Wegbegleitung

Sie holen Hilfe, wenn für sie der Berg zu hoch ist

Von links: Beatrice Bieri, Leiterin Vermittlungsstelle Wegbegleitung Brugg; Hans Peter Mauch, Sozialdiakon der Reformierten Kirchgemeinde Birr und Susanne Dietiker, Wegbegleitung der Reformierten Kirchgemeinde Windisch.

Von links: Beatrice Bieri, Leiterin Vermittlungsstelle Wegbegleitung Brugg; Hans Peter Mauch, Sozialdiakon der Reformierten Kirchgemeinde Birr und Susanne Dietiker, Wegbegleitung der Reformierten Kirchgemeinde Windisch.

Nach Brugg bieten nun auch Birr und Windisch die ökumenischeWegbegleitung an: Dieses kostenlose Angebot ist für Menschen, die - aus unterschiedlichen Gründen - nicht mehr weiter wissen.

Niemand ist vor schwierigen Situationen – etwa dem Verlust des Arbeitsplatzes, der Trauer um einen geliebten Menschen, einer Krankheit oder Züglete – gefeit. Während die einen sie aber als bewältigbare Herausforderungen begreifen, erscheinen sie den anderen als Mount Everests. Wer kann mir helfen, diese zu überwinden, fragen sich diese Verzweifelten. Verzagen müssen sie nicht, denn für sie gibt es die ökumenische Wegbegleitung. Diese bietet Menschen in schwierigen Lebenssituationen kostenlose Unterstützung an.

2012 starteten die Reformierte Landeskirche Aargau und die Katholische Landeskirche Aargau das Pilotprojekt in den Gemeinden Brugg, Schöftland, Leutwil und Mellingen.

Zwei Jahre später zogen die vier Gemeinden, respektive Pfarreien ein positives Fazit: Das Angebot war auf breite Akzeptanz gestossen, weshalb es fortgeführt wird. Ab sofort bieten auch die Reformierten Kirchgemeinden in Birr und Windisch eine Wegbegleitung an. Für den Birrer Hans Peter Mauch ist diese in seine Arbeit als Sozialdiakon integriert; Susanne Dietiker ist für die Wegbegleitung mit einem 15-Prozent-Pensum von der Reformierten Kirchgemeinde Windisch angestellt worden.

Unterschiedliche Akzente

Zusammen mit der Wegbegleitung der Katholischen Kirchgemeinde Brugg wird eine geballte Ladung an Wegbegleitungs-Kompetenz in der Region angeboten. Weshalb nicht ein Zusammengehen? Beatrice Bieri, Leiterin der Vermittlungsstelle in Brugg, verweist auf die unterschiedlichen Strukturen der beiden Landeskirchen. «Für die Katholische Kirche ist die Wegbegleitung ein fester Bestandteil der Sozialarbeit.»

Die Reformierte Kirche wiederum will laut Mauch «damit auch den Sinn für die Nachbarschaftshilfe und den Gemeindeaufbau fördern». Susanne Dietiker wiederum verweist «auf das von uns gewünschte Wirken im kleineren, überschaubaren Rahmen». Wo auch immer die Akzente der beiden Landeskirchen liegen, eines beschäftigt sie gleichermassen intensiv: Die Suche nach freiwilligen, lebenserprobten Helferinnen und Helfern, denn diese sind gleichsam das Gesicht der Wegbegleitung.

Eine Begrenzung ist für alle gut

Diese Freiwilligen begleiten Menschen in schwierigen Lebenssituationen ein Stück weit mit Anteilnahme, Zuhören, Gesprächen, Rat und Tat oder auch schon mal mit Spaziergängen. Beatrice Bieri erzählt, wie eine Wegbegleitung abläuft: «Wendet sich jemand an uns, sitzen wir – die Hilfesuchenden, die Wegbegleiterin und ich als Stellenleiterin – erst einmal zusammen und besprechen, was die Klienten möchten. Dann wird eine Vereinbarung für eine beschränkte Zeit abgeschlossen, denn: Eine Begrenzung ist auch für Hilfesuchende gut.» Hans Peter Mauch doppelt nach: «Wegbegleitung bietet einen klar abgesprochenen Auftragsrahmen. Die Vermittlungsstellen-Leitung bleibt Ansprechpartner für die gesamte Dauer der Begleitung.»

Manche getrauen sich nicht

Was kann die Wegbegleitung nicht leisten? Therapien oder fachliche Beratung. Zeichne sich ab, dass eine fachliche Hilfe notwendig sei, verweist Beatrice Bieri auf entsprechende Institutionen. Die Brugger Leiterin kann mittlerweile auf einen treuen Stamm von zehn Wegbegleitenden zählen; Hans Peter Mauch erwähnt ebenfalls zehn Freiwillige, die bereitstehen; bei Susanne Dietiker haben sich noch nicht sehr viele gemeldet. Manche potenzielle Wegbegleitende, sagt sie, würden sich einfach nicht getrauen, sich zu melden. «Sie befürchten, dass sie das nicht können.» Dabei, betont Susanne Dietiker, würde jeder exakt so eingesetzt, dass die Situation für ihn stimme.

Ihr Rüstzeug für die Wegbegleitung eignen sich die Frauen und Männer unterschiedlichen Alters in vorgängigen Kursen an; danach erfolgen regelmässige Treffen für den Austausch sowie weitere Schulungen.

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