Liliane Eppisser aus Schinznach-Bad war über vier Jahrzehnte treue Mitarbeiterin der Migros in Brugg. Wirft sie heute einen Blick zurück, schwelgt sie in schönen Erinnerungen und denkt an den Ursprung ihrer Ehe.

So viele Dienstjahre haben nur wenige auf dem Buckel: Im letzten Jahr feierte Liliane Eppisser ihr 45-Jahr-Jubiläum in der Migros Brugg und ging dann in den wohlverdienten Ruhestand. Obwohl das so nicht stimmt, denn ruhig sitzen, das kann sie nicht. Sie war es sich gewohnt, immer hundert Prozent zu geben, stets bis Ladenschluss alle Arbeiten emsig zu erledigen und auf keinen Fall etwas zu vergessen. Das wurde von vielen Vorgesetzten während ihrer Zeit bei der Migros besonders geschätzt und machte sie auch dank ihres Fachwissens zu einem festen Bestandteil der Migros Brugg. «Manchmal kam es vor, dass sogar der Chef in meine Abteilung kam, um mich etwas zu fragen, was er nicht wusste. Dann war ich natürlich besonders stolz, wenn ich weiterhelfen konnte. Und das konnte ich nach so langer Zeit fast immer», fügt sie augenzwinkernd hinzu.

Das war nicht immer so, weiss sie zu berichten. Vor der Eröffnung des Neumarkts befand sich eine kleine Migros-Filiale in Brugg, dort wo heute das Modegeschäft H&M steht. Als die Migros 1975 im Neumarkt eröffnet wurde, hatten die Angestellten alle Hände voll zu tun und oftmals herrschte während des Umzugs das heillose Chaos. «Die alte Filiale blieb während der gesamten Züglete geöffnet und wir mussten zeitgleich den neuen Laden einräumen. Alles war neu und plötzlich so gross», erinnert sie sich. «Wir haben viel improvisiert.» Während sich die gesamte Belegschaft, bestehend aus vierzig bis fünfzig Mitarbeitern, früher eine Toilette teilen musste, gab es im Neumarkt scheinbar mehr als genug davon. «Heute denke ich, dass es an der Zeit ist, dass die Migros einen Neuanstrich erhält, und ich bin gespannt, was dabei herauskommen wird.»

Sie gehörte in die Migros Brugg

Angefangen hat alles am 1. Mai 1968 in der Metzgereiabteilung. Dort übernahm Liliane Eppisser den Posten als Verkäuferin der Charcuterie-Ware. Ganze zehn Jahre kümmerte sie sich um das Fleischsortiment, verpackte Würste und zauberte den Kindern mit einem gratis Stück Fleischkäse ein Lächeln aufs Gesicht. «Doch dann bekam ich Probleme mit den Händen. Ständig das gekühlte Fleisch anzufassen, verursachte Hautprobleme, und ich sah mich gezwungen, mich nach einem anderen Job umzusehen.» Der Chef aber wollte sie nicht gehen lassen und bot ihr eine Stelle in der Spielwarenabteilung an.

Überglücklich verlegte Liliane Eppisser also ihren Arbeitsplatz einen Stock höher und nahm pflichtbewusst und leidenschaftlich die Spielwarenabteilung unter ihre Fittiche. Den nun freien Posten als Fleischverkäufer wurde rasch besetzt. Der Zufall wollte es, dass Peter Eppisser gerade seine Rekrutenschule in Brugg beendete und sich auf die Stelle bewarb. «Dass der neue Mitarbeiter später mein Ehemann sein würde, hätte ich niemals gedacht. Am Personalfest im Jahre 1978 beeindruckten mich aber seine Fähigkeiten als Tänzer und von da an hat es gleich gefunkt», sagt sie lachend. Bis früh in die Morgenstunden tanzten sie zusammen in den «Dancings» der Umgebung. Um das Gerede zu vermeiden, behielten sie ihre Beziehung lange unter Verschluss, doch die verliebten Blicke verrieten sie eines Tages.

Kurz vor der Heirat in der Kirche Villmergen äusserte Liliane Eppisser Bedenken, dass für alle ihre Arbeitskollegen nicht genügend Platz in der Kirche vorhanden wäre und das Essen nicht ausreichen würde. Was sie nicht wusste: Die gesamte Migros-Belegschaft hatte eine Überraschung parat. In orangen Migros-Schürzen empfingen sie das Brautpaar vor der Kirche und servierten grillierte Cervelats. «Ich fiel aus allen Wolken und war sehr gerührt», erinnert sie sich.

Migros-freie Tage mit Ehemann

Dass es sich anfühlt, als wäre sie manchmal mit der Migros verheiratet gewesen, machte sich vor allem im Alltag zu Hause bemerkbar. «Beim Abendessen redeten mein Mann und ich meistens über die Arbeit in der Migros. Wir mussten sogar Abende einplanen, an denen das Thema Migros tabu war.»

In den letzten Jahren fiel Liliane Eppisser besonders auf, dass der Zusammenhalt im Team nicht mehr derselbe war wie in früheren Zeiten. «Personalfeste, die bis zum Morgengrauen dauerten, oder das tägliche Beisammensein nach Feierabend gab es schon lange nicht mehr. Ich denke, in der heutigen Zeit hat jeder selbst viel um die Ohren, mehr Verpflichtungen und Termine, die man einhalten muss», erklärt sie sich den Wandel.

Loslassen fiel schwer

Geht sie heute in die Migros, kann das einen ganzen Nachmittag in Anspruch nehmen. «Ich treffe dann so viele altbekannte Gesichter, statte meinen ehemaligen Arbeitskollegen und dem Chef einen Besuch ab und begleite sie in die Pausen. Dann wird über alte Zeiten geredet und viel gelacht», sagt sie.

An ihren letzten Arbeitstag kann sie sich noch gut erinnern. Bis um sieben Uhr abends brachte sie die Gestelle in Ordnung, wickelte Bestellungen ab und bediente die Kundschaft. «Ich wollte einfach nicht loslassen und musste, als es dann wirklich zum Abschied kam, weinen.» Doch die Wehmut weilte nicht lange. Heute kann sie sich ihren zahlreichen Hobbys widmen, näht in jeder freien Sekunde eigene Taschen oder ist mit dem Elektrovelo unterwegs. Während all den Jahren bei der Migros hat Liliane Eppisser vor allem eines nicht verloren: ihre Lebensfreude und die fröhliche Art, mit Menschen umzugehen.