Die Masche war immer etwa die gleiche: Maruschka (Name geändert) hat fremde, alleinstehende Männer angesprochen, mit ihnen deren Wohnungen aufgesucht und ihnen – in mehreren Fällen – namhafte Geldbeträge abgenommen. Gestern stand die gebürtige Slowakin vor dem Bezirksgericht Brugg. Zur Last gelegt wurden ihr mehrfacher Diebstahl sowie Veruntreuung, daneben Zechprellerei, mehrfacher rechtswidriger Aufenthalt und mehrfache rechtswidrige Einreise.

Die Staatsanwaltschaft sprach von einer beachtlichen kriminellen Energie, von einem verwerflichen Vorgehen mit dem Ziel, die einsamen, gutgläubigen Männer schamlos auszunutzen und sich zu bereichern. Das Verschulden wiege schwer. Die Beschuldigte habe die zahlreichen Delikte begangen in einer kurzen Zeitdauer.

Derzeit befindet sich Maruschka in Haft, in den Gerichtssaal wurde sie von zwei Polizisten begleitet. Die 48-Jährige trug ein dunkelblaues Oberteil, die braunen Haare hatte sie zusammengebunden. Es sei nicht einfach, eingesperrt zu sein, liess sie durch ihren Dolmetscher ausrichten auf die Frage von Gerichtspräsident Sandro Rossi nach ihrem Befinden. Es tue ihr von ganzem Herzen leid, was passiert sei und sie möchte sich entschuldigen. Sie wolle nicht im Gefängnis enden und abschliessen mit ihrer kriminellen Vergangenheit.

Das Leben war schwierig

Die Beschuldigte wuchs in der Slowakei nach eigenen Angaben mit vier Schwestern und vier Brüdern auf. Die Mutter starb, als Maruschka 15 Jahre alt war. Ihr Leben sei schwierig gewesen, die Schule habe sie nicht interessiert, sie könne nicht lesen und schreiben. Sie sei allein gewesen und habe begonnen zu stehlen. Ihre eigenen Kinder leben nach ihren Ausführungen heute in einem Heim.

«Ich kann mich nicht erinnern», lautete häufig ihre Antwort auf die Fragen nach ihren diversen Vorstrafen und Verurteilungen. Sie habe Fehler gemacht, räumte sie mit gestikulierenden Händen ein, habe jetzt aber gelernt sich zurechtzufinden, ohne zu stehlen. Nach dem Strafvollzug habe sie vor, sich eine Wohnung und eine Arbeit suchen, «normal zu leben». Sie wolle weder in die Schweiz zurückkehren noch brauche sie einen Mann oder einen Liebhaber. Schliesslich hätten diese sie ins Gefängnis gebracht.

Einer der Geschädigten war als Auskunftsperson anwesend vor dem Gesamtgericht. Pierre (Name geändert) wohnt in Basel, arbeitete früher im Sicherheitsdienst, heute bezieht er eine schöne Rente. Der behäbige 66-Jährige schilderte, wie er am vergangenen ersten Weihnachtstag einen Kaffee trank und rauchte auf seiner Terrasse und Maruschka auf ihn zukam. Er sei alleine gewesen, habe sie hineingebeten. Es habe eine gute Atmosphäre geherrscht und er habe sich in sie verliebt.

Pierre ist mit Maruschka mehrmals ins Einkaufszentrum gefahren, hat ihr Kleider und Kosmetikartikel gekauft. Sie habe ihn immer wieder auch um Geld gebeten. Dieses gab er ihr – freiwillig, wie er hervorhob. Auch wenn er manchmal den Eindruck gehabt habe, dass etwas nicht stimmte: Er sei machtlos gewesen, voller Emotionen, habe sich nicht wehren können. Sie habe ihm versichert, dass sie ihm das Geld zurückgeben werde.

Im März dieses Jahres hob Pierre 16 000 Franken von seinem Bankkonto ab. Der Betrag wollte er seinem Sohn aushändigen, damit sich dieser für sein Restaurant eine Leinwand anschaffen konnte für ein Public Viewing während der Fussball-Weltmeisterschaft. Pierre legte das Geld in einem Couvert in eine Schublade. Maruschka entwendete dieses und verschwand. Das war zuviel für Pierre. «Ich habe ihr so viel gegeben und dennoch bestiehlt sie mich.» Er zeigte Maruschka an. Trotzdem: Er habe immer noch Gefühle für die Beschuldigte, betonte Pierre. Zum Geburtstag brachte er ihr eine prall gefüllte Tragtasche mit Geschenken mit in den Gerichtssaal.

Brugger Senior bestohlen

Mitte März dieses Jahres wurde Maruschka verhaftet. Vor ihrer Beziehung mit Pierre hatte sie bei einem Senior in Brugg logiert und diesen um mehrere Tausend Franken erleichtert. Geld, das für Einkäufe vorgesehen war. Ebenfalls entwendete sie zwei goldene Halsketten. Auch in Olten und Frenkendorf sprach sie Männer an, begleitete diese nach Restaurantbesuchen nach Hause, durchsuchte deren Wohnungen. In einem Fall gab die Beschuldigte den Diebstahl zu.

Wahr sei, hielt sie weiter fest, dass sie in einem Hotel in Rheinfelden übernachtete, ohne die Rechnung zu begleichen. «Ich hatte kein Geld», sagte sie. «Aber mir war kalt. Was hätte ich machen sollen?» Dass sie das Einreiseverbot missachtete, stimme ebenfalls. Sie habe allerdings gedacht, dass es kein Problem sei sich in der Schweiz aufzuhalten, wenn sie keinen Diebstahl begehe.

Während die Staatsanwaltschaft die Aussagen der Beschuldigten als nicht glaubwürdig und lebensfremd bezeichnete, wies die Verteidigerin auf deren kognitiven Einschränkungen hin. Das Gesamtgericht ging indes nicht von einer verminderten Schuldfähigkeit aus und verurteilte die Beschuldigte – in einem Mehrheitsentscheid – zu einer Freiheitsstrafe von 23 Monaten, einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 30 Franken. Zudem wird sie für 15 Jahre des Landes verwiesen. Die beschlagnahmten Vermögenswerte werden eingezogen zur Kostendeckung – vor allem der Verfahrenskosten. Pierre erhält seine 16 000 Franken zurück.