Im zweiten Anlauf hat es geklappt: Am Freitagabend gab der Brugger Einwohnerrat grünes Licht für die Sanierung der Kantonsstrasse im Gesamtperimeter «Vorstadt und Baslerstich», indem er einen Kredit über 811'000 Franken bewilligte. Zur Erinnerung: Im letzten Juni hatte der Einwohnerrat die Vorlage mit einem Kredit von 770'000 Franken zurückgewiesen. Hauptkritikpunkt war der vorgesehene Bodenbelag im Bereich der alten Aarebrücke mit einer Pflästerung, die für Gehbehinderte ungeeignet gewesen wäre.

Seither hat sich eine Fachgruppe und eine politische Begleitgruppe um einen besser geeigneten Bodenbelag bemüht. Die Stadt liess zur Veranschaulichung bei der Alten Aarebrücke die Musterpflästerung «Moderna» einbauen. Dieses rasche und gut überlegte Vorgehen des Stadtrats wurde von den Einwohnerräten sehr geschätzt. Peter Haudenschild (FDP) fügte an, dass auch die neue Pflästerung für die Selbsthilfeorganisation Procap nur bedingt geeignet sei. Markus Lang (GLP) entgegnete, dass er mit Procap-Vertretern gesprochen habe und diese nicht gegen die Variante «Moderna» seien. Der Antrag des Stadtrats wurde schliesslich mit 35:2 Stimmen angenommen.

Das Abwartshaus muss noch warten

Von den 50 Brugger Einwohnerräten waren an der Sitzung am Freitagabend 48 anwesend. Für die zurückgetretene Isabella Bertschi wurde neu Diana Hohl (SP) in die Pflicht genommen. Das Stadtparlament hiess ausserdem sämtliche Einbürgerungsanträge ohne Gegenstimmen gut.

Ebenfalls Ja sagten die Einwohnerräte zum Abschluss einer Leistungsvereinbarung mit dem Verein Familienzentrum Brugg für den Betrieb einer Koordinations- und Anlaufstelle «Familie und Integration» und einem dafür ab 2020 jährlich wiederkehrenden Kredit von aktuell 72'000 Franken. Zur Deckung des Betriebsbeitrags werden jährlich 45'000 Franken aus dem Fonds Sozialfürsorge entnommen. Beide Anträge wurden mit 39:8 Stimmen genehmigt. Die SVP war dagegen, weil die Integration primär über Vereine erfolge.

Viel zu reden gab der beantragte Projektierungskredit von 55'000 Franken für die Sanierung des Abwartshauses Stapfer. Von verschiedenen Seiten wurde kritisiert, dass das Abwartshäuschen nicht gleich mit dem Schulhaus Stapfer saniert wurde. So hätte man Synergien nutzen und Kosten sparen können, hielt Hanspeter Stalder (FDP) fest. Sandro Rossi (SVP) stellte einen Rückweisungsantrag, weil er die Projektierungskosten als viel zu hoch erachtete. «Diese Rückweisung gibt uns die Chance, dem Architekten eine klare Vorgabe zu machen», sagte Serge Läderach (FDP). Nach einer kurzen Beratungspause wurde das Geschäft mit 33:9 Stimmen zurück an den Absender geschickt.

Entwässerung wirft Fragen auf

Ebenfalls Anlass zur Diskussion gab die geplante Erneuerung der Blumenstrasse für 351'000 Franken sowie die damit verbundene Sanierung der Schmutzwasserleitung für 270'000 Franken. Auch soll die Fröhlichstrasse im Bereich des Gesundheitszentrums für 935'000 Franken erneuert sowie die entsprechende Schmutzwasserleitung für 398'000 Franken saniert werden.

Bei diesen Strassenprojekten wurde Kritik laut, weil der Stadtrat nach Ablehnung des Regenwasserbeckens nicht bereit sei, sich bei der Abwasserbewirtschaftung an der Wegleitung des Bundesamts für Umwelt «Gewässerschutz bei der Entwässerung von Verkehrswegen» zu orientieren. «Bei Entwässerungsprojekten ist die Wahl im Variantenvergleich fundiert zu begründen», sagte Martin Brügger (SP). Gegebenenfalls sei der generelle Entwässerungsplan anzupassen, um den langfristigen Umgang mit Regenwasser zu optimieren. Schliesslich hiessen die Einwohnerräte alle vier Anträge mit je 2 bis 4 Gegenstimmen gut.

Unter Namensnennung einzeln abgestimmt

Das Postulat von Alessandra Manzelli wird vom Stadtrat entgegengenommen. Die SP-Einwohnerrätin beantragt, dass die Mitglieder des Einwohnerrats auf eigenen Wunsch hin die Unterlagen der Ratssitzungen sowie die Protokolle nur noch in digitaler Form erhalten.

Bei der Motion von Markus Lang (GLP) betreffend Einrichtung einer Begegnungszone im Zentrum Brugg kam es nach langer Diskussion zu einer Abstimmung mit Namensnennung. Entgegen dem Willen des Stadtrats wurde der Vorstoss kurz vor Redaktionsschluss überwiesen.