Auswanderer
Sie vermissen ihre Kinder und Freunde – ein ausgelassenes Fest feierten Jägers mit ihren Senioren in Thailand trotzdem

Vor zehn Jahren sind Hans-Jörg und Lanee Jäger von Veltheim nach Thailand ausgewandert. In ihrer Seniorenresidenz wird gefeiert und gebaut.

Claudia Meier
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Über eine von der Schule ausgeliehene Rutschbahn sind Hans-Jörg Jäger und seine Mitarbeiterinnen an der Silvesterparty in der Residenz ins neue Jahr gerutscht.

Über eine von der Schule ausgeliehene Rutschbahn sind Hans-Jörg Jäger und seine Mitarbeiterinnen an der Silvesterparty in der Residenz ins neue Jahr gerutscht.

Zur Verfügung gestellt

Mit Freude haben die Gäste und Angestellten in Lanee’s Seniorenresidenz im Nordosten Thailands an Silvester das alte Jahr verabschiedet. Symbolisch sind Hans-Jörg Jäger und sein Team auf einer von der Schule ausgeliehenen Rutschbahn ins neue Jahr gerutscht. Ein Riesenspass sei das gewesen, sagt Hans-Jörg Jäger. Die Bilder auf der entsprechenenden Facebook-Seite zeigen die Partyteilnehmer am Pool – und für die Zeit der Coronapandemie untypisch – ohne Masken oder Abstandhalten.

Zehn Jahre sind vergangen, seit Hans-Jörg Jäger und seine thailändische Ehefrau Lanee die Gemeinde Veltheim in Richtung Asien verlassen haben. In Lanee’s Heimatdorf Na Phaeng a Na Pho in der Provinz Buriram bauten sie eine Residenz für ­Senioren, Demenzbetroffene, Time-out- und Hotelgäste auf.

In der Provinz gibt es keine Corona-Infizierten mehr

Auf das Coronajahr zurückblickend sagt Jäger: «Wir haben Glück gehabt. Da wir nicht vom Tourismus abhängig sind, mussten wir nur Einbussen im Hotel hinnehmen.» Um sich vor dem Virus zu schützen, haben alle Gäste und Angestellten im März/April für sechs Wochen einen Lockdown vollzogen.

Niemand ging aus der Senioren­residenz raus. «Die Lebensmittelhändler belieferten uns und wir übernahmen die Waren nach strengen Vorschriften», so Jäger.

Erst im Juni durfte man die Provinz Buriram wieder verlassen. Die Grenzen zu Thailand sind immer noch dicht. Wer kommt, muss in Quarantäne.

Hans-Jörg Jäger hat sich erneut ein grosses Harley-Motorrad gekauft und ist viel unterwegs. Er habe 2020 angefangen, wieder mehr für sich zu schauen. Im eigenen Fitnessstudio trainiert er jeden Tag und hat schon 10 Kilo abgenommen.

Die Residenz brauche ihn nicht mehr so wie früher. «Die Angestellten sind seit Jahren bei uns. Es läuft fast alles so, wie wir wollen.» Gegenwärtig beschäftigt die Residenz 21 Angestellte und beherbergt zehn Dauergäste sowie sehr wenige Hotelgäste. Von den zehn Gästen stammen acht aus der Schweiz, einer aus Deutschland und einer aus Irland.

Mit den reisefähigen Gästen übernachteten Jägers zur Abwechslung mal im Hotel Hilton in Bangkok, was aufgrund der Coronakrise sehr günstig war. «Durch die strikten Vorschriften haben wir momentan in unserer Provinz keine Coronafälle», hält Jäger fest. Unklar ist jedoch, ob das Land nicht doch noch von einer zweiten Welle erfasst wird.

«In der Residenz tragen wir keine Masken»

Für die Seniorenresidenz gilt nach wie vor ein Schutzkonzept. Das heisst: Wer das Gelände betritt, wird zuerst desinfiziert und es werden Fieber sowie Sauerstoff gemessen und erfasst. «In der Residenz tragen wir keine Masken», sagt der Aargauer, was auch die ungezwungene Atmosphäre an der Silvesterparty erklärt. «Wenn wir aber rausgehen, tragen wir selbstverständlich Masken, auch unsere Angestellten müssen auf dem Weg zur Arbeit Masken tragen.»

Jetzt im Januar verbreitet sich das Virus in Thailand wieder und es herrschen erneut Reiseverbote. Im Februar soll hier mit den Impfungen angefangen werden. Jäger hofft, dass es dann besser wird. «Leider konnten wir seit April 2020 keine Besuche mehr empfangen, weder Familie noch Freunde, was uns am meisten zu schaffen macht.»

Jägers und die Gäste vermissen ihre Kinder und Freunde. Kontakte zu ihnen sind nur über die sozialen Medien möglich. Ein an Parkinson und Demenz erkrankter Gast habe seine Ehefrau seit über einem Jahr nicht mehr gesehen.

Der neue Wasserturm ist ein Stück Freiheit

Der Wasserturm wurde am 20. Dezember innerhalb von sechs Stunden aufgestellt.

Der Wasserturm wurde am 20. Dezember innerhalb von sechs Stunden aufgestellt.

Zur Verfügung gestellt

Wenige Tage vor Weihnachten wurde auf dem Areal der Seniorenresidenz ein rosa Wasserturm aufgestellt. Der 15 Meter hohe Turm soll mit Hilfe einer Solarpumpe mit 12000 Liter sauberem Wasser gespeist werden. Einerseits geht es ums Stromsparen, andererseits wollen Jägers etwas unabhängiger von der Gemeinde werden.

So können sie weggehen, ohne sich ständig sorgen zu müssen, dass bei einem Stromausfall zu Hause auch das Wasser wegbleibt, weil dann die Pumpen nicht laufen, wie das bisher der Fall war. «Das bringt uns wiederum mehr Freiheiten», sagt Hans-Jörg Jäger. Schliesslich will er mit seiner Harley ausfahren, weil er allenfalls erst 2022 wieder in die Schweiz reisen kann.