Die Imkerin Ursula Müller (63) geniesst mit ihrem kleinen Hund Romeo das schöne Frühlingswetter vor ihrem Bienenhaus auf dem Areal Königsfelden direkt neben dem Wildgehege. Das Bienenhaus ist erst seit Anfang dieses Jahres an diesem Standort, vorher war es an einem anderen Ecken des Parks in Windisch. Die Rentnerin ist seit rund zwölf Jahren leidenschaftliche Imkerin. Zuerst acht Jahre bei ihr zu Hause in Schinznach-Dorf und nun das vierte Jahr auf dem Gelände der Psychiatrischen Dienste Aargau AG. Allerdings hat sie die Imkerei nie hauptberuflich betrieben. Müller arbeitete auf dem Areal Königsfelden als Arbeitsagogin in einer Werkstatt für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Dort lernte sie den Vorimker kennen und wurde vor vier Jahren angefragt, ob sie das Bienenhaus übernehmen möchte.

Der Standort Königsfelden ist optimal für die Imkerin und ihre zehn Bienenvölker. Besonders die Lage mitten im Park sei ein grosser Vorteil: «Die Bäume und Sträucher bieten von Frühling bis Herbst genügend Nektar als Energie für die Bienen und Pollen als Eiweiss-Lieferant», erklärt Müller.

Weiterbildungen als Bio-Imkerin

Die Schinznacherin hat sich als Imkerin stets weitergebildet. 2005 startete sie den zweijährigen Grundkurs beim Verein deutschschweizerischer und rätoromanischer Bienenfreunde (VDRB), der sich seit April 2018 neu BienenSchweiz nennt. Sie hat sich danach vor allem auf dem Gebiet der Bio-Imkerei weitergebildet. Müller war im Zusammenhang mit der Bio-Imkerei auch schon in Mexiko und Bulgarien. Aktuell besucht sie bei Apisuisse, dem Dachverband der Schweizerischen Bienenzüchtervereine, eine dreijährige Imkerschule.

Die Bio-Imkerin Ursula Müller kümmert sich in Königsfelden um zehn Bienen-Völker.

Die Bio-Imkerin Ursula Müller kümmert sich in Königsfelden um zehn Bienen-Völker.

Müller ist allgemein der Natur nahe und mit viel Passion Bio-Imkerin. In der Arbeitsgruppe für naturgemässe Imkerei (AGNI) ist sie äusserst engagiert. So war sie ab 2008 knapp zehn Jahre Vorstandsmitglied. Letztes Jahr trat sie zurück, ist aber weiterhin aktiv dabei bei der AGNI. Das Beobachten der Bienen fasziniert Müller jedes Mal aufs Neue. Ihr Augenmerk liegt nicht auf einem maximalen Ertrag, sondern beim Wohl der Bienen. Der Honigertrag schwankt stark, so gibt ein Volk zwischen 0 bis 20 Kilo Honig pro Jahr.

Gefährliche Herbizide für Bienen

Die 63-Jährige befasst sich ausgiebig mit dem Bienensterben. Vor allem der Gebrauch von Pflanzenschutzmitteln durch Hobbygärtner beschäftigt sie sehr. Die eingesetzten Herbizide können verheerende Folgen für die Bienen haben. Obwohl ein Garten ohne jegliches Unkraut schön ist, muss man sich bewusst sein, dass die eingesetzten Herbizide bei zu hoher Dosierung zu Veränderungen im Organismus der Biene führen können. Bauern stehen deswegen öfters in der Kritik. Allerdings ist Müller wichtig festzuhalten, dass die Bauern geschult sind und man davon ausgehen kann, dass sie die korrekte Dosierung anwenden. Es gelte, die Hobbygärtner zu sensibilisieren und zu schulen. Auf dem Areal Königsfelden besteht kein Giftproblem für die Bienenvölker von Müller.

Neben den Pflanzenschutzmitteln sind die Varroamilben ein grosses Überlebenshindernis für die Bienen. Die asiatische Varroamilbe ist für den Tod vieler Honigbienen verantwortlich. Wie alle Imker hat auch Müller mit dieser Milbe zu kämpfen. Doch nach dem langen Winter scheint es bis jetzt gut zu gehen: In den Brutnestern hat es nur wenige Varroamilben. Im Herbst werden die Bienenvölker jeweils mit Ameisensäure behandelt, um die Milbe zu bekämpfen. Die Säure tötet die Milbe, schädigt bei richtiger Anwendung die Bienen aber nicht.

Im Frühling herrscht Hochsaison

Die Hochsaison in der Imkerei ist in den Monaten April und Mai. Zu dieser Zeit pflanzen sich die Bienen fort und Jungvölker werden gebildet. Müller ist dann drei bis vier Mal pro Woche für jeweils mehrere Stunden beim Bienenhaus anzutreffen. «In der Hochsaison hat ein Volk bis zu 25 000 Bienen», erzählt Müller.

Der Honig aus Königsfelden ist besonders hochwertig, Müller hat ihn prüfen lassen und bekam sehr gute Bewertungen. Besonders stolz ist sie auf den selbst gemachten und ebenfalls geprüften Honigmet – einem Honigwein. Beide Produkte können am Sonntag, 13. Mai, im Rahmen des Internationalen Museumstags beim Ortsmuseum Schürhof in Windisch erworben werden. Von 13 bis 16 Uhr wird Müller persönlich vor Ort sein und Bienen in einem Laurenzkasten zeigen.