Es ist ein bisschen eine verkehrte Welt am Freitagabend im Campussaal: Der Brugger Stadtammann Daniel Moser überbringt ausgerechnet vor 220 Frauen und einem Dutzend Männer aus der ganzen Schweiz Grüsse von Gemeindeammann Heidi Ammon aus Windisch. Der Anlass: Das Swiss Women Network (Swonet) veranstaltet jedes Jahr einen Inspirations-, Bildungs- und Vernetzungs-Event für Frauen. Dieses Mal findet er nicht mehr in Aarau, sondern im Campussaal statt. «Ich bin sehr zufrieden und bekomme viele positive Feedbacks. Für nächstes Jahr haben wir bereits wieder gebucht», sagt Petra Rohner, Geschäftsführerin der Stiftung Swonet. Für den neuen Standort spreche auch die Nähe zur Fachhochschule Nordwestschweiz, verrät sie.

Frauen vernetzen sich am Swiss Women Network Day in Brugg

Frauen vernetzen sich am Swiss Women Network Day in Brugg

Unter dem Titel «Leuchttürme in der Wirtschaft – Wo finden wir sie heute?» findet am Mittag das Gipfeltreffen der Präsidentinnen der wichtigsten Schweizer Frauenorganisationen statt. Die verschiedenen Workshops sind anschliessend für alle interessierten Frauen offen. Dass den Frauen in der Arbeitswelt trotz Gleichstellungsgesetz noch heute oft ein rauer Wind entgegenbläst, machen am Abend sowohl die ETH-Professorin für Physik, Ursula Keller, in ihrem Referat sowie die Teilnehmenden der anschliessenden Podiumsdiskussion unter der Leitung von Stephan Klapproth deutlich.

Kopfnicker führen nicht zum Ziel

Die Spitzenforscherin in Sachen Lasertechnik, Ursula Keller, ist überzeugt, dass es den politischen Druck braucht, um beispielsweise den Anteil an Professorinnen an der ETH von heute 10 auf 30 Prozent zu erhöhen. Keller hat sich dazu mit anderen Professorinnen vernetzt: «Ich habe bis zur Pensionierung noch zehn Jahre Zeit, um strukturelle Veränderungen zum Wohl der Frauen an der ETH anzupacken. Das muss man machen, solange man im Berufsleben steht.»

Sie spricht von gemischten Teams und klaren Zieldefinitionen, die es braucht, um erfolgreich zu sein. Reine Männerrunden, in denen lauter Kopfnicker sitzen, seien ein Problem, sagt die Professorin, die während ihrem ganzen Studium keine weiblichen Vorbilder hatte und erst während eines Aufenthalts in den USA als Frau gezielt gefördert wurde.

Was es heisst, sich in einer Männerwelt Respekt zu verschaffen, weiss auch Esther Herzog – die erste Frau, die eine Infanterie-Offiziersschule besuchte. Einen anderen Weg wählte Sandra-Stella Triebl, die sich selbstständig machte. Sie ist Inhaberin und Gründerin des Verlags Swiss Ladies Drive GmbH. Auch Barbara Lukesch setzt sich als freie Journalistin und Autorin mit Genderthemen auseinander. Die Rede ist von wenig weiblichen Vorbildern in den Medien.

Verwaltungsräte sind gerne unter sich

Den Diskussionsteilnehmenden geht es nicht um die Verteufelung der Männer. Im Gegenteil: Kampftruppen-Offizier Herzog berichtet von Männern, die sie herausgefordert und auch gefördert haben. Wie man denn als Frau in einen Verwaltungsrat komme, will eine Zuhörerin wissen. «Das ist leider sehr schwierig, weil es sich dabei oft um männliche Cliquen handelt und die Ämter einander gegenseitig zugeschoben werden», erklärt Tobias Gerfin, CEO Kuhn Rikon, der eine Frau als Vorgesetzte hat.