Brugg/Veltheim
Sie setzen Algen auf Entzug, um daraus Biodiesel herzustellen

Die 19-jährigen Maturanden Jamina Häseli und Marc Salm haben das Wachstum von Algen untersucht und dürfen nun ihre Resultate am 49. Nationalen Wettbewerb von «Schweizer Jugend forscht» vorstellen.

Janine Müller
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Marc Salm aus Veltheim und Jamina Häseli aus Brugg präsentieren in Davos ihre Maturaarbeit.

Marc Salm aus Veltheim und Jamina Häseli aus Brugg präsentieren in Davos ihre Maturaarbeit.

Zur Verfügung gestellt

Noch zwei Wochen. Dann beginnt für Jamina Häseli aus Brugg und Marc Salm aus Veltheim der Prüfungsstress. Sie legen die Matura an der Alten Kantonsschule Aarau ab.
Doch bereits zuvor dürfen sie sich feiern lassen. Denn mit ihrer Maturaarbeit haben sie erstens eine gute Note eingeheimst. Und zweitens haben sie sich mit ihrem Projekt einen Platz unter den besten Schweizer Jugend-Forschern ergattert.

Der Titel ihrer Maturaarbeit: «Algen auf Entzug – der Einfluss von Stickstoff auf die Chlorella vulgaris». Was kompliziert klingt, könnte in Zukunft wichtig sein. Es ist bekannt, dass beim Verbrennungsprozess fossiler Kraftstoffe ein gewichtiger Anteil der heutigen CO2-Emission freigesetzt wird. Biodiesel aus erneuerbaren Energiequellen könnte da Abhilfe schaffen und die Emissionen verringern.

Hier kommen die Algen ins Spiel. Denn es ist möglich, aus Algen Biodiesel zu gewinnen. Algen stehen nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion, halten die Kantonsschüler in ihrem Fazit fest. Der Punkt: Der Ölgehalt der C. vulgaris – das ist die untersuchte Alge – könne durch Stickstoffmangel erhöht werden und damit auch die Ausbeute an Biodiesel.

Privat Biodiesel herstellen

Um herauszufinden, wie der Zusammenhang zwischen dem Stickstoffentzug und dem Wachstum der Algen ist, haben Jamina und Marc mit dem Züchten von Algen in einem Aquarium begonnen. Während die erste Kultivierungsphase bereits nach kurzer Zeit abgebrochen werden musste, weil die Algen abstarben, klappte es dann mit der zweiten, obwohl der Zeitdruck bereits gross war. Das Fazit: «Mit dieser Arbeit wurde gezeigt, dass die C. vulgaris mit einfachen Mitteln erfolgreich kultiviert werden kann.

Es wurde ein Grundstein gelegt, welcher es vielleicht schon in naher Zukunft ermöglicht, privat in kleinen Mengen Biodiesel herzustellen.» Man könnte die Arbeit weiterführen, indem man den Einfluss des Stickstoffs auf den Ölgehalt analysiert oder bestimmen würde, wann der optimale Zeitpunkt für den Beginn des Stickstoffentzugs ist. «Dies könnte einen wesentlichen Beitrag zur Effizienzsteigerung der Biodieselproduktion aus Algen leisten und die Attraktivität der Algen steigern.»

Jamina und Marc, die beide das Schwerpunktfach Bio & Chemie belegen, wollten die Biologie aus einem anderen Blickwinkel kennenlernen. «Es ist toll, dass wir mal selber Resultate generieren konnten», sagt Jamina, die das Ergänzungsfach Informatik belegt. «Wir mussten während der Kultivierungsphase ständig selber überlegen und Lösungen für auftauchende Probleme finden», ergänzt Marc. Das habe sie beide fasziniert. Und natürlich beschäftigt beide auch die Umweltproblematik.

Doch mit Öl aus Algen Biodiesel für die ganze Welt herzustellen, sei zurzeit noch ein Traum. Die Forschung stecke noch in den Kinderschuhen. «Wir wissen, dass wir mit unserer Maturaarbeit die Welt nicht verändern können. Aber vielleicht ist es ein kleiner Schritt in diese Richtung», meint Jamina. «Wir müssen realistisch bleiben», findet auch Marc, der kürzlich an der Schweizer Biologie-Olympiade den 11. Rang erreicht hat. Und nun, bevor sie die grossen Prüfungen an der Kanti antreten, dürfen sie die ersten Lorbeeren für ihre Arbeit einheimsen.

Forschen auch in der Zukunft

Mit ihrem Projekt über die Algen haben es die beiden an den 49. Nationalen Wettbewerb von «Schweizer Jugend forscht» nach Davos geschafft. Im Bereich Biologie & Umwelt dürfen sie ihre Arbeit einem Expertenteam vorstellen. Wie weit nach vorne es reicht, mögen und können sie nicht einschätzen.

25 Projekte werden ausgezeichnet

Swiss Brain Power – unter diesem Motto fiebern die besten Schweizer Nachwuchswissenschaftler dem 49. Nationalen Wettbewerb von «Schweizer Jugend forscht» entgegen. Dieser findet vom 1.bis 2. Mai 2015 an der Schweizerischen Alpinen Mittelschule Davos (SAMD) in Davos statt. Überraschende Fragen werden mit kreativen Eigenentwicklungen beantwortet.

Für den 49. Nationalen Wettbewerb von «Schweizer Jugend forscht» haben sich insgesamt 110 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Schweiz mit insgesamt 85 Forschungsprojekten qualifiziert. Die Finalisten beweisen, dass die Schweiz in vielen verschiedenen Bereichen – von Naturwissenschaften und Technik bis hin zu Gestaltung, Architektur und Kultur – über eine grosse Zahl an vielversprechenden jungen Talenten verfügt.

Die innovativsten Arbeiten werden mit 25 Sonderpreisen ausgezeichnet. (az)

Gemeinsam sind Jamina und Marc bereits am Donnerstag nach Davos gereist. Heute Samstag werden sie an der Prämierungsfeier erfahren, wie ihre Arbeit bei den Experten angekommen ist. Doch egal, wie das Resultat ausfällt: Jamina und Marc werden die Zeit in Davos in guter Erinnerung behalten. Es sei immer toll, wenn man interessierte Gleichaltrige treffe und sich austauschen könne.

Klar ist bereits jetzt, dass die Biologie oder die Forschung einen grösseren Bestandteil ihrer Zukunft einnehmen wird. Marc überlegt sich ein Biologie- oder Medizinstudium. Und Jamina wird sich in der Männerwelt behaupten: Sie hat sich für das Maschinenbau-Studium an der ETH Zürich entschlossen und kann sich vorstellen, da weiterhin in der Forschung tätig zu sein.

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