Windisch
Sie sammelte über die Jahre versteckte Perlen – nun gibt es sie als Buch

Die Historikerin Barbara Stüssi-Lauterburg hat 80 Geschichten und Fragen über die Vergangenheit ihre Heimatgemeinde recherchiert. Entstanden ist nun ein Buch, welches mit 96 Seiten allerlei interessantes über Windisch preisgibt.

Claudia Meier
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Barbara Stüssi-Lauterburg ist glücklich über ihren druckfrischen Sammelband «WIZ unterwegs».

Barbara Stüssi-Lauterburg ist glücklich über ihren druckfrischen Sammelband «WIZ unterwegs».

Claudia Meier

Wie hat sich eigentlich der Gemeindename von Vinse zu Windisch entwickelt? Warum wurde die Bäumliseife aus Windisch als Brugger Produkt vermarktet? Was hat es mit dem Schalenstein aus Windisch auf sich?

Es sind diese kleinen und grossen Fragen, die uns im Alltag oft begegnen, auf die wir aber nicht immer einfach eine Antwort finden. Das ist die Welt der Windischer Historikerin Barbara Stüssi-Lauterburg: Beim Recherchieren entdeckt sie Unscheinbares, Prächtiges, Heiteres und Besinnliches.

Stolz hält die 60-Jährige ein druckfrisches Exemplar «WIZ unterwegs» in den Händen. Das Werk, das am Freitagabend im Gemeindehaus vorgestellt wird, hat 96 Seiten, erinnert in der Aufmachung an die Brugger Neujahrsblätter und ist in jeder Hinsicht ein Windischer Produkt.

Es umfasst 80 illustrierte Beiträge, die zwischen 2008 und 2015 in der Windischer Zeitung (WIZ) erschienen sind. Der ursprüngliche Grund für diese Beiträge sei eigentlich ein trauriger, sagt Barbara Stüssi-Lauterburg.

13. November: Zwei Gründe zum Feiern

Die öffentliche Vernissage des Buchs «WIZ unterwegs» findet heute Freitagabend um 18 Uhr im Einwohnerratssaal in Windisch statt. Die Laudatio hält Eva Knecht-Riniker. Die Musikgesellschaft Eintracht umrahmt den Anlass, der genau 50 Jahre nach der Einweihung des Gemeindehauses Windisch stattfindet. (CM)

Es war nämlich Werner Keller, einem Bewahrer von Kulturgut und wertvollem Wissen über Windisch, der das Mitteilungsblatt der Musikgesellschaft Eintracht 1976 zu den Windischer Vereinsnachrichten aufgewertet hatte.

Darin publizierte er regelmässig Nachrufe über Windischer Persönlichkeiten. Als Werner Keller im Oktober 2007 verstarb, sah sich Barbara Stüssi-Lauterburg in der Pflicht, einen Nachruf über ihn zu schreiben und in der WIZ zu veröffentlichen.

Unterstützung aus eigener Familie

WIZ-Betreuer Max Gasser, heute Mitglied des Gemeinderats, fragte daraufhin die Historikerin an, ob sie nicht jeweils auf einer Seite eine Geschichte über ein Windischer Thema schreiben würde.

Stüssi-Lauterburg sagte zu. In ehrenamtlicher Arbeit und mit einer Carte Blanche ist in den vergangenen acht Jahren ein bunter Strauss an Geschichten unter der Rubrik «Mit der WIZ unterwegs» zusammengekommen.

Königsfelden mit seiner Fülle an Geschichten und Bildern ist ein wiederkehrendes Thema. Für das Buch wurden die Texte geringfügig überarbeitet, manchmal präzisiert oder neu illustriert. Die Reihenfolge entspricht den Publikationsdaten in der WIZ.

Einzelne Beiträge wurden von Ehemann und Historiker, Jürg Stüssi-Lauterburg, selber oder als Co-Autor verfasst. Die Wahl des Themas sei meistens spontan erfolgt, je nachdem was gerade am Weg oder «in der Luft» lag, sagt Barbara Stüssi-Lauterburg und lacht. Oft kann sie auf Quellen aus der eigenen Bibliothek, dem Gemeindearchiv oder alten Zeitungsartikeln zurückgreifen.

Ordner ermöglicht eine Geschichte

Die Geschichte über die Bäumliseife aus Windisch, die im Oktober 2015 erschien, hatte sich die Historikerin seit Jahren vorgenommen, kam aber bei der Recherche einfach nicht richtig vorwärts.

«Als ich realisierte, dass die Hausbesitzerin der ehemaligen Seifenfabrik einen ganzen Ordner voller wichtiger Dokumente hat, ging es dann plötzlich schnell», sagt Barbara Stüssi-Lauterburg.

«Ich bin allen Leuten dankbar, die altes Material aufbewahren und mir für die Recherche zur Verfügung stellen.» Ihr geht es nicht primär um Entstehungsgeschichten, sondern auch um Fortsetzungsgeschichten, um Anekdoten und Details, die sich rund um eine Hauptgeschichte ranken.

Einer der ersten, der auf die Geschichten reagierte, war Mario Etzensberger. Von ihm stammt das Vorwort im Buch. Er dankt der «Frau, die mit viel Liebe und Sachverstand» die versteckten Perlen sammelt, beschreibt und «uns oberflächlichen Zeitgenossen ins Bewusstsein rückt».

Anfang Jahr kam bei Barbara Stüssi-Lauterburg die Idee für dieses Werk auf. Es jetzt in den Händen zu halten, sei ein schönes Gefühl, sagt sie. Beim Weibel Druck in Windisch gestaltet der Lernende im dritten Lehrjahr jeweils die WIZ. Er war es auch, der das Titelbild mit der Brücke vorgeschlagen hatte, als Sinnbild für das Unterwegssein.