Windisch
Sieben Unfälle seit Anfang Jahr: Wie sicher ist die Hauserstrasse?

In Windisch scheinen sich die Unfälle auf den Fussgängerstreifen zu häufen – eine Suche nach den Gründen.

Michael Hunziker
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Bei vier Fussgängerstreifen auf der Hauserstrasse haben sich seit Anfang Jahr vier Unfälle mit Fussgängern ereignet.

Bei vier Fussgängerstreifen auf der Hauserstrasse haben sich seit Anfang Jahr vier Unfälle mit Fussgängern ereignet.

MHU

Bei den Fussgängerstreifen auf der Hauserstrasse in Windisch haben sich in kurzer Zeit mehrere Verkehrsunfälle ereignet – der tragischste vergangene Woche, bei dem ein Senior ums Leben kam. Ein AZ-Leser spricht von einer misslungenen Verkehrsführung, von einer Fehlplanung des Kantons. Die – teure – Gestaltung des Strassenraums sei nicht zweckmässig, an der Sicherheit für die Fussgänger sei gespart worden. Nach seinem Dafürhalten fehlen Ampeln sowie für die Autos eine Abbiegespur beim «Harmonie»-Kreisel in Richtung Birrfeld.

Gibt es eine Erklärung für die Häufung von Unfällen? Laut Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau, waren in Windisch seit Anfang Jahr insgesamt sieben Kollisionen zwischen Fahrzeugen und Fussgängern zu verzeichnen. Vier davon ereigneten sich bei vier Fussgängerstreifen auf der Hauserstrasse. An sechs Unfällen waren Autos beteiligt, beim jüngsten, tödlichen Unfall ein Lastwagen.

Diese scheinbare Häufung lasse sich allerdings nicht schlüssig erklären, stellt Graser fest, zumal jeder dieser Unfälle andere Umstände aufweise. Ein Rückschluss auf die Signalisation oder die Strassenführung erscheint ihm als nicht naheliegend. Was sich auf die Wahrscheinlichkeit von Unfällen aber sicher auswirke, fügt Graser an, sei das grosse Verkehrsaufkommen.

Polizei empfiehlt: Erst loslaufen, wenn Augenkontakt zu den Fahrzeuglenkern besteht

Auch wenn dem wartenden Fussgänger das Vortrittsrecht zustehe am Fussgängerstreifen, bedeute das nicht, dass der Fahrzeuglenker den Fussgänger auch
sehe, sagt Bernhard Graser, Mediensprecher der Aargauer Kantonspolizei. «So raten wir, erst loszulaufen, wenn Augenkontakt zu den Fahrzeuglenkern besteht.» Also genau so, wie es die Kleinsten lernen: «Warte, luege,
lose, laufe.» Ganz entscheidend ist laut Graser der Augenkontakt bei Lastwagen – wegen der vielen toten Winkel. Welche Massnahmen kann die Polizei treffen, damit Unfälle vermieden werden können?

Die Erhöhung der Sicherheit bei Fussgängerstreifen, sagt Graser, rufe in erster Linie nach baulichen Massnahmen. Was die Polizei betreffe, könne sie heikle Stellen überwachen und Verkehrsdelikte ahnden. Flächendeckende und längerfristige Aktionen würden die begrenzten Ressourcen allerdings übermässig strapazieren – auch angesichts anderer wichtiger Präventionsmassnahmen im Bereich Verkehrssicherheit, Stichwort: Alkohol und Rasertum. Ganz vorne bei den polizeilichen Massnahmen kommt gemäss dem Kapo-Mediensprecher zweifellos der Schülerverkehrsunterricht, «den die Regionalpolizeien mit grossem Engagement ausüben».

Apropos: Könnte, wie bei den Schülern, auch ein Verkehrsunterricht für Senioren ein Thema werden? «Die Idee ist zweifellos gut», antwortet Graser. Dennoch gelte zu bedenken, dass – «bei aller Tragik der einzelnen Fälle» – ältere Fussgänger mehrheitlich vorsichtig unterwegs und sich der Gefahren des Strassenverkehrs durchaus bewusst seien. (mhu)

Grünstreifen hilft beim Queren

Der letzte Messwert aus dem Jahr 2011 zeigte ein durchschnittliches tägliches Verkehrsaufkommen von rund 18'000 Fahrzeugen auf der Hauserstrasse, sagt Kai Schnetzler, Sektionsleiter Verkehrssicherheit beim kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt. Er erinnert daran, dass die Gestaltung der Zürcher- und Hauserstrasse in Windisch in einem Betriebs- und Gestaltungskonzept (BGK) vor rund zehn Jahren zusammen mit der Gemeinde erarbeitet und in Etappen umgesetzt worden ist.

«Für diese Hauptverkehrsstrasse wurde eine siedlungsverträgliche Gestaltung unter Berücksichtigung der hohen Verkehrsströme gewählt», führt er aus. Die mittigen Grünstreifen, ergänzt er, ermöglichen eine klare Spurtrennung «bei Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit und gleichzeitiger optischer Einengung des Strassenraums» – was geschwindigkeitsreduzierend wirke. «Zudem nimmt der gewählte mittige Grünstreifen Abbiegespuren und Fussgängerschutzinseln bei Querungsstellen auf.»

Anders ausgedrückt: Für die Fussgänger seien die breiten Mittelinseln eine Erleichterung im etappenweisen Queren der Fahrbahnen. «Bisher sind uns weder aus der Bevölkerung noch von der Gemeinde negative Meldungen zur Gestaltung bekannt.»

Ein Lichtsignal ist kein Thema

Zur Frage nach fehlenden Ampeln verweist Schnetzler auf den Vortritt, den Fussgänger bei Fussgängerstreifen haben. «Ein Lichtsignal würde die Vortrittsverhältnisse zugunsten des motorisierten Verkehrs ändern. Diese Änderung ist jedoch nur nötig, wenn das Fussverkehrsaufkommen so gross ist, dass ein Verkehrsfluss des motorisierten Verkehrs zu stark beeinträchtigt würde. Das ist hier jedoch nicht der Fall.»

Zusätzliche Spuren für Autos waren im Zentrumsbereich gemäss Schnetzler aus gestalterischer Sicht kein Thema. Sowieso sei im Hinblick auf die geplante Realisierung verschiedener Verkehrsmanagement-Massnahmen in der Region ein Ausbau im Sinne der Siedlungsqualität nicht nötig. Nicht zuletzt könnte eine solche Leistungssteigerung am Kreisel «Harmonie» vom umliegenden Netz gar nicht aufgenommen werden, so Schnetzler.

Kurz: Bauliche Massnahmen seien im Moment keine vorgesehen, fasst Schnetzler zusammen. Aber: «Die Sektion Verkehrssicherheit der Abteilung Tiefbau analysiert jeweils Rückmeldungen der Kantonspolizei zu Unfallhergang und -ursache auf allfällige infrastrukturelle Mängel.» Bis anhin seien allerdings keine Meldungen zu Defiziten eingegangen.