Seit Jahren hat Mariella Farré, den Eurovision Song Contest nicht mehr so richtig verfolgt. Sie, die bereits 1983 in München und 1985 in Göteborg für die Schweiz am europäischen Wettbewerb sang. Heute ist sie Sängerin, Tänzerin, Tanzlehrerin, Entertainerin und Choreografin.

Eurovision Song Contest - Schweizer Vorausscheidung 2010

Mariella Farré will für die Schweiz an den Eurovision Song Contest

Umso mehr war sie überrascht, als sie von Ralph Siegel angefragt wurde, die Schweiz am Eurovision Song Contest 2011 in Düsseldorf zu vertreten. Genau, von Ralph Siegel, dem deutschen Komponisten, der schon viele Lieder für den Song Contest komponiert hat und mittlerweile eine prägende Figur des europäischen Wettbewerbes ist. Sie konnte es zuerst nicht fassen: «In diesem Business bin ich doch schon ein Grosi», sagt die 48-Jährige. Nichtsdestotrotz, Ralph Siegel wollte sie.

Mit dem Votingsystem des Schweizer Fernsehens war Ralph Siegel jedoch nicht einverstanden und er zog sich aus dem Projekt zurück. Der spanische Texter José Santana ermutigte Farré, trotzdem weiterzumachen. Drei Lieder standen zur Auswahl. «Der Song ‹Should I› hat mich sofort überzeugt», schwärmt sie. Dann ging alles sehr schnell: In vier Tagen musste sie den Song lernen, am fünften Tag wurde er im Studio aufgenommen und nachher in Las Palmas abgemischt.

Eine traurige Liebesgeschichte

Sie ist überzeugt: «Ich sehe mich schon unter den zwölf Kandidaten, die an der schweizweiten Entscheidungsshow auftreten können.» Falls sie aus dieser Show als Siegerin herausgehen würde und die Schweiz in Düsseldorf vertreten könnte, weiss sie: «Beim Eurovision Song Contest ist viel Glück dabei, und der Wettbewerb ist politisch geprägt.»

Ihr Song beschreibt eine Liebesgeschichte ohne Happy End: Die Frau fühlt, dass ihr Partner zwar physisch bei ihr ist, aber seine Gefühle für sie weit weg sind. Sie weiss nicht, soll sie (should I) um ihn kämpfen? Kann sie? Will sie? Sie kämpft um ihre Beziehung, und am Schluss merkt sie: Ihr Partner will nicht mehr. Sie lässt ihn schweren Herzens gehen.

Auch Mariella Farré, die mit richtigem Namen Gabriella Ricamato-Filomeno heisst, ist eine Kämpferin. Sie setzt sich für ihre Anliegen ein. «Ich habe mich nie auf etwas eingelassen, wenn ich nicht voll dahinter stehen konnte», sagt sie. Doch: «Für mich ist die Familie das Wichtigste, nicht der Erfolg.» Seit 24 Jahren ist sie mit dem Musiker Pasquale Ricamato glücklich verheiratet und hat einen 20-jährigen Sohn, Remo. Zudem hat sie vor 21 Jahren die Tanzschule Danza in Brugg eröffnet, später kam die Tanzschule in Bremgarten hinzu. Mit dieser ist Farré jedoch vor zwei Jahren nach Wohlen gezügelt. Rund 160 Schüler unterrichtet sie zusammen mit sieben Tanzlehrern.

Organisation grossgeschrieben

Mariella Farré ist halb Schweizerin, halb Italienerin. «Die Schweiz ist meine Heimat, hier bin ich geboren, und hier habe ich mir mein Leben aufgebaut», sagt sie. Italien sei gut für die Ferien, leben wolle sie dort aber nicht, dazu seien die Italiener zu wenig organisiert. Denn bei Mariella Farré muss alles organisiert sein, sonst würden sich Tanzschule, Showacts, Gesang und Familie nicht unter einen Hut bringen lassen.

Nun hofft sie auf viele Stimmen, die ihr den Einzug in die Entscheidungsshow im Dezember sichern. Über ihren Auftritt hat sie sich bereits ein paar Gedanken gemacht: «Ich möchte keine Femme fatale sein, sondern ich möchte so sein, wie ich bin, dann sehen die Zuschauer mehr von meiner Persönlichkeit», sagt die Sängerin. «Ich habe nichts zu verlieren.»