Windisch
Sie porträtiert Familien: «Mir zeigen die Leute, wer sie sind»

Susann Köhler war IT-Systemkauffrau. Warum die Windischerin jetzt Familien mit der Kamera porträtiert.

Maja Reznicek
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Bereits mit 15 Jahren fotografierte Susann Köhler.

Bereits mit 15 Jahren fotografierte Susann Köhler.

Britta Gut

Tür an Tür an Tür. Wer das Kunzareal in Windisch betritt, den erwartet ein homogener Co-Working-Space. Spätestens hinter «H25» ändert der Eindruck: Das neue Fotostudio von Susann Köhler zieht mit dem grün-pastelligen Schrank, dem Spanplatten-Schreibtisch vor der grossen Glasfront und der dezenten Dekoration die Blicke auf sich. «Wir haben alles selbst umgebaut. Glücklicherweise arbeite ich sehr gerne handwerklich und mag es individuell», erklärt die 38-Jährige.

Nur wenige Minuten von ihrem Zuhause entfernt, arbeitet sie an der Dorfstrasse 69 unter dem Namen «Fräulein Zuckerwatte». Im Zentrum steht dabei Familienfotografie. Mit der Entscheidung für das Studio habe Köhler einem Bauchgefühl nachgegeben. Dieses leitete sie schon oft.

Sie wollte den Beruf nicht ihr Leben lang ausüben

Mit 15 Jahren porträtierte die Windischerin bereits regelmässig die Familie. Ein Berufswunsch war es damals noch nicht. Köhler wurde IT-Systemkauffrau, arbeitete mehrere Jahre auf dem Job. Sie sagt: «Das machte Spass und ich mochte die Leute. Es war aber keine Leidenschaft.» Darum sei klar gewesen, dass sie diesen Beruf nicht ihr Leben lang ausüben werde.

2011 traf Köhlers Vater dann auf einem Inlineskate-Ausflug einen Nerv. «Er fragte mich, ob ich es denn nicht mal mit Fotografie probieren wolle. Darüber hatte ich bereits nachgedacht und bekam so den letzten Anstoss.» Aus einer Steuerrückzahlung kaufte sich Susann Köhler ihre erste Spiegelreflexkamera. Der Rest sei «Learning by Doing» gewesen.

Anfangs begleitete die Fotografin vor allem Hochzeiten und andere Anlässe. Mittlerweile fokussiert sie Familien sowie Schwangerschaften. Es gehe ihr aber nicht um die Fotografie an sich, sondern um die Verbindung zum Menschen. «Vor der Linse zeigen mir die Leute, wer sie wirklich sind.» Und das treffe insbesondere auf Kinder zu.

«Sie sind echt. Und das Kinderkriegen an sich, ist für mich ein alltägliches Wunder.» Gleichzeitig ist es Köhler wichtig, reale Emotionen abzubilden. Sie fügt an: «Manchmal sind Hochzeiten zu inszeniert.» Mit dem Namen «Fräulein Zuckerwatte» zeigt sie darum einen Teil von sich selbst: «Ein Fräulein ist jemand freches, extrovertiertes, eine, die weiss, was sie will. Zuckerwatte hingegen zeichnet sich durch Luftigkeit, Dynamik und Leichtigkeit aus. Das passt zu meinem Charakter.»

Die Coronakrise ist Fluch und Segen für Köhler

Dass nach der Studioeröffnung gleich die Coronakrise kommt, damit hat Susann Köhler nicht gerechnet – nimmt es aber mit Gelassenheit. «Es war Fluch und Segen gleichzeitig», erzählt sie. Viele Shootings an Hochzeiten oder Anlässen fielen aus.

Verschiebungen seien für Köhler oft problematisch, da so im neuen Jahr weniger Termine für andere Kunden bereitständen. Auch Spezialaktionen griffen bisher nicht richtig: Noch bis kurz vor Weihnachten bietet Köhler ein Special, bei dem Familien drinnen oder draussen ein Shooting buchen können. «Die Leute sind sehr zurückhaltend aktuell. Das könnte die Angst sein – oder das Wetter.»

Neben der Arbeit mangelte es Köhler im letzten halben Jahr an Zeit. Die Fotografin und ihr Mann nahmen den 4-jährigen Sohn aus Angst vor dem Virus für Monate aus der Krippe. «Ansonsten ist er zwei Tage dort und zwei in der Waldspielgruppe. Plötzlich war der Betreuungsaufwand viel grösser», sagt die 38-Jährige. Negativ sieht Köhler diese Zeit trotzdem nicht. «Die Einschränkungen haben auch entschleunigt, ich durfte mehr bei meiner Familie sein.» Und sie habe endlich Zeit gehabt, ihr neues Fotostudio nach ihren Vorstellungen einzurichten.