Brugg

Sie will ihre Talente zum Beruf machen: «Für Victoria’s Secret zu laufen, könnte ich mir nicht vorstellen»

Die 19-jährige Lilith Föhn aus Brugg will nach Abschluss ihrer künstlerischen Ausbildung international als Model durchstarten.

Lilith Föhn ist vielseitig begabt. Seit ihrem dritten Lebensjahr tanzt sie Ballett und seit sie denken kann, zeichnet sie. Seit Sommer 2016 ist sie auch als Model tätig. Für die 19-Jährige war immer klar, dass sie kreativ tätig sein möchte.

Aufgewachsen ist Lilith Föhn in Brugg, wo sie heute noch an den Wochenenden lebt; unter der Woche wohnt sie in Neuchâtel, wo sie derzeit eine Ausbildung in visueller Kunst an der Académie De Meuron absolviert. Schon früh wurde Lilith klar, dass sie eine künstlerische Ausbildung abschliessen möchte. Nach der Primarschule wechselte sie in die Bezirksschule, «da ich gute Noten hatte.» Schon bald merkte Lilith aber, dass «ich nicht ins herkömmliche Schulsystem passe.» Dieses sei ihr als kreativer Mensch zu kopflastig gewesen. Nach 1 ½ Jahren Bez wechselte sie deswegen an die Rudolf-Steiner-Schule in Schafisheim. «In der Steinerschule zählt die Kreativität gleich viel wie die anderen Fächer, das hat mir gepasst», sagt sie.

Modeln oder zeichnen, Shootings oder Catwalk? Sechs Fragen an das Brugger Model Lilith Föhn

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Nach der Oberstufe wagte Lilith Föhn einen erneuten Versuch, im herkömmlichen Schulsystem Fuss zu fassen. «Ich habe drei Monate intensivst für die Aufnahmeprüfung an die FMS gebüffelt», so Lilith. Die Prüfung schaffte sie, gefallen hat es ihr an der Fachmittelschule aber nicht. «Ich merkte, ich passe da nicht rein.» Ihr Vater sei dann auf die Neuchâteler Privatschule Académie De Meuron aufmerksam geworden. Seit Sommer 2016 ist sie dort eingeschrieben, in einem halben Jahr wird sie fertig sein.

Ballett als Lebensschule

Zurück zu Lilith Föhns vielen Talenten. Ihre erste Passion, das Balletttanzen, ist ihr nach wie vor wichtig. Sie tanzte 15 Jahre lang an der Ballettschule Graf Weissbarth in Brugg und hat sich auch in Neuchâtel eine Tanzschule gesucht. Professionelle Balletttänzerin wollte sie aber nie werden. Das jahrelange Tanztraining komme ihr aber beim Modeln zu gute. «Ballett ist eine Lebensschule. Man lernt Disziplin und eine gerade Körperhaltung.» Alle zwei Jahre präsentierte die Brugger Ballettschule jeweils im Kurtheater in Baden eine aufwendige Aufführung. Das Auftreten gefiel Lilith Föhn schon da.

Auch das Zeichnen begleitet sie seit ihrer frühsten Kindheit. «Es war immer ein Teil von mir.» Bereits 2011 konnte sie im Hotel ihrer Gotte im französischen Jura ihre Bilder ausstellen, von denen einige prompt gekauft wurden. «Das verwundert mich noch heute.» Am liebsten zeichnet Lilith auf Papier, im Rahmen ihrer Ausbildung hat sie mittlerweile viele Techniken ausprobiert. Sie zeichnet gerne Motive im Comic- oder Mangastil. Auch deshalb ging mit der Reise nach Japan im vergangenen Frühling für Lilith ein lang gehegter Traum in Erfüllung.

Gereist ist Lilith Föhn schon als Kind. Jedes Jahr wurden die Verwandten in Guatemala besucht, wo ihre Mutter aufgewachsen ist. «Das Land ist wunderschön, aber ich habe nicht die Absicht, dort zu leben», sagt Lilith. Zu gefährlich und korrupt ist es in Guatemala. Dank ihren guatemaltekischen Wurzeln versteht sie Spanisch und durch ihre Ausbildung in Neuchâtel spricht sie fliessend Französisch.

Fürs Casting hohe Schuhe gekauft

Zum Modeln fand Lilith, im Gegensatz zu ihren anderen Talenten, erst später. «Als ich in der ersten Bez war, gewann Manuela Frey, die damals in die vierte Bez ging, den Elite Model Look», erzählt Lilith. So hörte sie erstmals von diesem Wettbewerb. 2016 schliesslich meldete sie sich ebenfalls für den Elite Model Look Contest an. «Ich kaufte mir für das öffentliche Casting meine ersten High Heels.» Zu ihrem Erstaunen hätte sie zwei Runden erfolgreich überstanden, ehe sie dann aber ausgeschieden sei. Trotzdem nahm sie die Agentur Option Model Agency anschliessend unter Vertrag.

Durch die Modelagentur erhielt Lilith alsbald Aufträge für Fotoshootings und Modeschauen. Als Highlight bezeichnet sie ihre allererste Modeschau an der Mode Suisse, wo aufstrebende Schweizer Designerinnen und Designer ihre Entwürfe und Kollektionen präsentieren. «Ich durfte gleich in sechs Outfits auf den Laufsteg, das war toll», so Lilith. Generell liebt sie Modeschauen mehr als Fotoshootings. «Auf dem Laufsteg bist du voller Adrenalin. Das geniesse ich.»

Im September lief Lilith für den Schweizer Designer Julian Zigerli, der hauptsächlich Männermode entwirft. Lilith präsentierte also Männerkleider. «Das gefällt mir, ich trage auch privat oft Männerklamotten.» Sie sehe sich selbst nicht als klassisch weibliches, sondern eher als androgynes Model. «Einmal für Victoria’s Secret zu laufen, könnte ich mir nicht vorstellen», sagt Lilith. Auch hungern will sie nicht. «Aber wenn mir der Modeljob wichtig ist, bin ich auch bereit, mich bewusst darauf vorzubereiten.»

Filmbusiness fasziniert sie

Nach Abschluss ihrer künstlerischen Ausbildung im kommenden Sommer will sie ihre Modelkarriere in Schwung bringen. «Die Zeit als Model ist limitiert», ist sich Lilith bewusst. Wenn alles klappt, möchte sie im Ausland modeln, eine Anfrage von einer Agentur aus London flatterte bereits herein.

Nach der Zeit im Modelbusiness möchte sie in einem kreativen Beruf tätig sein. «Vielleicht gehe ich zurück zum Zeichnen, aber wahrscheinlicher in die Filmwelt, da das Kino ebenfalls eine grosse Passion von mir ist. Ich habe an der Académie zwei Kurzfilme gemacht und eine Animation, die vom Westschweizer Fernsehen übernommen wurde.» Sicher scheint, dass die vielseitig begabte Lilith Föhn noch von sich reden machen wird.

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Autor

Larissa Hunziker

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