Windisch/Hoch-Ybrig
Skischule auf vier Rädern

Eine Woche Ski- und Snowboardspass mit Unterkunft zu Hause: Der Skibus machts möglich.

Lukas Scherrer
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Tolle Tage im Schnee: Ski- und Snowboardlehrerin Muna (hinten, Zweite von rechts) mit ihrer Snowboardgruppe im Hoch-Ybrig.

Tolle Tage im Schnee: Ski- und Snowboardlehrerin Muna (hinten, Zweite von rechts) mit ihrer Snowboardgruppe im Hoch-Ybrig.

Lukas Scherrer

Einsam parkt ein Reisebus vor der Turnhalle Chapf in Windisch und wartet auf Passagiere. «Wintersportkurs Hoch-Ybrig» steht auf dem Schild hinter der Windschutzscheibe. Im Minutentakt biegen Autos auf den Parkplatz ein und spucken Kinder aus. Dick eingepackt in Winterklamotten tippeln sie in ihren Skischuhen auf die Snowboardlehrerin Muna zu, die diese Woche Aufsicht im Bus hat. Herzlich begrüsst sie die Kinder, hakt deren Namen auf ihrer Liste ab und lässt sie einsteigen.

Organisiert hat der Skibus die Katholische Frauengemeinschaft Windisch. In Zusammenarbeit mit der Ski- und Snowboardschule Oberiberg bringt der christliche Verein jährlich während der ersten Sportferienwoche Kinder bis 15 Jahre in den Hoch-Ybrig, wo sie unter der Leitung ausgebildeter Skilehrer erlebnisreiche Tage verbringen und abends wieder zu den Eltern zurückkehren.

Mit vier Stopps in den Hoch-Ybrig

Kurz vor der Abfahrt wird es hektisch. Anouk Tobler von der Katholischen Frauengemeinschaft, welche die Skiwoche schon viele Jahre mitorganisiert, erhält einen Anruf von einer Mutter. Ein Skihelm ist vergessen gegangen. Solche Szenarien kennt Tobler zur Genüge, fährt ihr eigener Sohn doch schon zum wiederholten Mal im Skibus mit. Rasch handelt sie mit der Mutter eine Lösung aus und beruhigt den jungen Passagier: «Deine Mami bringt den Helm zum nächsten Einstiegsort.» Glücklicherweise fährt der Skibus nämlich nicht direkt in die Innerschweiz, sondern hält an vier weiteren Standorten: in Lupfig, Würenlos, Birmensdorf und Thalwil.

«Guten Morgen zusammen», meldet sich Muna über das Bordmikrofon und ermahnt die Kinder, sich anzuschnallen und ihre Jacken auszuziehen. «Wir sind noch eine ganze Weile unterwegs.» Die 21-jährige Ski- und Snowboardlehrerin lebt in Basel, wie ihr Dialekt unschwer verrät. Um die Kinder im Skibus zu betreuen, übernachtet sie diese Woche bei einer Tante in Windisch.

Mit jedem Stopp füllen sich die Sitzreihen im Bus mehr und die Lautstärke nimmt zu. Manche Kinder trotzen dem Lärm mit Kopfhörern und lesen, andere spielen mit ihren Gamekonsolen, unterhalten sich oder schauen verträumt zum Fenster hinaus. Es dauert nicht lange, bis sich ein Mädchen aus dem hinteren Teil des Busses meldet: «Muna, dürfen wir einen Film schauen?» Freundlich aber bestimmt entgegnet die Skilehrerin: «Filme schauen wir erst auf der Rückfahrt.» Dann seien die Kinder vom Skifahren sowieso ziemlich kaputt und könnten sich entspannen, erklärt sie mit einem Augenzwinkern.

Snowboarden lernen mit Spass

Bei der Talstation «Weglosen» angekommen, warten bereits drei weitere Reisebusse aus anderen Regionen der Schweiz auf dem Parkplatz. Ein gutes Dutzend Skilehrerinnen und Skilehrer braucht es, um die vielen Kinder den richtigen Gruppen zuzuteilen, ehe es mit der grossen Gondel bergwärts geht.

Dieses Jahr ist Muna mit den fortgeschrittenen Snowboardfahrern unterwegs. Nach einem kurzweiligen Warm-up bei der Bergstation gleitet sie mit den Mädchen und Buben los und beginnt mit der ersten Übung, dem «Speedcheck» – einem Manöver, um schnell Geschwindigkeit zu drosseln. Konzentriert versuchen die Kinder, die Aufgabe zu meistern. Bei einigen klappt es noch nicht recht, doch Muna geht auf alle ihre Schüler ein und gibt ihnen wertvolle Tipps. Auch beim «Switch»-Fahren, also dem Snowboarden entgegen der bevorzugten Fussstellung, haben einige Schüler noch Mühe und sind froh um Munas Hilfe.

Zwischen den Übungen lässt die Snowboardlehrerin die Gruppe immer wieder Mal alleine ein Stück des Hangs zurücklegen. «Es bringt nichts, Übung an Übung zu reihen», erklärt die 21-Jährige und fügt an: «Es muss den Kindern Spass machen, sonst lernen sie nichts.» Kurz vor dem Mittagessen erreicht die Gruppe den Funpark, wo es gilt, über eine der grossen Boxen zu «sliden». Hier beweisen die Mädchen und Buben viel Mut und Balance und alle schaffen es, das Hindernis zu überwinden.

Nachdem am Morgen noch zeitweise die Sonne durch die dichte Wolkendecke brach, bläst am Nachmittag ein garstiger Wind. Doch Munas Gruppe übt wacker weiter und hat dabei viel Spass, ehe es gegen 15 Uhr wieder gen Tal geht. Aufgekratzt, wie die Schüler nach dem aufregenden Tag im Schnee sind, brauchen die Skilehrer nochmals Geduld, bis alle Kinder vollzählig auf ihren Plätzen sitzen. Doch kaum legt Muna den Film «Mr. Peabody» ein, wird es ruhiger im Bus und alle blicken entspannt auf die Bildschirme.