte in ihrem Jubiläumsjahr dagegen auf die Farbkombination blau-violett-gelb.

Doch der Reihe nach: Um 13.57 Uhr setzte sich der Tross in Bewegung, vorne vorweg – traditionsgemäss – die organisierenden und strahlenden Konfettispalter zusammen mit den Hexen und dicht gefolgt von der Värslischmitte. Das Olympische Feuer trugen sie zwar nicht bei sich, dafür die schwarz-weisse Fahne mit ihrem Logo. Sehnsüchtig wurden sie erwartet, Tausende Zuschauer säumten den Strassenrand. «Sie kommen, sie kommen!»

Fasnachtsumzug Brugg 2018

Fasnachtsumzug Brugg 2018

Besteht bei den Olympischen Spielen dann und wann der Verdacht, dass es nicht ganz mit rechten Dingen zu- und hergeht, kann beim Fasnachtsumzug definitiv Entwarnung gegeben werden. Doping nötig hatte weder die Brugger Kindergruppe Westquartier als «Wunder-Cup-Cake» samt entsprechender Kopfbedeckung – so richtig zum Reinbeissen! – noch die Windischer Kita Wasserschloss als Pippi Langstrumpf mit knallig orangen Zöpfen.

Illegale Mittel brauchten auch die Guggenmusiken keine. Sie rissen mit fetzigen Rhythmen den Hintersten und Letzten mit. Und sie boten ebenfalls einiges fürs Auge – wie die Bräusi-Vögel Gugge aus Spreitenbach als Hutmacher unter dem Titel «Alice im Wunderland».

Und wer vermisste schon das Olympische Maskottchen, wenn die 3-Generationen aus Brugg als langhalsige, sympathisch-knuddelige Drachen, als «Grüne Feuerspucker», teilnehmen?

Um doch auf das Motto schneller, höher, stärker zurückzukommen: In Sachen Höhe brauchten sich vor allem die Windischer Gruppen nicht zu verstecken mit ihren stattlichen Wagen.

Fasnachtsumzug Brugg 2018

Fasnachtsumzug Brugg 2018

Die gfürchigen «Gruftitüüfel» genauso wenig wie ihre Kollegen der NaBü, die als Panzerknacker die Stadt mit viel Rauch unsicher machten, oder die Amphi-Flitzer, die mit stilvollen Karnevalsmasken unter dem Titel «Carnevale di Venezia – 15 Johr» einfuhren.

Fest steht: Jede einzelne der insgesamt 47 Gruppen hätte es bei dem in über zwei Stunden Gebotenen spielend aufs Podest geschafft, nein: hätte eine Goldmedaille mehr als verdient. Auch diejenigen, die hier aus Platzgründen nicht erwähnt werden konnten. Ebenfalls erfreulich: Bei der Fasnacht dauerts zum Glück nicht wie bei den Olympischen Spielen vier Jahre bis zur nächsten Auflage.