Bei den Fussgängerstreifen auf der Hauserstrasse in Windisch haben sich in kurzer Zeit mehrere Verkehrsunfälle ereignet – der tragischste vergangene Woche, bei dem ein Senior ums Leben kam. Ein AZ-Leser spricht von einer misslungenen Verkehrsführung, von einer Fehlplanung des Kantons. Die – teure – Gestaltung des Strassenraums sei nicht zweckmässig, an der Sicherheit für die Fussgänger sei gespart worden. Nach seinem Dafürhalten fehlen Ampeln sowie für die Autos eine Abbiegespur beim «Harmonie»-Kreisel in Richtung Birrfeld.

Gibt es eine Erklärung für die Häufung von Unfällen? Laut Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau, waren in Windisch seit Anfang Jahr insgesamt sieben Kollisionen zwischen Fahrzeugen und Fussgängern zu verzeichnen. Vier davon ereigneten sich bei vier Fussgängerstreifen auf der Hauserstrasse. An sechs Unfällen waren Autos beteiligt, beim jüngsten, tödlichen Unfall ein Lastwagen.

Diese scheinbare Häufung lasse sich allerdings nicht schlüssig erklären, stellt Graser fest, zumal jeder dieser Unfälle andere Umstände aufweise. Ein Rückschluss auf die Signalisation oder die Strassenführung erscheint ihm als nicht naheliegend. Was sich auf die Wahrscheinlichkeit von Unfällen aber sicher auswirke, fügt Graser an, sei das grosse Verkehrsaufkommen.

Grünstreifen hilft beim Queren

Der letzte Messwert aus dem Jahr 2011 zeigte ein durchschnittliches tägliches Verkehrsaufkommen von rund 18'000 Fahrzeugen auf der Hauserstrasse, sagt Kai Schnetzler, Sektionsleiter Verkehrssicherheit beim kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt. Er erinnert daran, dass die Gestaltung der Zürcher- und Hauserstrasse in Windisch in einem Betriebs- und Gestaltungskonzept (BGK) vor rund zehn Jahren zusammen mit der Gemeinde erarbeitet und in Etappen umgesetzt worden ist.

«Für diese Hauptverkehrsstrasse wurde eine siedlungsverträgliche Gestaltung unter Berücksichtigung der hohen Verkehrsströme gewählt», führt er aus. Die mittigen Grünstreifen, ergänzt er, ermöglichen eine klare Spurtrennung «bei Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit und gleichzeitiger optischer Einengung des Strassenraums» – was geschwindigkeitsreduzierend wirke. «Zudem nimmt der gewählte mittige Grünstreifen Abbiegespuren und Fussgängerschutzinseln bei Querungsstellen auf.»

Anders ausgedrückt: Für die Fussgänger seien die breiten Mittelinseln eine Erleichterung im etappenweisen Queren der Fahrbahnen. «Bisher sind uns weder aus der Bevölkerung noch von der Gemeinde negative Meldungen zur Gestaltung bekannt.»

Ein Lichtsignal ist kein Thema

Zur Frage nach fehlenden Ampeln verweist Schnetzler auf den Vortritt, den Fussgänger bei Fussgängerstreifen haben. «Ein Lichtsignal würde die Vortrittsverhältnisse zugunsten des motorisierten Verkehrs ändern. Diese Änderung ist jedoch nur nötig, wenn das Fussverkehrsaufkommen so gross ist, dass ein Verkehrsfluss des motorisierten Verkehrs zu stark beeinträchtigt würde. Das ist hier jedoch nicht der Fall.»

Zusätzliche Spuren für Autos waren im Zentrumsbereich gemäss Schnetzler aus gestalterischer Sicht kein Thema. Sowieso sei im Hinblick auf die geplante Realisierung verschiedener Verkehrsmanagement-Massnahmen in der Region ein Ausbau im Sinne der Siedlungsqualität nicht nötig. Nicht zuletzt könnte eine solche Leistungssteigerung am Kreisel «Harmonie» vom umliegenden Netz gar nicht aufgenommen werden, so Schnetzler.

Kurz: Bauliche Massnahmen seien im Moment keine vorgesehen, fasst Schnetzler zusammen. Aber: «Die Sektion Verkehrssicherheit der Abteilung Tiefbau analysiert jeweils Rückmeldungen der Kantonspolizei zu Unfallhergang und -ursache auf allfällige infrastrukturelle Mängel.» Bis anhin seien allerdings keine Meldungen zu Defiziten eingegangen.