Schinznach

Sie halten die schmucke Badi mit Flicken und Schrauben in Schwung

Sobald die Temperaturen steigen, herrschen im Freibad wieder «japanische Zustände», wie es André Winkler, Badmeister-Stellvertreter, nennt. Das Bassin ist im Vergleich zur grossen Liegefläche zu klein. Das ist nicht der einzige Mangel dieser Badi.

«Es ist alles alt, zweckmässig und sauber», sagt André Winkler, stellvertretender Badmeister und Restaurant-Betreiber der Badi Schinznach. Das kleine schmucke Freibad liegt umgeben von Bäumen und Büschen an der Aare. Von der Aarestrasse aus ist es, nicht einmal zu erahnen. Nur ein Wegweiser hält einen davon ab, einfach vorbei zu fahren.

«An Spitzentagen reicht die Wasserfläche einfach nicht. Im Gegensatz zu unserer grossen Wiese ist im Bassin oft kaum noch Platz», erklärt Lydia Oehrli, Badmeisterin. Bei einem Blick über das Gelände wird klar, was sie meint: Grüner Rasen und einige kleinere schattenspendende Bäume bedecken die über eine Hektare grosse Wiese.

«Im Wasser haben wir an einigen Tagen schon fast japanische Zustände», sagt André Winkler. «Wir könnten rote und gelbe Billetts verkaufen und dann halbstundenweise abwechseln», scherzt der Beizer.

«Aber auch bei Hochbetrieb und vollem Becken ist auf der Wiese immer noch genügend Platz. Hier müssen die Besucher nicht wie Sardinen Badetuch an Badetuch ‹sünnele›», erklärt die Badmeisterin.

Manchmal gehen die Glacen aus

Beim Rundgang erkenne ich endgültig: Diese Badi hat Charme. Die alten mit Holz ausgekleideten Garderoben oder die Häuschen mit saisonal mietbaren Kabinen geben dem Freibad einen Rahmen, wie kaum einer anderen Badi. Die alten Hinweisschilder – auf einem steht «Achtung vor Diebstahl» – machen den Eindruck einer Zeitreise komplett.

Dieser Charme wird aber nicht künstlich herbei geführt: André Winkler und Lydia Oehrli bemühen sich mit Herzblut um die 60 Jahre alte Badi. Hier scheint die «gute alte Zeit» eingefroren zu sein.

Dieses nostalgische Flair hat aber nicht nur Sonnenseiten: Die beengte Küche und überalterte Technik bereiten der Badmeisterin und ihrem Stellvertreter am meisten Sorgen.

«Wir haben in der Küche nur eine Fritteuse, einen kleinen Ofen und zu wenig gekühlte Lagerplätze. An Spitzentagen reicht das einfach nicht», sagt André Winkler.

Am Pfingstmontag seien ihm schon die Glacen ausgegangen und dies, obwohl am Morgen das Lager noch randvoll gewesen sei. Nicht nur die Gebäude der Badi stammen aus den 50er-Jahren, sondern auch ein Grossteil der Technik.

Umwälzpumpe hat es in sich

Beim Eintreten in das Häuschen, in dem sich Maschinen und Filter befinden, deutet André Winkler auf ein grosses tankartiges Gebilde: «Das ist der ‹Bock›. Wir haben seit vielen Jahren eine Hassliebe.»

Er dreht dem grossen Filter aber bald wieder den Rücken und wir steigen einen Stock hinunter zum Herzstück der Anlage – zur Umwälzpumpe. «Sie läuft bis morgen oder sogar noch länger», kommentiert der stellvertretende Badmeister den Anblick lakonisch.

So abgebrüht, wie das klingt, ist er aber bei weitem nicht. Als er den Steuerungskasten erklärt und aufzeigt, welche Teile schon ersetzt wurden und welche noch original sind, flammt seine Begeisterung deutlich wieder auf: «Man kann hier alles ersetzten und flicken. Bei vielem ist es einfach eine Preisfrage.»

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