Ganz weit oben befinden wir uns hier im siebten Stock im Neumarkt 1 in Brugg. Dorothée Birchmeier ist sich das gewohnt, denn sie arbeitet hier. Seit bald einem Jahr hat sie ihr Büro in den Räumen der Pro Senectute Aargau. Die Sachbearbeiterin leitet zusammen mit Barbara Casanova die Koordinationsstelle Alter Region Brugg. Im Interview erzählt sie von ihrer Arbeit und was diese mit Regenbogen, Demenzberatung und Kindern zu tun hat.

Frau Birchmeier, Sie sind Sachbearbeiterin der Koordinationsstelle Alter Region Brugg. Immer wieder gibt es Verwechslungen mit der Pro Senectute Aargau. Was ist denn der Unterschied?

Dorothée Birchmeier: Die Pro Senectute Aargau ist für den ganzen Kanton zuständig und erbringt gegen Bezahlung Dienstleistungen, zum Beispiel den Mahlzeitendienst. Sie führt auch Veranstaltungen durch und ist in der Öffentlichkeitsarbeit tätig. Die Koordinationsstelle Alter Region Brugg steht hingegen primär den Organisationen, den Institutionen und den Behörden der Gemeinden Birr, Birrhard, Brugg, Habsburg, Hausen, Lupfig, Mülligen und Windisch zur Verfügung. Für diese Kommunen, die uns finanzieren, mache ich die Triage. Ich nehme neue Entwicklungen oder Aufträge von den acht Gemeinden auf und arbeite mit ihren Seniorenorganisationen zusammen. Ausserdem bin ich direkte Ansprechperson der Bevölkerung.

Können Sie das noch etwas genauer beschreiben?

Ich helfe Projekte, wie zum Beispiel das einer Seniorenband, aufzugleisen, sage den Leuten, wie sie es anpacken könnten. Wenn nötig, berate ich sie und biete Hand für ihre Fragen. Oftmals bekomme ich Anrufe von Angehörigen, die beispielsweise das Gefühl haben, ihre Eltern seien an Demenz erkrankt. Dann frage ich, ob sie beim Arzt schon eine Demenzabklärung haben machen lassen und leite sie an die Demenzberatung weiter. Leute, die persönlich hier vorbeikommen und Hilfe suchen, habe ich relativ selten. Die gehen meistens direkt zur Pro Senectute Aargau.

Wie beurteilen Sie die Angebote für Senioren im Bezirk Brugg?

Unterhaltungsmässig gibt es mehr als genug. Manche wissen es aber nicht oder wollen nicht hingehen. Eigentlich möchten sie ja schon, aber sie können sich nicht überwinden und finden Ausreden: «Dort kenne ich niemanden» oder «Pro Senectute-Turnen ist für alte Leute». Das Unterhaltungsangebot finde ich sehr gut, abwechslungsreich und interessant. Aber bei günstigem, altersgerechtem Wohnraum, da hinkt alles hinterher. Man sagt zwar, die Senioren seine reich, doch es gibt auch viele andere. Manche Leute würden gerne aus ihren Häusern ausziehen, aber sie finden nichts Entsprechendes oder es ist einfach zu teuer.

Im Jahr 2014 sind die Koordinationsstelle Alter Stadt Brugg und die Koordinationsstelle Alter Region Brugg zu einer Stelle zusammengeschlossen worden. Wie fällt das Fazit aus?

Der Zusammenschluss ist eine Erleichterung, vor allem vom Administrativen her. Zweimal pro Jahr führe ich eine Info- und Austauschsitzung mit den Institutionen und Organisationen durch, die sich in der Stadt Brugg und in der Region befinden. Früher musste ich diese Sitzungen an zwei Standorten separat abhalten. Dabei arbeiten die jeweiligen Organisationen eng zusammen. Denn es ist wichtig, dass sie einander gut kennen. Jetzt fällt viel Doppelspurigkeit weg. Der Zusammenschluss ist sinnvoll gewesen.

Und wie bewährt sich der neue Standort im Neumarkt?

Super (lacht). Die Leute finden uns jetzt viel besser. Am vorherigen Standort an der Bahnhofstrasse mussten sie den Hintereingang nehmen. Hier sind wir zentral. Die Senioren kommen in die Migros oder sind sowieso schon auf dem Neumarktplatz und können dann noch schnell mit dem Lift in den siebten Stock hochfahren. Die Koordinationsstelle Alter Region Brugg kann hier Sitzungen durchführen. Vorher mussten wir für diese immer auswärts nach Räumen suchen.

Letztes Jahr haben Sie in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Gemeinnützigen Frauenverein Sektion Brugg und Bezirk (SGF) das Regenbogenkaffee lanciert. Wie kam es dazu?

Die Frauen vom SGF wussten, dass es mein Ziel war, ein generationenübergreifendes Kaffee zu lancieren. Aus zeitlichen Gründen hatte ich das aber noch nicht in Angriff genommen. Die Frauen kamen dann auf mich zu. Sie hatten das Kaffee schon wie es heute steht, mit Namen und allem, organisiert. Ich habe dann nach Freiwilligen gesucht und bin behilflich gewesen bei Fragen wie: «Wie kommen wir an die Leute heran?»

Und wie läuft es?

Wir haben sieben freiwillige Mitarbeiterinnen. Regelmässig kommen sechs oder sieben Senioren. Natürlich dürften es noch ein bisschen mehr sein, auch Grosseltern, die ihre Enkel hüten. Bisher war erst eine Grossmutter mit einem Kind hier. Letztes Jahr war jeden Mittwoch, als das Regenbogenkaffee stattfand, wunderbares Wetter und dann wurde es kaum aufgesucht. Es muss noch mehr mit Mundpropaganda laufen. Ich glaube, so kommen die Leute eher, als wenn sie einen Flyer sehen.

Was ist denn eigentlich der Zweck des Regenbogenkaffees?

Das Regenbogenkaffee hat reinen Unterhaltungswert. Wir wollen damit die Gemeinschaft fördern und Gleichgesinnten die Möglichkeit geben, sich an einem zentralen Ort zu treffen (im Selbstbedienungsrestaurant im Pflegezentrum Süssbach, Anm. d. Red.) Dort muss auch nichts konsumiert werden.

Der Name Regenbogenkaffee klingt interessant. «Regenbogen» wird ja vielfach mit Homosexualität assoziiert. Hat das Kaffee auch etwas damit zu tun?

Nein, die Idee war folgende: Brücken schlagen zwischen jedem Alter und jedem Geschlecht, mit und ohne Kinder. Dies wird mit dem Regenbogen sehr gut symbolisiert. Deshalb ist der SGF auf die Idee mit dem Regenbogen gekommen.

Wie wird es mit dem Regenbogenkaffee konkret weitergehen?

Wir haben gesagt, dass wir es ein Jahr weiterführen. Konkret: bis im November 2018. Dann schauen wir, wie es sich entwickelt hat, ob mehr Leute kommen oder nicht. Die freiwilligen Mitarbeiterinnen haben gesagt, sie wollten das durchziehen. Und das ist ja auch super.

Bei Ihrer Arbeit sind Sie ständig mit dem Thema Alter konfrontiert. Wie sehen Sie dem Älterwerden entgegen?

Positiv (lacht). Sehr positiv. Ich möchte das Leben so weiterführen können wie jetzt. Dass ich weiterhin gesund bin, das ist eine Hauptsache. Ausserdem sportlich bleiben, Neues entdecken, vielleicht auch mehr Zeit für mich haben. Aber ich möchte nicht nur daheim sein. Wenn ich mich einmal pensionieren lasse, will ich auf jeden Fall freiwillig tätig sein.

Zu guter Letzt: Haben Sie Tipps für ein schönes Leben im Alter?

Die Menschen sollten einfach neugierig bleiben und sich dem Neuen nicht verschliessen. Sie müssen nicht mehr alles lernen oder können. Trotzdem sollten sie sich am Rand noch etwas informieren, vor allem was Informatik anbelangt. Man muss dieses Gebiet nicht beherrschen, aber ein bisschen wissen, worum es geht. Und einfach Freude haben an jedem Tag, das Leben geniessen und das Beste daraus machen.