Brugg
Sigrist Hardi Blumer: «Die Brugger Stadtkirche ist mein Tonstudio»

Der Sigrist sagt, was ihn an jungen Musikern begeistert und warum er auch Abdankungen aufzeichnet. Seit 1993 hat er die Entwicklung einiger talentieter Musikschüler miterlebt. Mit dem Umiker Geiger Sebastian Bohren verbinden ihn spezielle Erlebnisse.

Claudia Meier
Merken
Drucken
Teilen
Sigrist Hardi Blumer vor seiner Haustür, an der auch schon der junge Geiger Sebastian Bohren klingelte, weil er ein Konzert in der Stadtkirche organisieren wollte.

Sigrist Hardi Blumer vor seiner Haustür, an der auch schon der junge Geiger Sebastian Bohren klingelte, weil er ein Konzert in der Stadtkirche organisieren wollte.

Claudia Meier

Hardi Blumer ist kein gewöhnlicher Sigrist. Er steht in der denkmalgeschützten Brugger Stadtkirche und zeigt nach oben: «Einige Mikrofone hier – wie dieses an der Decke – gehören mir privat. Ich habe sie im Internet ersteigert.» Wenn es um die Akustik geht, kommt Blumer ins Schwärmen: «Die Kirche hat keinen Chorbogen. Länge, Breite und Höhe stehen somit in einem optimalen Verhältnis zueinander.» Es gebe im Kanton Aargau kaum eine andere Kirche mit einer besseren Akustik. Das hätten auch die Musiker gemerkt.

Der ehemalige Kader-Mitarbeiter in der Industrie wirkt seit 1993 als Sigrist der Reformierten Kirchgemeinde Brugg. Seine Gattin Sieglinde arbeitet auf dem Sekretariat. «Wir haben strikte Gewaltentrennung. Meine Frau kümmert sich um die Termine und ich mich um die Räumlichkeiten der Konzertkirche», so Blumer weiter.

Junger Geiger klingelt an Tür

Macht man eine Vollkostenrechnung, würde die Miete der Stadtkirche für ein Konzert zwischen 2500 und 3000 Franken kosten. Blumer weiss, dass sich das längst nicht alle Musiker leisten können. Er erinnert sich an Sebastian Bohren. Elf Jahre ist es her, dass der Sigrist Tonaufnahmen des jungen Geigers aus Umiken während der Abschlussfeier der Bezirksschule Brugg in der Stadtkirche machte. «Da muss Sebastian Bohren Blut geleckt haben», sagt Blumer und lacht.

Kurze Zeit später klingelte der junge Bohren an der Haustür der Familie Blumer und erkundigte sich, was er machen müsse, um in der Stadtkirche auftreten zu können. Hardi Blumer war fasziniert und ahnte, dass sich Sebastian Bohren die Miete für die Stadtkirche nicht leisten konnte. Als Kompromiss trat der Solo-Geiger am Heiligen Abend während des Gottesdiensts auf. Mittlerweile hat Bohren schon mehrmals erfolgreich bei Blumers angefragt und unzählige Musikliebhaber für die unterschiedlichsten Konzerte in die Stadtkirche gelockt. Der Eintritt ist in der Regel frei. Es gibt eine Kollekte. So ist es auch im Rahmen der Abendmusik am 11. Oktober und am Stretta Concert am 26. Oktober vorgesehen.

«Wer mit Musik Karriere machen will, braucht nicht nur viel Talent, sondern muss sich auch gut verkaufen können», sagt Hardi Blumer. Sebastian Bohren decke beides ab. «Zudem hat er Charme.»

Tonaufnahmen von Abdankungen

Der 60-Jährige hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten viel Know-how in Sachen Musik angeeignet und versteht sich als Schnittstelle zwischen Musik und Technik: «Die Stadtkirche ist mein Tonstudio. Ich bin der Kirchgemeinde dankbar, dass sie sich ein modernes Studiopult geleistet hat.» Blumer macht nicht nur Tonaufnahmen von Konzerten, sondern produziert – dank einem Kopierroboter – auch CDs in kleineren Auflagen. Die Konzerte gehören natürlich nicht zu seinen Kernaufgaben.

Blumer spricht in diesem Zusammenhang von «dienstlichem Geniessen» und betont: «Brugg mag geografisch gesehen ein Provinznest sein, musikalisch ist die Stadt aber einfach nur grossartig. Auch unsere Musikschule bringt immer wieder ausgezeichnete Talente hervor.» Auf Wunsch macht der Sigrist sogar Tonaufnahmen von Abdankungen. «Das kann bei der Trauerarbeit helfen und wird geschätzt, wenn Verwandte im Ausland leben und für die Abdankung nicht extra nach Brugg kommen können.»

Stretta Concerts in der Stadtkirche mit Sebastian Bohren: 11. Oktober, 20 Uhr, Abendmusik und 26. Oktober, 17 Uhr, Chaarts.