Bis im Jahr 2000 war der Gemeinderat Unterbözberg eine reine Männerdomäne – als letzte im Bezirk Brugg. Mit der Wahl von Margrith Märki im selben Jahr änderte sich das.

Im 720-Seelen-Dorf leben noch viele traditionelle Familien. Märki vermutet, dass das ein Grund sein könnte, dass zuvor noch nie eine Frau Mitglied im Gemeinderat war. «Man ist schon einige Abende pro Woche für das Amt unterwegs. Das ist sicher nicht einfach für junge Mütter», sagt sie.

Die gebürtige Auensteinerin weiss aus dem Effeff, wie eine kleine Gemeinde funktioniert. Märki machte ihre Lehre auf der Gemeindeverwaltung und arbeitete später als Gemeindeschreiber-Stellvertreterin in Staufen und Riniken.

Vor 26 Jahren zog sie nach Unterbözberg und heiratete einen Unterbözberger. So wurde sie Ortsbürgerin. Bald entschied sie sich für die Mitarbeit in der Finanzkommission. Im Nebenamt übernahm sie die Militärsektion Bözberg und führte die Zivilschutzstelle. «So lernte ich die Behörden kennen.» Nach elf Jahren in der Finanzkommission war die Zeit reif für den Wechsel in die Exekutive: «Vorher führte ich nur immer aus oder gab Empfehlungen ab. Im Gemeinderat kann ich mitgestalten und etwas bewegen.»

Als absoluten Höhepunkt in ihrer Amtszeit bezeichnet die 51-Jährige die letzten fünf Jahre, in denen sie als Vizeammann die Vorbereitungen zur Fusion der Gemeinde Bözberg mit den Ortsteilen Gallenkirch, Linn, Oberbözberg und Unterbözberg begleiten durfte: «Es ist ja nicht selbstverständlich, dass ich in meiner zwölfjährigen Amtszeit eine so wichtige Entwicklung miterleben konnte.»

Zu Märkis Ressorts gehörten die Liegenschaften, Schule, Soziales, Gesundheit und Vormundschaftswesen. So ist sie zuständig für die Schulhaussanierung: «Auch wenn ich nicht mehr Gemeinderätin bin, werde ich die Baukommission bis zum Projektabschluss präsidieren. Es ist eine schöne Aufgabe, für den Baukredit von 3 Millionen verantwortlich zu sein.»

In Ihrer Amtszeit brachte Märki alle Geschäfte, die sie selber vertreten musste, an der Gemeindeversammlung durch. Man müsse sich schon sehr seriös darauf vorbereiten, sagt die versierte Politikerin. «Der Bürger ist heute sehr anspruchsvoll.» Besonders knapp war der Entscheid bei der Einführung einer gemeinsamen Schulleitung mit Riniken. Auch der Schulstandort der neuen Gemeinde Bözberg gab Anlass zu Diskussionen. Aus Protest trat damals die gesamte Schulpflege zurück. «Die Schule ist ein unglaublich emotionales Thema», sagt Märki rückblickend.

An ihrer letzten Gemeindeversammlung richtete sich Frau Vizeammann explizit an die Frauen: «Ich ermunterte sie, im Gemeinderat mitzumachen. Das ist eine super Lebensschule. Man kann ein riesiges Netzwerk aufbauen.» Märki glaubt daran, dass sie zusammen mit ihren Behördenkollegen in die 140-jährige Geschichte der eigenständigen Gemeinde Unterbözberg eingehen wird.

Die Gemeinde Bözberg wird ab 1. Januar 2013 operativ tätig sein. Aus ihrer Tätigkeit als Zivilstandsbeamtin weiss sie, was es für eine gut funktionierende Ehe braucht: «Besonders wichtig sind regelmässige Gespräche, aber auch gegenseitiges Verständnis und Respekt.» Nach drei Amtsperioden war für die Politikerin klar, dass sie nicht für den neuen Gemeinderat kandidieren wollte. «Die vielen Kontakte aber werden mir fehlen», sagt Märki etwas wehmütig.