Brugg

So hat das grösste fertiggestellte Verkehrsinfrastrukturprojekt die Stadt verändert

Seit 40 Jahren leitet eine gebogene Hohlkastenbrücke zusammen mit einem Tunnel den motorisierten Verkehr um die Brugger Altstadt. Im Oktober 1980 wurde das Projekt mit einem riesigen Tunnelfest eingeweiht.

Seien es die teilweise hitzigen Diskussionen um das Regionale Gesamtverkehrskonzept Ostaargau (Oase) mit einem Tunnel zwischen Brugg und Windisch unter der Aare hindurch oder der Bau der Südwestumfahrung Brugg: Der zunehmende Durchgangsverkehr und der damit verbundene drohende Verkehrskollaps halten die Bevölkerung des Prophetenstädtchen seit Jahren auf Trab.

Mittlere Umfahrung heisst das grösste fertiggestellte Verkehrsinfrastrukturprojekt des letzten halben Jahrhunderts in Brugg, das am Freitag, 31. Oktober 1980, mit einem riesigen Tunnelfest eingeweiht wurde.

Nach dem Autobahnbau bis Frick nahm der Verkehr zu

Zuvor schlängelte sich der Durchgangsverkehr vom Bözberg her über das Nadelöhr Alte Aarebrücke durch die Brugger Altstadt, vorbei an den Schaufenstern der Metzgerei Giedemann, der Uhren-Bijouterie Bill und von Leder Küng. Es roch nach Abgasen, die Fassaden der Häuser waren grau. Für die Fussgänger blieb auf den Trottoirs nicht viel Platz. Helme für Velofahrer gab es noch nicht. Der Verkehr auf der Hauptstrasse Richtung Zürich hatte nach dem Bau der Autobahn von Basel nach Frick im Jahr 1973 nochmals stark zugenommen.

Zusammen mit Windisch suchte Brugg nach einer Lösung des Verkehrsproblems, die beiden Gemeinden etwas bringt. Die Nachbargemeinde konnte allerdings nicht zustimmen. In Brugg erwog man eine mittlere Umfahrung oder – wie es in den Neujahrsblättern 1981 hiess – «eine halbbatzige durch die Schulthess-Allee». Einwohnerrat und Stimmbürger entschieden sich für die erste Variante.

Spatenstich für Umfahrung Anfang Juni

Die Ausbaustrecke war insgesamt 1330 Meter lang, davon entfielen 174 Meter auf die Brücke und 205 Meter auf den Tunnel. In knapp zwei Jahren war die Umfahrung fertig realisiert. Der damalige Baudirketor Jörg Ursprung lobte bei der Eröffnung das Zweigespann Kantonsingenieur Alfred Erne und Stadtammann Hans Peter Howald für seine zielbewusste Arbeit. Er dankte den Leuten, die ihr Land zur Verfügung gestellt hatten und wies darauf hin, dass andere aargauische Brückenstädte noch auf die Befreiung vom Durchgangsverkehr warteten.

Der Spatenstich für die Umfahrung Mellingen beispielsweise fand nach längerem Hin und Her Anfang Juni 2020 statt. Der Bau der 1,9 Kilometer langen Strasse dauert rund drei Jahre, bis zum Sommer 2023, und kostet 38 Mio. Franken.

«Ab uf d Hauptstross»

Zurück nach Brugg ins Jahr 1980: Nach dem Tunnelfest hatten die Spezialisten noch zwei Monate Zeit, die beiden Kreuzungen beim Neumarkt und Casino mit Lichtanlagen zu versehen sowie die 51 Induktionsschlaufen fertig einzubauen.

Spielend bewältigte die Mittlere Umfahrung nach deren Inbetriebnahme den Verkehr. Auf der Hauptstrasse in der Altstadt konnte wieder wie einst der Martinimarkt stattfinden und die Fasnächtler gaben schon das Motto für den März bekannt: «Ab uf d Hauptstross».

An die Gesamtkosten von fast 17 Mio. Franken für die Mittlere Umfahrung hatten der Kanton 34% und der Bund 35% zugesichert, sodass der Gemeinde noch 31% zu bezahlen blieben. Das Grossprojekt bedingte auch eine Neugestaltung des Bahnhofplatzes, die Fussgängern, Velofahrern sowie Postautopassagieren Vorteile bringen sollte. Der Brugger Einwohnerrats hatte den Ausbau im Juni 1980 bewilligt.

Die Altstadt bekam ein Parkhaus mit 180 Plätzen

Dann ging es Schlag auf Schlag weiter: Der nördliche Brückenkopf der Umfahrung und das Eisi erhielten eine neue Bepflanzung und Ende November 1980 bekam die Altstadt das Eisi-­Parkhaus für 180 Autos.

Bereits im Juli 1978 hatte der Einwohnerrat Brugg mit 25 Ja- zu 3 Nein-Stimmen bei 18 Enthaltungen dem Bau dieses Parkhauses zugestimmt. Der Volksabstimmung sah man damals mit einigem Bangen entgegen.

Mit der Verbannung des Verkehrs aus der Altstadt entstand der Quartierverein, der die Menschen untereinander verbinden wollte. Die Bevölkerung sollte ein neues Bewusstsein für ihr Quartier entwickeln. Die Umgestaltung der Hauptstrasse warf die Frage nach einem neuen Verkehrsregime auf, das auf das Gewerbe Rücksicht nimmt. So wurde per Oktober 2004 die Begegnungszone eingeführt.

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