Vindonissa
Singvögel als Delikatesse: «Die Römer trieben es mit ihrem Luxusdenken auf die Spitze»

Kulturchef Thomas Pauli bringt den Teilnehmern einer ausgebuchten Archäologietour die spannendsten Entdeckungen im Römerlager Vindonissa näher.

Irene Hung-König
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Exklusive Archäologie-Tour im Römerlager Vindonissa
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Exklusive Archäologie-Tour
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Exklusive Archäologie-Tour im Römerlager Vindonissa

Irene Hung-König

Um 13.30 Uhr sind alle Teilnehmer des archäologischen Spaziergangs mit dem Aargauer Kulturchef Thomas Pauli im Vindonissa-Museum in Brugg um das Modell des Legionslagers versammelt. Pauli, während sieben Jahren Ausgrabungsleiter in Vindonissa, erklärt die Punkte, die später auf der Tour besucht werden. Jüngere und ältere Frauen und Männer sind unter den Gästen, genauso wie Schulkinder. «Woran erkennt man einen Archäologen?», fragt Pauli in die Runde. «Pinsel, Buckel, gute Schuhe. Ein wenig verstaubt.» Es wird gelacht und Pauli meint: «Ein dreckiges Zahnbürsteli würde auch passen.»

Puzzleteile fügen sich zusammen

In zwei Sätzen erklärt Pauli, worum es in der Archäologie auch geht: «Man trifft auf etwas und versteht es noch nicht. Wenn andere Puzzleteile dazukommen, versteht man es.» Seit 2004 könne er die Frage nach dem eigenen Superfund beantworten: Damals fand er einen 700 Gramm schweren Eisenkolben, einen Münzstempel für Gold- oder Silbermünzen.

Rund eine Stunde verbringt Pauli mit den Gästen im Vindonissa-Museum, ehe es auf den Rundgang geht, zunächst Richtung Aare zur Mülimatt. Dort zeigt er Bilder des Schutthügels, wo die römischen Legionäre während 70 Jahren ihren Abfall deponierten. Für die Archäologen ist der Schutt- ein Schatzhügel, wo dank der Bodenbeschaffenheit unzählige Dinge gefunden wurden. Pauli zeigt Richtung Bahnlinie und so in Richtung Nordtor des Lagers. Weiter gehts nach Unterwindisch und dann steil hinauf zum Reuss-Känzeli. Pauli erwähnt die Uferbefestigung an der Reuss unten, die 1997 anhand von Pfostenlöchern gefunden wurde.

Hinab in die Gourmetküche

Die Tour führt weiter auf den Friedhof, wo sich das begehbare Balneum, die Wellnessoase der Legionäre mit Umkleide, Kaltraum und Bassinbecken, befindet. Das Balneum ist Teil des Legionärspfads. Thomas Pauli lässt im abgedunkelten Gebäude das Hörspiel laufen, das Badmeister und Badsklave bei ihrer damaligen Arbeit beschreibt. «Durch die Töne soll das Kino im Kopf bei den Besuchern starten.»

Warum sind Sie an der Archäologietour dabei und was interessiert Sie besonders?

Bettina Schaefer, 49, Windisch «Ich bin hier, weil ich es spannend finde, inmitten eines solch geschichtlichen Gebiets zu wohnen. Ich wollte es mir nicht nehmen lassen, vom Chef persönlich das Ganze zeigen und erklären zu lassen. Ich finde es faszinierend, dass hier eine riesige, auch materielle Kultur war und dass dies einfach weg ist und man es nicht mehr sieht.»
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René Frick, 64, Brugg «Wir schätzen diese Umgebung rund um Königsfelden mit der Kirche sehr. Wir sind auch daran interessiert, was genau ausgegraben wird. Von der Führung haben wir aus der Zeitung erfahren und uns sofort angemeldet. Herrn Pauli kannte ich nicht persönlich, doch ich wollte wissen, welches seine Highlights sind.»
Daniela Di Nino, 45, Birr «Wir haben schon einmal eine solche Tour mitgemacht, es ist interessant zu wissen, was früher hier passiert ist. Da wir in der Nähe wohnen, ist dies noch wichtiger für uns. An der heutigen Tour erfahren wir das Ausmass des Lagers, da wir die einzelnen Punkte zu Fuss erkunden und sehen, wow, das ist ja eine riesige Fläche.»
Markus Bitterli, 70, Windisch «Ich bin pensionierter Architekt und es interessiert mich, was früher gebaut wurde. Und dies vor allem in meiner nächsten Umgebung, ich wohne in Unterwindisch. Herr Pauli hat eine gute Art, Wissen zu vermitteln. So kann ich Mosaikstein für Mosaikstein zusammensetzen und mit meinem Wissen ergänzen.»
Hermann Mischler, 69, Kirchleerau «Ich arbeite viel für die Kantonsarchäologie. In meiner Firma, die mein Sohn schon länger leitet, digitalisiere ich alte Pläne für die Datenbank der Kantonsarchäologie. Ansonsten gehen wir viel ins Museum, es ist ein Hobby.»

Bettina Schaefer, 49, Windisch «Ich bin hier, weil ich es spannend finde, inmitten eines solch geschichtlichen Gebiets zu wohnen. Ich wollte es mir nicht nehmen lassen, vom Chef persönlich das Ganze zeigen und erklären zu lassen. Ich finde es faszinierend, dass hier eine riesige, auch materielle Kultur war und dass dies einfach weg ist und man es nicht mehr sieht.»

Irene Hung-König

Gleich neben dem Dorfschulhaus befindet sich ein Teil eines römischen Offiziershauses mit römischer Küche. Am Eingang finden die Gäste einen Menüplan. «Die Römer trieben es mit ihrem Luxusdenken auf die Spitze», sagt Pauli. Gar Singvögel wurden als Delikatessen gereicht.

Ein Highlight der Tour ist die aktuelle Ausgrabung an der Dorfstrasse 24, wo Teile einer Basilica gefunden wurden. Thomas Pauli betritt das Tribunal, von wo aus der Legionskommandant seine Ansprachen hielt. An diesem zentralen Versammlungsort wurde auch Gericht gehalten.

Fast zum Schluss gehts noch einmal in den Untergrund: Über eine schmale Treppe durchläuft man die Latrine mit dem klingenden Namen «Cloaca maxima», den Abwasserkanal des Lagers. «Ihr müsst euch vorstellen, wenn 6000 Legionäre morgens aufs WC müssen», sagt Thomas Pauli. Den Abschluss bildet der Besuch der Klosterkirche Königsfelden, etwas Römischem auf den zweiten Blick, wie er sagt: «Wir stehen hier im Mittelschiff einer Basilica.»

Die Tour wird am Samstag, 19. Mai, 13.30 bis 16.30 Uhr, nochmals durchgeführt; Anmeldung: museumaargau@ag.ch oder 062 887 12 09

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